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Konten für ukrainische Flüchtlinge

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Symbolfoto: dpa © DPA Deutsche Presseagentur

Hunderte Geflüchtete aus der Ukraine haben bei Sparkasse, Volksbank und Commerzbank in Gießen schon Konten eröffnet. Ein Geldumtausch ist allerdings nicht möglich.

Gießen (bl). Die Menschen, die aus der Ukraine geflüchtet sind, haben Schreckliches erlebt - oder sind vielleicht gerade noch dem Schlimmsten entkommen. Die Ankunft in Deutschland soll daher so unkompliziert wie möglich verlaufen. Sie müssen keinen Asylantrag stellen, sollen schnell und unbürokratisch eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten, zudem wird ihnen Zugang zu Sozialleistungen, Gesundheitsversorgung und zum Arbeitsmarkt gewährt. Das bedeutet gleichzeitig: Ein neues Konto einzurichten, auf das auch Geld eingezahlt werden kann, macht durchaus Sinn. Bei der Sparkasse Gießen, der Volksbank Mittelhessen und der Commerzbank Gießen ist das bereits mehrfach geschehen.

»Insgesamt hat die Sparkasse schon über 300 Konten für Betroffene eröffnet«, teilt Marina Böcher von der Unternehmenskommunikation auf Anfrage des Anzeigers mit. Die weitere Entwicklung sei »derzeit aber nicht absehbar und hängt vom aktuellen Kriegsgeschehen ab«. Der Vorstandsvorsitzende Peter Wolf jedenfalls versichert: »Wir helfen den Menschen gerne, die dem Krieg in der Ukraine entflohen sind und in unserer Region eine temporäre Bleibe gefunden haben.« Für die Volksbank Mittelhessen verweist deren Pressesprecher Dennis Vollmer auf eine »bislang dreistellige Zahl« von Konten für ukrainische Flüchtlinge. Es sei wichtig, »ihnen die Teilhabe am Wirtschaftsleben« zu ermöglichen. »Und wir rechnen damit, dass die Nachfrage noch deutlich steigt.«

Von einer »regional sehr unterschiedlichen Nachfrage« berichtet wiederum die Commerzbank. Normalerweise sei für eine Kontoeröffnung ein Aufenthaltstitel der Europäischen Union erforderlich, darauf werde in der jetzigen Notsituation jedoch verzichtet. »Der Kunde muss ihn nach Erhalt nachreichen.« Eines gültigen Legitimationspapieres bedarf es natürlich trotzdem. So hat das Bundesinnenministerium entschieden, dass die ukrainische ID-Karte zeitlich befristet bis Februar 2023 als Passersatz und Identitätsnachweis anerkannt werden darf. Der zweisprachige Reisepass gilt ebenfalls als zulässiges Dokument. Während bei Volksbank und Sparkasse für ein halbes Jahr keine Gebühren fällig werden, ist das Konto bei der Commerzbank zunächst zwölf Monate kostenfrei. Damit Spendengelder oder Unterstützungsleistungen vollständig den Empfängern in der Ukraine oder Moldawien zugutekommen, ergänzt Marina Böcher, setze die Sparkasse zudem »bis auf Weiteres« die Gebühren für Auslandsüberweisungen dorthin aus.

Wer ukrainische Hrywnja umtauschen möchte, hat dagegen bei keinem der drei Institute Erfolg. Laut Commerzbank ist die Währung schon in der Vergangenheit nicht mehr ver- oder angekauft worden, »da faktisch keine Nachfrage vorhanden war«. Das Geld ist praktisch wertlos, weil es keinen Markt dafür gibt. »Sofern sich eine stabile Lösung für die Verwertung dieser Währung findet, werden wir umgehend unser Sortenportfolio erweitern. Dafür braucht es aus unserer Sicht eine baldige Lösung auf EU-Ebene«, so die Commerzbank.

Bleibt noch die Frage, wie eigentlich mit russischen Kunden umgegangen wird? Die Sparkasse etwa nimmt aufgrund der verhängten Sanktionen vorerst keine Auslandszahlungsaufträge nach Russland entgegen. Bei der Commerzbank »läuft der Zahlungsverkehr mit Russland eingeschränkt«. Und auch die Volksbank hält sich »selbstverständlich« an die Sanktionen. Betroffen seien davon indes »nur ausgesprochen wenige Konten beziehungsweise mögliche Geschäftsvorfälle«.

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