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Küche, Hunde und ein Kriminalfall

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Von: Petra A. Zielinski

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Der sympathische Schotte Martin Walker (Mitte) zusammen mit Schauspieler Rainer Hustedt und Moderatorin Annette Spiller. Foto: Zielinski © Zielinski

Der schottische Bestsellerautor Martin Walker stellte sein neues Buch im Levi-Saal vor - und berichtete von seiner Leidenschaft für das Kochen, Bassets und vor allem Frankreich.

Gießen . »Wie kommt ein Schotte in das Herz von Frankreich?« Es war nur eine der Fragen, die Martin Walker im Hermann-Levi-Saal des Gießener Rathauses beantworten musste. Auf Einladung der Stadt in Kooperation mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Wettenberg und dem Verein für interkulturelle Bildung und Begegnung las der Bestsellerautor, Historiker und politische Journalist aus seinem neuesten Roman »Tete à Tete«.

Das Bild eines Schädels

Im Mittelpunkt des sowohl humorvollen als auch spannenden Kriminalromans stand - wie immer bei Walker - Bruno, Chef de Police - ein leidenschaftlicher Koch, Gärtner und Tennisspieler, dessen 14. Fall nun in die Vergangenheit führt. »Ich habe immer eine Idee, die dann den Ausgangspunkt für die Geschichte bildet«, erklärte der Autor in hervorragendem Deutsch. Dieses Mal sei es das Bild eines Schädels gewesen, welches sein Nachbar - ein pensionierter Detektiv - an seinem Kühlschrank hängen habe. »Der Schädel heißt Oscar und erinnert ihn an einen Fall, den er nie lösen konnte«, erzählte Walker.

Aus diesem Grund führt der Roman, der im Original »The coldest case« heißt, Bruno in das Prähistorische Museum in Les Eyzies, wo er feststellt, dass sich anhand von Knochenfunden rekonstruieren lässt, wie ein Mensch zu Lebzeiten aussah. Das bringt ihn auf die Idee, den alten Fall seines Freundes Jean Jaques, der diesen nie losgelassen hat, neu aufzurollen: Vor mehr als 30 Jahren wurde im Wald bei Saint-Denis die Leiche eines jungen Mannes gefunden, die nie identifiziert werden konnte. Da der Schädel in der Asservatenkammer blieb, lassen Jean Jaques und Bruno ihn nun rekonstruieren, um die Identität des Opfers herauszufinden und dem Mörder auf die Spur zu kommen.

Wie in den Vorgängerbänden geht es auch dieses Mal nicht um den Kriminalfall allein, sondern vielmehr um kleine Alltagsgeschichten, große Weltpolitik und das französische Savoir vivre im Périgord, genauer gesagt in der dort angesiedelten, erfundenen Gemeinde Saint-Denis. Der 1947 in Schottland geborene Walker lebt seit 1997 selbst im Périgord und kam aus dem Schwärmen für seine Wahlheimat im Südwesten des Landes nicht heraus. »Meine Frau hat damals das Haus gefunden, in dem wir noch immer leben«, erzählte der sympathische Autor, der durch einen französischen Freund das Land für sich entdeckt hat.

Unterstützt wurde Walker bei seiner Lesung von Schauspieler Rainer Hustedt. Während Hustedt unter anderem aus einem Kapital las, bei dem sich alles ums Thema (veganes) Kochen dreht, hatte sich Walker, der in englischer Sprache vortrug, eine Stelle herausgesucht, in der es um Brunos Bassett Balzac geht, der gerade Vater geworden ist. Fazit: Hundewelpen sind spannender als jede Fernsehsendung! Martin Walker, selbst stolzer Bassett-Besitzer lobte die Hunde als gute Trüffelsucher.

Natürlich kam auch der spannende Kriminalfall nicht zu kurz, in dem es um verschwundene Studenten und eine Spur geht, die weit in die Vergangenheit zurückführt. Egal ob es um DNA-Analysen, historische Hintergründe oder kulinarisch Spezialitäten geht: Alle Szenen waren bis ins kleinste Detail plastisch beschrieben. Auch Brunos komplizierte Suche nach einer starken Frau fürs Leben war wieder Thema des Buchs.

»Ich bin nicht so gut wie Bruno«

»Wie viel Martin steckt in Bruno?« fragte Moderatorin Annette Spiller. »Ich bin nicht so gut wie er«, lautete die prompte Antwort. Vor allem, was Tennis und Kochen anbelange. An der Herdplatte schaue ihm immer seine Frau Julia über die Schulter. »Alle Gerichte, die in »Tete à Tete« vorkommen, haben wir selbst gekocht.« Dass er als Schotte für seine Bücher »Brunos Kochbuch« und »Brunos Gartenkochbuch« eine Auszeichnung vom »Gourmand International« erhalten hat, sei ein »Schock für seine französischen Freunde« gewesen.

Während der Corona-Pandemie habe er deutlich mehr geschrieben. etwa das Ende September erschienene Buch »Brunos Périgord« oder den 15. Bruno-Krimi »To kill a trobadour«, dessen deutscher Titel noch nicht bekannt ist. Oftmals hätten die deutschen Bände die besseren Titel, merkte Walker an. So sei aus »The Devil’s Cave« nun »Femme fatale« geworden. Geplant sei aktuell auch eine Verfilmung seiner Romane.

»Mit einem Glas Wein bin ich eine Rampensau«, hatte er zu Anfang erklärt. Und es gab wohl keinen Zuhörer, der sich nach der Lesung, an deren Ende Martin Walker ein französisches Chanson a cappella zum Besten gab, nicht gut unterhalten fühlte.

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