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Krimifestival Gießen soll weitergehen

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Von: Björn Gauges

Veranstalterin Anna Lischper zieht eine zufriedene Bilanz und blickt zugleich optimistisch auf den kommenden Herbst. Allerdings soll die Arbeit aufgeteilt werden.

Gießen. Das Anfang dieses Monats zu Ende gegangene 19. Krimifestival Gießen war eine ganz besondere Ausgabe der beliebten Veranstaltungsreihe: Denn wenige Tage vor ihrem Start Ende September starb der Erfinder und seitherige Kopf Uwe Lischper im Alter von 70 Jahren. Kurzfristig übernahm daher seine Tochter die anfallenden Aufgaben und sorgte zusammen mit einem mehrköpfigen Team für den reibungslosen Ablauf des Programms. Nun zieht Anna Lischper eine erste Bilanz - und zeigt sich zugleich optimistisch, dass es im kommenden Herbst auch eine 20. Ausgabe geben wird: »Das Krimifestival soll fortgesetzt werden«, bekräftigt die 37-Jährige.

Zu diesem Wunsch trug maßgeblich die Publikumsresonanz auf die jüngste Ausgabe bei: »Es lief richtig, richtig gut.« Insgesamt 30 Veranstaltungen waren im Programm, die in ihrer bewährten Mischung unterschiedliche Geschmäcker ansprachen. Dazu zählten mit Petra Schmidt-Schaller, Joe Bausch und Franziska Weisz drei prominente TV-Schauspieler (»Tatort«), ebenso wie verschiedene Schauplätze in Stadt und Landkreis sowie natürlich die Vielfalt der Autoren, deren Geschichten zwischen hartem Thriller und gewitzter Komödie so ziemlich jedes Krimi-Genre abdeckten. Rund 3000 Zuschauerinnen und Zuschauer zählten die Veranstalter am Ende, darunter zehn ausverkaufte sowie viele sehr gut ausgelastete Auftritte - und häufig eine intime Atmosphäre, in der sich Autoren und Publikum angenehm nahekamen.

»Mein Vater hat hier über die Jahre ein Wohlfühlklima geschaffen, das sich unter den Autoren herumgesprochen hat«, erklärt Anna Lischper. Viele von ihnen hätten sich daher mit dem Wunsch bei ihm gemeldet, selbst einmal beim Krimifestival Gießen dabei zu sein. So entstand ein deutschlandweites Netzwerk, das seine Tochter künftig gerne weiter nutzen würde. Die Intensität der Arbeit ist allerdings hoch, zumal die Mutter einer kleinen Tochter als Zeitungsredakteurin in Kassel lebt und arbeitet.

Wie es künftig weitergehen soll, darüber will sie daher derzeit noch keine konkreten Auskünfte geben. Aktuell gebe es Gespräche, wie die anfallende Arbeit verteilt werden könne, wie das Programm gestaltet werden soll, welche Sponsoren und Unterstützer man noch gewinnen könne. So »arbeiten wir als Team daran, dass es 2023 weitergehen soll«, sagt die in Gießen aufgewachsene Anna Lischper. Nur so viel: »Die Zeichen dafür, dass es weitergeht, stehen gut.«

Eigene Vorstellungen, wie das Programm gestaltet werden könne, hat die Krimi-affine Journalistin und langjährige Begleiterin des Festivals natürlich auch. »Grundlegend verändert werden soll es aber nicht.« Mit der aktuellen Größe von 30 Veranstaltungen habe das Team gute Erfahrungen gemacht, auch die Publikumslieblinge wolle man gerne wieder nach Gießen holen. »Denn wir leben ebenso von deren Performances wie von den prominenten Gästen«, sagt sie.

Auftritte wie der von Kai Magnus Sting zählt Anna Lischper zu den aktuellen Höhepunkten. Der Schriftsteller, Schauspieler und Kabarettist habe mehr erzählt als gelesen und dem Publikum im ausverkauften Saal wertvolle Tipps mitgegeben, wie man den Alltag leichter werden lassen kann, ohne kriminell zu werden. Etwa, in einen vollen Aufzug eines Frankfurter Bürogebäudes steigen und jedes Stockwerk drücken.

Ebenso blieb der Veranstalterin der mörderische Schlagabtausch mit Ralf Kramp und Peter Godazgar in Erinnerung. Mehr als 140 Besucherinnen und Besucher folgten dem unterhaltsamen Dialog der beiden Kurzkrimi-Spezialisten im ausverkauften Netanya-Saal, noch einmal knapp 100 Gäste lockte Ralf Kramp dann am Abend darauf nach Hüttenberg. Nur zwei von mehreren Beispielen, die Anna Lischper als volle Erfolge bewertet. Dass der Tod ihres Vaters die Reihe zudem zu einem emotionalen Erlebnis gemacht hat, bestreitet seine Tochter nicht. »Das Festival trug seine Handschrift, er hat es perfekt vorbereitet«, betont sie. Umso mehr hat sie sich gefreut, als die ebenso erfolgreiche wie nahbare Schauspielerin Petra Schmidt-Schaller beim Auftakt der Reihe an ihren Vater erinnert und den Abend mit einem »Danke Uwe!« beendet hat. »Das zeigt die Wertschätzung, die er unter den Künstlern genossen hat.« Gerührt zeigte sich Anna Lischper auch von dem Auftritt Sascha Gutzeits zum Ausklang der Reihe, der seinem Freund Uwe Lischper gar ein eigenes Lied gewidmet hat, das er im »Ulenspiegel« vortrug.

Nun will seine Tochter dafür sorgen, dass Uwe Lischpers Vermächtnis fortgeführt wird, auch wenn es so wie es war, »natürlich nicht mehr sein wird«.

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Anna Lischper. Foto: Lammel © Lammel

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