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Kumpeltyp mit Hut und Gitarre

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Johannes Oerding liebt seine Fans und sie lieben ihn. Foto: Czernek © Czernek

Johannes Oerding zeigte sich auf dem ausverkauften Schiffenberg in Gießen als symapthischer und nahbarer Star zum Anfassen

Gießen. Der Gießener Kultursommer läuft: Ein Highlight jagt das andere und für jeden Musikgeschmack ist in diesem Jahr etwas dabei. Der fehlende Regen ist zwar für die Landwirtschaft und Gartenbesitzer zu einem Problem geworden, allerdings steuern die lauen Sommernachtstemperaturen ihren Teil zum fantastischen Open-Air-Feeling bei. Die Atmosphäre inspiriert jeden Künstler, so auch Johannes Oerding, der am Sonntag seine Fans einmal mehr begeisterte.

Geplant war das Konzert bereits 2020, musste aber pandemiebedingt auf dieses Jahr verschoben werden. Schon damals war sein Auftritt ausverkauft, sodass es nicht erstaunte, dass der Hausberg mit gut 5000 Zuschauern am Sonntag an seine Kapazitätsgrenzen kam. Schon zum zweiten Mal - nach 2018 - war Oerding zu Gast auf dem Schiffenberg und er fühlte sich auch diesmal sichtlich wohl.

Trostbier für Männer

Vom ersten Moment an war Begeisterung da und Oerding, der gewohnt lässig im blauen T-Shirt, mit Hut und Gitarre die Bühne betrat, genoss sichtlich diesen Moment und flirtete von Beginn an mit seinen Fans. »Es macht so viel Spaß«, meinte er gut gelaunt. Kein Zweifel, Oerding liebt das Publikum und es liebt ihn. Von Anfang an bestand eine Verbindung zwischen ihnen. Immer wieder suchte er dessen Nähe, mehr als einfach sprang er von der Bühne und nahm ein Bad in der Menge.

Mal ging er bis zu einem Getränkestand, um für sich und ein paar Männern ein Bier zu besorgen, die aus Liebe zu ihren Frauen da waren. Mit einem Augenzwinkern bestellte er dann auch zwei Bier für sie. »Kann ich ein Bier für die Jungs hier bekommen? Die sollen schließlich auch hier ihren Spaß haben. Ich habe aber überhaupt kein Geld dabei, kann ich anschreiben?« Die Lacher und die Sympathien waren ihm dabei sicher.

Ein anderes Mal kämpfte er sich zu einem Mädchen durch, dass eigens für ihn ein Schild gemalt hatte. »Raus aus der Anonymität - hin zu einer einzigen großen Freundesclique« - war seine Devise.

Besonders hatten es ihm die Singles unter den Besuchern angetan und so verwandelte er den Schiffenberg flugs zu einer Partnerbörse, suchte für eine weibliche Besucherin, die allein gekommen war, männlichen Bestand und versprach sogar auf der Hochzeit zu singen, falls sich an diesem Abend etwas entwickeln sollte.

Auch kleine, charmante Seitenhiebe auf seinen Kumpel und Kollegen Wincent Weiss kamen gut an. Dieser war eine Woche vorher da gewesen und Reste der Papierschlangen, die dessen Auftritt begleitet hatten, hingen immer noch in den Bäumen. »Ich rufe jetzt mal den Wincent an, damit er hier seinen Müll wegräumen kann«. Gesagt getan, doch leider ging der gerade nicht ans Telefon.

Solche Einschübe sind spontan und nicht planbar, aber sie sind unbezahlbar. Und genau deswegen strömten die Fans auch in Scharen auf den Gießener Hausberg. Wer das miterlebte, konnte sich dem nicht entziehen.

Die Bühnenshow mit coolen Lichteffekten und glänzend aufeinander eingespielten Musikern ließen keine Wünsche offen, ob Gitarren- oder Schlagzeugsoli - Live-Feeling vom feinsten. Das Publikum erwies sich als textsicher, egal ob das Lied als oder neu war. Da konnte er gemeinsam mit ihm »So schön« oder »Alles okay« intonieren und sich einmal mehr unters Publikum mischen.

Hymne auf Heimat

Geschickt hatte Oerding ältere und bekannte Lieder wie »Kreise«, »Hundert Leben« oder »Nie wieder Alkohol« mit neueren und teilweisen leiseren Tönen kombiniert und dabei einige brandneue Songs, wie »Porzellan« mit auf seine Playlist gesetzt. Emotional wurde er mit dem Song »Heimat«, eine wunderbare Hymne auf eben diese, frei von jedem volkstümelnden Kitsch. Auf das bekannteste seiner Lieder »An guten Tagen« musste das Publikum allerdings bis ganz zum Schluss warten. Das kam als letztes, allerdings hatte er es diesmal unplugged, alleine und nur mit seiner Gitarre auch schon bei einem seiner Ausflüge ins Publikum angespielt, doch komplett kam er erst ganz zum Schluss. Doch so ließ ihn das Publikum nicht von der Bühne gehen, erst nach weiteren vier Zugaben war endgültig Schluss für diesen Abend

Einen Trost hatte er für alle bereit, die in diesem Jahr keine Karte für ein Konzert ergattern konnten: Im kommenden Jahr geht er auf Tournee und wird auch in Frankfurt spielen.

Im Vorprogramm hatte zuvor die Sängerin Revelle ihre Zeichen gesetzt, die wohlwollend vom Publikum aufgenommen wurden.

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