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Kritik an Personalmangel am UKGM

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Die Gewerkschaft Verdi hat bei einer Kundgebung am Uniklinikum mehr Pflegekräfte gefordert. Außerdem wird fehlende Wertschätzung beklagt.

Gießen . Ein dreitägiger Streik am Uniklinikum Frankfurt ist zu Ende gegangen. Mehr Geld und mehr Personal waren die Forderungen. Bei einer enormen Streikbeteiligung seien 160 Beschäftigte in die Gewerkschaft Verdi eingetreten. Es sei den Streikenden »weniger um ein paar Euro mehr als um die miserablen Arbeitsbedingungen am Klinikum gegangen; egal in welcher Station«, berichtete Michael Altmann von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Hessen bei der gestrigen Kundgebung von Verdi vor dem Haupteingang des Uniklinikums Gießen (UKGM). Auf Anfrage des Anzeigers teilte UKGM-Pressesprecher Frank Steibli mit: »Wir werden kein Statement zu dieser Kundgebung abgeben und bitten um Verständnis.«

Verdi-Fachsekretär Gesundheit Fabian Dzewas-Rehm wollte in der von ihm organisierten Zusammenkunft aufzeigen, »dass dieses Uniklinikum ein anderes werden könnte«. Allerdings klaffen Wunsch oder Forderung und Realität noch sehr weit auseinander, wie deutlich wurde. Dzewas-Rehm benannte den Exodus einer ganzen Abteilung am UKGM-Standort Marburg, weil deren Arbeitsbedingungen sich dramatisch verschärft hätten. Auf der anderen Seite würden am Standort Gießen Intensivfachkräfte mit einem 5000-Euro-Eintrittsbonus gelockt. Gleichzeitig liefen seit einem Jahr Arbeitsgerichtsprozesse um nur 46 Euro monatliche Zulage für Pflegekräfte, die beatmete Patienten versorgten. Die mangelnde Wertschätzung der Beschäftigten durch den Arbeitgeber sei der Grund, dass nach ihrer Meinung es so nicht weitergehen könne.

»Katastrophal«

Ulrich Stroh erzählte von den Verhältnissen auf der Kardiologie-Intensivstation, auf der er arbeitet. Corona sei nicht das Hauptproblem. »Seit mehr als zwei Jahren sind 15 Betten nicht mehr belegbar, sei vier bis sechs Wochen weitere sechs geschlossen.« Grund sei, »weil wir kein Personal dafür haben.« Dies zeige die Situation auf, wie sie hier im Hause herrsche. »Es muss sich was bewegen. Wir brauchen mehr Pflegekräfte«, so seine Forderung. »Trotz Corona, trotz Applaus. Wenn wir nicht auf die Straße gehen und unsere Rechte einfordern, werden wir wieder nichts erreichen.«

Sebastian Schaufel erzählte als Mitglied der Jugend- und Ausbildungsvertretung am UGKM von »katastrophaler Situation in den Schulen der Ausbildung«, von fehlendem Wlan beispielsweise. Besonders die »kleinen Ausbildungsberufe wie MTA werden vernachlässigt.« Viele fühlten sich alleingelassen. Der Fachkräftemangel würde seit Jahren in der Presse thematisiert. »Doch niemand interessiert sich für die Ausbildung«, beklagte er. Viele Auszubildende wollten nach der Ausbildung nicht mehr bleiben, weil die Qualität der Ausbildung gering sei. »Und weil sie mitkriegen, wie mager die dargebrachte Wertschätzung in dieser Ausbildungszeit durch die Arbeitgeberseite sei. Dzewas-Rehm sieht die Landespolitik gefordert, »endlich einzutreten für diese Schule, auch die finanzielle Grundausstattung zu sichern.«

Nabor Keweloh arbeitet beim Intensivtransport, auch von Covid-Patienten. »Als einzige privatisierte Uniklinik in Deutschland verkommt das UKGM mehr und mehr zur unpersönlichen Fabrik.« Auch bei ihnen käme die Personalnot immer stärker an. Enttäuscht sei er über die Koalitionsvereinbarung der Ampel, die nur Marginales zum Gesundheitssystem enthalte.

Dem Profit unterworfen

DGB-Kreisverbandsvorsitzender Klaus Zecher wies auf die gemeinsame Forderung aller Gewerkschaften hin, dass »Gesundheitsversorgung und Sorge um die Menschen« nicht dem Profit unterworfen sein dürfe. Es könne nicht sein, dass Profitinteresse über allem stehe. »Wir fordern gemeinsam mit euch eine grundlegende Änderung der Politik.« Lediglich kleineren Änderungen wie »etwas mehr an Pauschalen zahlen«, erteilte Zecher eine Absage. Vielmehr sollte in der Gesellschaft die Frage diskutiert werden, ob Gesundheitsversorgung eine Ware sei.

Dass der Asklepios-Konzern in seinem Krankenhaus im benachbarten Lich Labor, Physiotherapie und Radiologie ausgliedern will, bereitet den Gewerkschaftlern Kopfschmerzen. Durch die Privatisierung der beiden Unikliniken in Gießen und Marburg sei der Druck auf die Beschäftigten gestiegen. »Nicht nur bei denen, die am Bett stehen.« Deswegen wolle man keine Ausgliederung, keine Teilprivatisierung, keine Zersplitterung. »Die hessische Landesregierung muss ihre Verantwortung wieder ernst nehmen, nicht die Privatisierung weiter vorantreiben und sich um die Kollegen hier kümmern«, so Zecher.

Ins selbe Horn blies auch Dzewas-Rehm Das Land Hessen zahle jedes Jahr viele Millionen Zuschüsse an das UKGM. Dafür erwarte man: »Keine Verschlechterung, keinen Personalabbau und endlich Verbesserung der Arbeitsbedingungen. »Wir werden nächstes Jahr wieder Druck machen«, versprach er. »Für Beschäftigungssicherungen, einen Tarifvertrag, der vor Ausgliederung schützt, auch der der UKGM-Service GmbH.«

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