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Konfessionen rücken näher zusammen

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Mehrere evangelische und katholische Gemeinden in Gießen feierten gemeinsam das Osterfest.

Gießen (bcz). Nach dem ersten gemeinsamen Anlauf 2021 in Form eines Ökumenischen Osterwegs auf dem Alten Friedhof rückten die beiden christlichen Konfessionen in diesem Jahr noch ein Stück mehr zusammen: Der katholische Pfarrverbund Gießen und die evangelische Kirchengemeinden »Gießen-Ost« feierten gemeinsam das Osterfest. Begonnen hatte dies am Palmsonntag mit einem ökumenischen Gottesdienst. Am Karfreitag luden beide Gemeinden zu einem Familiengottesdienst ein und am Ostersonntag wurde um sechs Uhr in der St. Thomas Morus-Kirche gemeinsam zur Auserstehungsfeier eingeladen.

Gelebte Ökumene

Zusätzlich wurden in den einzelnen Kirchen die traditionellen Gottesdienste veranstaltet. Träger dieses ökumenischen Gedankens sind Pfarrer Johannes Lohscheidt und Gemeindereferentin Uta Kuttner.

Ökumene wird in Gießen schon immer gelebt. Bereits seit Jahren wird auf dem Schiffenberg gemeinsam Pfingsten gefeiert. Im vergangenen Jahr kamen noch Palmsonntag und die Christmette dazu. Aufseiten der Kirchenmusik gibt es einen regen Austausch zwischen den Kantoreien, auch bei den Gemeinden über die jeweiligen Grenzen hinweg. Deutlich wurde dies, als die Entscheidung getroffen wurde, die Wichernkirche nicht zu sanieren, sondern diesen Kirchenraum aufzugeben.

Seitdem feiert die Wicherngemeinde ihre Gottesdienste in der katholischen St. Thomas Morus-Kirche. »In der Pandemie hatten wir im vergangenen Jahr das erste Mal den ökumenischen Osterweg am Palmsonntag gemeinsam gestaltet. Darauf haben wird aufgebaut«, sagte Lohscheidt in einem Gespräch mit dem Anzeiger und ergänzte: »Wir brauchen Ökumene.« Diesem Gedanken konnte Kuttner zustimmen und führte aus, dass es nicht um eine Gleichmacherei beider Konfessionen ginge. »Hier geht es vielmehr um das, was wir gemeinsam glauben.« So werden in den ökumenischen Feiern bewusst auch die Unterschiede angesprochen, bei denen dann jeder selbst entscheiden kann, wie er sich dazu verhält. »Unsere Zielgruppe sind die Familien. Ein Beispiel: Die Kinder gehen zusammen in einen Kindergarten, umso schöner ist es für sie, auch gemeinsam Gottesdienst zu feiern«, so Kuttner. Dabei werden die Themen, die beide Kirchen trennen, bewusst ausgeklammert. »Es geht uns nicht um die großen theologischen Fragen, sondern wie kommt die christliche Botschaft zu den Menschen«, sagte der Pfarrer dazu.

Aus diesem Ansatz heraus wurde das ökumenische Angebot geschaffen und wird von den beiden aktiv gelebt. Am Freitagvormittag waren rund 50 Personen mit ihren Kindern auf den Pfarrhof von St. Thomas Morus gekommen, um familiengerecht die Karfreitagsliturgie zu zelebrieren. Dementsprechend kindgerecht waren auch Fürbitten und Gebete gestaltet: Da wurde für kranke und gehänselte Kinder und Menschen gebetet. Dinge, die jedem bekannt sind und die die christliche Botschaft für jeden begreifbar machen. Der Gottesdienst kam jedenfalls gut an, denn eine Kleine sagte im Anschluss daran zu ihrer Mutter: »Die Gottesdienste hier sind echt toll.« Ein größeres Lob können die beiden Theologen für ihre Arbeit gar nicht bekommen.

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