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Kurs-Absetzung sorgt für Ärger

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Von: Eva Pfeiffer

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Einen Kraftsportkurs sucht man im aktuellen Programm des Allgemeinen Hochschulsports der JLU vergeblich - sehr zum Ärger der bisherigen Teilnehmer, die sich eine Wiederaufnahme des Kurses wünschen. Symbolfoto: dpa/Jens Büttner © Red

Einen Kraftsportkurs sucht man beim Allgemeinen Hochschusport der JLU Gießen derzeit vergeblich. Einige Sportfans reagieren mit Unverständnis auf die Absetzung

Gießen . Ob Badminton, Fußball, Judo oder Rugby - nach der Corona-Zwangspause haben Bewegungsenthusiasten beim Allgemeinen Hochschulsport (AHS) der Justus-Liebig-Universität (JLU) mittlerweile wieder reichlich Auswahl. Doch eines fehlt: Ein Kraftsportkurs. Und genau das sorgt hinter den Kulissen für Irritationen - und teils auch für Ärger -, denn vor der Pandemie wurden im Kraftraum der Sportwissenschaften fleißig Gewichte gestemmt, Kniebeugen oder Klimmzüge gemacht. »Gibt es den Kraftsport nicht mehr? Konnte diesen Kurs nicht finden«, fragt ein Interessent bei Facebook, nachdem das Programm für das gerade begonnene Wintersemester veröffentlicht worden war.

Ein Sprecher des bisherigen AHS-Kraftsportkurses formuliert es in einer Mail an den Generalsekretär des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes, die dem Anzeiger vorliegt, deutlich schärfer: Die Corona-Pandemie sei seitens der Leitung des AHS »genutzt und instrumentalisiert« worden, »um ungeliebte und nicht profitable Kurse komplett zu suspendieren«.

Der Kraftsportkurs sei eine verschworene Gemeinschaft von aktiven und ehemaligen Studierenden, Dozenten sowie ehemaligen als auch aktiven Professoren der JLU gewesen. Seit mehr als 15 Jahren habe man zusammen im Kraftraum der Sportwissenschaften trainiert - bis die Kontaktbeschränkungen zu einem Aussetzen der Sportveranstaltungen führten.

»Seit mehr als zwei Jahren hoffen wir nun auf die Wiederaufnahme der Kurse. Immer wieder haben wir beim AHS-Büro in Gießen angefragt, haben uns erkundigt. Leider wurden wir immer wieder vertröstet. Offenbar besteht kein Interesse an der Fortsetzung des Kraftsportkurses an der Uni Gießen«, kritisieren die Sportbegeisterten.

Und das obwohl nach wie vor reges Interesse an dem Kurs bestehe und obwohl genug Trainer zur Verfügung stünden. Ihnen sei mitgeteilt worden, dass der Kurs künftig nicht mehr angeboten werde, weil er nicht rentabel sei. Die Kraftsportler halten das jedoch für »vorgeschoben«, zumal es nicht Aufgabe des AHS sei, Gewinn erwirtschaften zu wollen. Auch ein Mangel an Trainern oder fehlendes Interesse sei vonseiten des AHS als Grund für das Ende des Kurses genannt worden.

»Das alles ist unwahr und entspricht nicht den Tatsachen«, kritisiert der Sprecher des Kraftsportkurses. Ihm seien fünf Trainer persönlich bekannt, die bereit seien, auch zukünftig Kurse zu leiten. Desweiteren gebe es mehr als zwölf interessierte potenzielle Teilnehmer.

Man habe bereits seit dem Wechsel in der Leitung des AHS den Eindruck, dass man den Kurs gerne suspendieren möchte. Offenbar gebe es »wenig bis kein Verständnis für die Wichtigkeit von Krafttraining als Grundlage eigentlich sämtlicher Sportarten. Immer wieder gab es bezüglich der Zeiten und des Umfangs Diskussionen«. So sei das Angebot seit 2015 sukzessive verteuert und verknappt worden, woraufhin einige Sportler den Kurs verlassen und sich kommerziellen Anbietern zugewandt hätten. »Es kann aber nicht Ziel und Sinn des AHS sein, interessierte Sporttreibende zu vergraulen«, findet der Sprecher.

Auf Nachfrage werde man auf Angebote wie Standard-Tanz oder Trampolinspringen verwiesen. »Wir fühlen uns nicht ernst genommen und ignoriert.« Man sei aber zu weiteren Gesprächen bereit, um wieder einen Kraftsportkurs an der JLU zu realisieren.

»Dass im Zuge der Gestaltung des Sportprogramms immer wieder neue Akzente gesetzt werden und bestimmte Sportarten neu dazukommen oder nicht mehr angeboten werden, ist ein völlig normaler Vorgang«, heißt es auf Anfrage bei der Pressestelle der Universität. Bei Sportvereinen oder kommerziellen Anbietern sei dies nicht anders. Der Allgemeine Hochschulsport der JLU biete ein sehr breites Kursprogramm mit einem Schwerpunkt in der Gesundheitsförderung. »Dass die Absetzung für die Betroffenen nicht ganz einfach ist, können wir nachvollziehen. Wir haben aber vollstes Vertrauen in die Schwerpunktsetzung der AHS-Leitung und sehen keinen Anlass, deren Entscheidungen infrage zu stellen.«

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