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»Kontinuierlich an Belegungsgrenze«

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Der Gießener Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher (4.v.re.) ist neuer Vorsitzender des Gießener Forensikbeirats der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Haina. Geschäftsführer Matthias Müller (links), die Ärztliche Direktorin Dr. Beate Eusterschulte (2.v.re.) und Pflegedirektorin Annegret Peter-Nickel (rechts) stellten die größte Einrichtung des Maßregelvollzuges in Hessen vor. Foto: Vitos © Vitos

Die Vitos Klinik für forensische Psychiatrie am Standort Haina soll ausgebaut werden. Der Gießener Oberbürgermeister Frank-Tilo becherwurde zum Vorsitzenden des Forensikbeirats gewählt.

Gießen (red). Der neue Gießener Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher ist in der konstituierenden Sitzung des Gießener Forensikbeirats der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Haina zum Vorsitzenden gewählt worden. Er folgt in dieser Funktion Dietlind Grabe-Bolz. Zum neuen Stellvertreter wurde Klaus-Dieter Grothe gewählt.

An allen Vitos Kliniken für forensische Psychiatrie sind Forensikbeiräte eingerichtet. Sie bilden ein Bindeglied zwischen den Bürgerinnen und Bürgern der Kommunen und der Klinik und dienen dem wechselseitigen, kontinuierlichen Austausch. Dem in der Regel zweimal jährlich tagenden ehrenamtlichem Gremium gehören Vertreter der Fraktionen der Parlamente, Kirchen, Medien und Polizei an. Die Kommunen schlagen die Mitglieder vor. Anschließend werden sie durch die Gesellschafterversammlung der jeweiligen Vitos Gesellschaft berufen. Nach einer kurzen Unternehmensvorstellung durch Geschäftsführer Matthias Müller berichtete Ärztliche Direktorin Dr. Beate Eusterschulte ausführlich über die aktuelle Situation im hessischen Maßregelvollzug und in der Klinik für forensische Psychiatrie Haina mit ihrem Standort in Gießen.

Während es in den Jahren 2012 bis 2016 einen kontinuierlichen Rückgang der Patienten in Hessen gab, steigen diese seit 2016 wieder deutlich an. »Eine Steuerung ist nicht möglich, da die Gerichte die Unterbringung von psychisch kranken Rechtsbrechern bzw. die Beendigung der Unterbringung beschließen«, begründete die Ärztliche Direktorin.

In enger Abstimmung mit dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration hat Vitos standortübergreifend Maßnahmen zur Kompensation des Anstiegs initiiert. Seit 2017 hat Vitos rund 160 neue Betten geschaffen, um die Patientinnen und Patienten zu versorgen. Unter anderem konnten im Zuge der Erweiterung der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Riedstadt erste Stationen ihren Betrieb aufnehmen. Hessenweit waren im vergangenen Jahr durchschnittlich 853 Patient/-innen in den Vitos Kliniken für forensische Psychiatrie untergebracht.

Die Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Haina ist hessenweit für die Behandlung erwachsener psychisch kranker Rechtsbrecher (§ 63 Strafgesetzbuch) zuständig. »Bei 415 Betten wurden in Spitzenzeiten zuletzt 431 Patienten behandelt«, sagte die Ärztliche Direktorin.

Dies war nur durch die Schaffung weiterer Kapazitäten möglich. Am Standort Gießen wurde eine Außenwohngruppe auf dem Campus in der Licher Straße eingerichtet. Es wurden Stationen reaktiviert und eine prästationäre Aufnahmestation eröffnet. Dies erfolgte insbesondere vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie. Durch die Quarantänestation wurde das Risiko des Eintrags des Coronavirus in die Klinik minimiert.

»Wir befinden uns kontinuierlich an der Belegungsgrenze«, sagte Eusterschulte. Aktuell sind 421 Betten belegt. Eine Entspannung der Belegungssituation werde sich vermutlich erst 2025 einstellen, wenn am Standort Haina der geplante Ersatzneubau für die Klinik bezugsfertig sei. Der Baubeginn soll im Herbst erfolgen.

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