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Kupierverzicht bei Schafen

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Gießen (red). Das »Tierwohl-Kompetenzzentrum Schaf« hat seine Arbeit aufgenommen. Ziel des dreijährigen Vorhabens unter Beteiligung der JLU ist es, eine Bündelung von Kompetenzen für Tiergesundheit und Tierwohl beim Schaf zu erzielen und Haltungs- sowie Zuchtempfehlungen für schafhaltende Betriebe zu entwickeln. Dies geschieht unter besonderer Berücksichtigung der Selektion auf Kurzschwänzigkeit bzw.

der optimierten Haltung langschwänziger Schafrassen, wie es in einer Pressemitteilung der Uni heißt.

Die Gesamtkoordination des Vorhabens übernimmt der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH). Hier wurden bereits in den letzten Jahren umfangreiche Vorerfahrungen im Rahmen des Tierschutz-Kompetenzzentrums gewonnen. »Wir sind sehr stolz, die Möglichkeit zur Fortführung unserer bisherigen Arbeit zum Kupierverzicht beim Schaf zu erhalten«, so Natascha Klinkel, Projektleiterin beim LLH.

Managementtool

Gemeinsam mit dem Institut für Tierzucht der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen ist es Projektinhalt der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Sven König, einen Gesamtzuchtwert »Tierwohl« zu entwickeln. Die dazu benötigten Daten werden auf Praxisbetrieben bundesweit erhoben, die sich für eine Teilnahme am Projekt bewerben können. Ihnen wird es ermöglicht, sich unmittelbar auf den Kupierverzicht beim Schaf vorzubereiten. Wissen, welches sich in der Netzwerkarbeit der Modell- und Demonstrationsvorhaben Tierschutz in sechs bundesweiten Schäfereien bewährt hat, soll nun aufbereitet und geteilt werden.

»Als Schwachstelle bei der erfolgreichen Haltung unkupierter Schafe und für eine nachhaltige Selektion auf Kurzschwänzigkeit hat sich dabei die mangelhafte Möglichkeit zur Dokumentation gezeigt«, erklärt Martin Steffens (LLH), der die Beratung in den Betrieben übernahm. Aus diesem Grund wird nun ein - auf dem bereits bekannten Zuchtprogramm OVICAP basierendes - Managementtool in Zusammenarbeit mit der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände e.V. (VDL) und der Firma Vereinigte Informationssysteme Tierhaltung (VIT) entwickelt.

Um keine Abstriche bei der Tiergesundheit und der Reproduktion der Schafe zuzulassen, ist die Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und Kleintiere mit Tierärztlicher Ambulanz der JLU unter Leitung von Prof. Dr. Axel Wehrend mit Dr. Henrik Wagner am Projekt beteiligt. Der Fachtierarzt für kleine Wiederkäuer, Dr. Wagner, möchte durch die wiederholte Datenerhebung am Tier feststellen, welche genetischen Korrelationen mit der Haltung unkupierter Schafe bzw. der gezielten Selektion auf Kurzschwänzigkeit einhergehen. »Die Folgenabschätzung für die Tiergesundheit und Reproduktion ist Ziel dieser umfangreichen Arbeiten auf den teilnehmenden Betrieben«, sagt Dr. Henrik Wagner. Durch Online- und Präsenzveranstaltungen sowie Lehrvideos soll das generierte Wissen zeitnah in die Praxis gespiegelt werden. Diese Aufgabe übernimmt das FiBL Deutschland e.V. im Rahmen des »Tierwohl-Kompetenzzentrums Schaf«.

Bundesfördermittel

Die Förderung des Vorhabens erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aufgrund eines Beschlusses des deutschen Bundestages. Die Projektträgerschaft übernimmt die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen des Bundesprogrammes Nutztierhaltung.

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