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Kriminell, kulinarisch - und köstlich

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Am Sonntag auf Burg Gleiberg: Bestseller-Autor Alexander Oetker nach Lesung und Erzählstunde im Gespräch mit sichtlich gut gelaunten Veranstaltungsbesuchern. Foto: V © V

Wettenberg (V). Um die 70 Besucher hatten am Sonntag während einer Matinee-Lesung auf Burg Gleiberg ihre helle Freude an Schriftsteller Alexander Oetker, der in einer Veranstaltung der Wettenberger Deutschfranzosen seinen neuen Aquitaine-Krimi »Sternenmeer« und das ebenso druckfrische Südwestfrankreich-Kochbuch »Chez Luc« vorstellte.

Woher die Stimmungslage? Der 40-Jährige beließ es nicht beim Vorlesen: Eloquent plauderte der Umland-Berliner mit weiteren Wohnsitzen in Paris (Beruf) und in der Nähe von Bordeaux (Passion) aus seiner Arbeit in Frankreich, von den Recherchen für seine Bücher und vor allem von anregenden Begegnungen mit zahllosen Charakteren. Gar köstlich seine vergleichenden Betrachtungen, wenn es um einzelne Nuancen der Alltagskultur ging.

Sein erster Mentor sei die Mutter gewesen, sagte er zu seinen Motiven, eine Romanistin: Im Sog ihrer Sehnsucht ging es für den gebürtigen Ost-Berliner gleich nach dem Mauerfall westwärts - bis an den Mont Saint Michel in der Normandie. So schlug das Kind von damals eine Europa-orientierte journalistische Laufbahn ein, berichtete letztlich von 2008 an für die RTL-Mediengruppe aus Paris - und feilte später an einem Talent, das ihn seit der Jugend gefesselt hatte, das Verfassen von Geschichten.

Der Durchbruch als Romanautor, der hierzulande eine Leserschaft mit ausgeprägtem Frankreich-Faible bedient, gelang ihm 2017 mit Commissaire Luc Verlaine; verlegt von Hoffmann und Campe. Während bei Ulrich Wickert Paris die Kulisse abgibt für »das Böse«, bei Jean-Luc Bannalec die Bretagne, bei Martin Walker das Perigord oder bei Sophie Bonnet, Cay Rademacher und Christine Cazon der mediterrane Mikrokosmos, ließ sich Oetker in Bordeaux und der Region Nouvelle-Aquitaine nieder. Da kennt er sich aus, das ist seine zweite Heimat, da macht ihm keiner etwas vor. Kein Zufall, dass ihn der Verlag Piper diesbezüglich um einen Beitrag zur anerkannten »Gebrauchsanweisung für …"-Reihe bat.

Oetker zeigte sich am Sonntag im Rittersaal (trotz morgendlicher Anreise aus der Schweiz und bevorstehender Weiterfahrt) gut gelaunt und offen. Sein Auftritt unter dem Titel »Kriminell und kulinarisch« war kurzweilig, die Lesung präzise, der Spannungsbogen austariert - und alles Gesagte vermittelte Kenntnis, nicht allein Emotion. Gut gemacht. Angemerkt sei, dass sich Oetker - die gleichbleibende Luc-Verlain-Qualität in der nun sechsten Folge muss nicht betont werden - mit dem Kochbuch konstruktive Gedanken gemacht hat: »Chez Luc« ist nicht einfach Auflistung bekannter Speisen samt Zubereitungsvorgabe, sondern sozusagen kulinarisches Roadmovie durch Frankreichs Südwesten. Es ist ein Lesebuch mit viel Lustmacher-Faktor. Ein gar köstlicher Spätvormittag war es am Sonntag auf Burg Gleiberg.

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