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Kritik an Plänen für Rodungen

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Blick in das Waldstück, das für die vier Hektar große Firmenerweiterung gefällt werden soll. © Docter

Die Naturschützer des Gießener Arbeitskreises der HGON sind gegen die Erweiterung des Firmengeländes von Bieber+Marburg im Stadtwald, für die vier Hektar gefällt werden müssten.

Gießen . Stadträtin Gerda Weigel-Greilich (Grüne) hatte bei der Vorstellung der Pläne zur Erweiterung des Firmengelände der Bieber+Marburg GmbH + Co. KG im Steinberger Weg bereits »Ärger« prophezeit (der Anzeiger berichtete). Und genauso ist es jetzt auch gekommen. Dass nach dem Willen des Magistrats etwa vier Hektar Stadtwald gerodet werden sollen, damit das auf Stahl, Röhren und Bauprodukte spezialisierte Unternehmen den dringend benötigten zusätzlichen Platz erhält - wobei die Entscheidung des Stadtparlaments über die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans noch aussteht -, trifft beim Gießener Arbeitskreis der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) auf heftigen Widerstand. »So wird die Stadt Gießen die Klimaziele, mit denen sie sich gerne öffentlich schmückt, niemals erreichen«, betont Matthias Korn in einer Pressemitteilung stellvertretend für seine Mitstreiter.

»Völlig aus der Zeit gefallen«

Vor allem regt den HGON-Vertreter auf, dass im Entwurf des Regionalen Raumordnungsplans Mittelhessen »kaum Flächen zur Bebauung vorgesehen sind, auf denen tatsächlich Wald gerodet werden müsste«. Sollten nun gleich vier Hektar für ein Gewerbe gefällt werden, sei das »ein einzigartiger Vorgang in ganz Mittelhessen und völlig aus der Zeit gefallen«.

Der Argumentation Weigel-Greilichs, die hier größtenteils wachsenden Kiefern seien »nicht standortgerecht«, bringt der Arbeitskreis entgegen, dass große Teile des Stadtwaldes aus eben jener Baumart bestehen und »prächtig gedeihen« würden. Zudem sähen viele Förster und Naturschützer Kiefern als eine der wenigen Zukunftsbaumarten im Zuge der Klimakrise an. Laut der Stadträtin wiesen jedoch viele der zur Rodung vorgesehenen Bäume »Dürreschäden« auf, wobei auf der Mischwaldfläche auch andere Arten zu finden sind.

Um seine Kritik zu bekräftigen, erinnert der Arbeitskreis an die bislang letzte Erweiterung der aktuell circa 55 000 Quadratmeter umfassenden Firmenfläche im Jahr 2009. Schon damals habe es »immense Eingriffe in den Gießener Wald« gegeben. Matthias Korn und seine Kollegen wollen herausgefunden haben, dass »ein Drittel dieser neuen Fläche ausschließlich für Park- und Stellplätze genutzt worden ist«, wo vorher »ein artenreicher, wertvoller Waldbestand« gewesen sei.

HGON schlägt Alternative vor

Ferner wirft Korn den Verantwortlichen vor, dass hier »einfach gedankenlos drauflos geplant wird, ohne ernsthaft Alternativen zu überprüfen«. Das ist aber offenbar doch geschehen. So hatten Weigel-Greilich wie auch der Geschäftsführer des Unternehmens, Sven Bieber, vergangene Woche im Gespräch mit dieser Zeitung deutlich gemacht, dass im Stadtgebiet keine anderen geeigneten Flächen zur Verfügung stehen, um den Standort komplett dorthin zu verlegen. Was aus Sicht der Grünen-Politikern außerdem mit einer »sehr schlechten Ökobilanz« verbunden wäre, da dann neue Infrastruktur geschaffen und weitere Flächen versiegelt werden müssten. Im Übrigen habe HessenForst dem Verkauf des Waldstücks im Steinberger Weg bereits zugestimmt. Ausgleichsflächen sollen im Kreisgebiet geschaffen werden.

Die HGON fordert von der Firma mit ihren rund 220 Beschäftigten, zunächst die vorhandenen Kapazitäten vollständig auszunutzen und für Parkplätze platzschonende Alternativen zu finden. Für Erweiterungen biete sich zudem eher das östlich angrenzende Tonabbaugebiet an. »Die dortigen Wälder sind deutlich jünger, artenärmer und werden sowieso für den Tonabbau gefällt«, argumentiert Korn. Die Überbauung dieser Flächen hätte deutlich geringere Auswirkungen im Hinblick auf Klimawandel und Biodiversitätsverlust, »somit wären sie weitaus besser geeignet«.

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