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Landschaft, Licht und Luftigkeit

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»Kristallines Blau«: Marianne Hopf präsentiert ihre Werke im Kapellengang des UKMG. Foto: Schultz © Schultz

Gießen Berge, Eis und Schnee: Malerin Marianne Hopf zeigt auf der Leinwand Ansichten einer vor Kraft strotzende Natur. Nun sind ihre beeindruckenden Arbeiten im Kapellengang des Universitätsklinikums (UKMG) in Gießen zu sehen.

Unter dem Titel »Kristallines Blau« geht es der Künstlerin um »die Bewegung des Nordlichts«, sagte Kuratorin Dr. Susanne Ließegang, Kunstbeauftragte des Klinikums in ihrer Begrüßung des Vernissage-Publikums. In mehreren Ausstellungen zuvor hatten Besucher der Künstlerin von ihrem Eindruck berichtet, man entdecke in ihren Bildern Island, was nicht der Fall war. Schließlich sagte ein isländischer Künstler zu ihren Arbeiten: »Das ist Island, du musst nach Island kommen.« Der Aufforderung kam sie nach.

Bewegung des Nordlichts

Es war ein eindrucksvoller Aufenthalt, denn »sie hat dort wahrgenommen, was sie eigentlich schon kannte. Es war schon in ihren Bildern enthalten«, sagte Ließegang. Hopf wollte die spezielle Dynamik der Bewegung des Nordlichts beobachten, aber es kam noch etwas dazu. »Sie dachte, Island muss noch mehr zu bieten haben,« berichtete die Kuratorin. Es ging der an der freien Kunstschule Nürtigen ausgebildeten und über internationale Ausstellungserfahrung verfügenden Malerin auch darum, bei der Wahrnehmung der Insel aus dem Kasten herauszukommen, in dem wir alle sind.« Mit einer weiteren Reise verband sie die Hoffnung, dass die eigene Wahrnehmung neu stimuliert werden könne - und wurde nicht enttäuscht. In Island nehme man ein Fließen wahr, »denn die Berge dort sind vulkanischen Ursprungs. Sie sind ursprünglich geflossen, sind geflossene Berge.« Hinzu kämen verwirrende Lichtverhältnisse, bei denen »oben und unten sowie vorn und hinten nicht mehr sicher sind«. So würden die Ausstellungsbesucher in einigen Zeichnungen Verhältnisse vorfinden, in denen »diese Zuordnungen nicht wirklich stimmig werden«, sagte Ließegang.

Marianne Hopf, Jahrgang 1959, lässt in ihren Arbeiten auch Zufallsergebnisse zu, indem sie etwa den Malgrund wässert und anschließend die flüssigen Pigmente darüber gießt. Das Ergebnis ist zugleich von Zufall und ihren kompositorischen Intention geprägt. Es ergeben sich so Strukturen, die natürlich entstanden zu sein scheinen, die körnige Konsistenz der Pigmente verstärkt die »natürliche« Anmutung. Einen Horizont sucht man in den meisten Bildern vergeblich.

Den größten Eindruck machen zunächst die großformatigen Arbeiten, die, klug gehängt, die üblichen Betrachtungsgrenzen gleichsam überschreiten, ohne jedoch den Betrachter über Gebühr zu strapazieren: an ihren Orten ist genügend Platz vorhanden. Die zweite Werkgruppe umfasst mittelformatige Arbeiten, die in einer raffinierten Mischtechnik aus Airbrush, Kohle und Tusche in einer aquarellartigen Farbgebung entstehen. Das Ergebnisse sind träumerisch, wirken teilweise durchsichtig und lassen die übliche Schwere vieler traditioneller Kohlezeichnungen vergessen.

Offen für Interpretationen

Auch in den schwarzweißen Arbeiten, bei einem sensationell geschickten Umgang mit dem Licht, lat Hopf die Kohle entschieden untypisch angewandt. Sie Hopf findet dabei zu besonderen Verfahren, die den Eindruck einer gewissen Luftigkeit schaffen. Die Arbeiten sind inhaltlich außergewöhnlich dicht und lassen zum einen den Eindruck felsiger Landschaft entstehen, während der Abstraktionsgrad durchaus auch andere Interpretationen möglich erscheinen lässt. Insgesamt ist im Kapellengang des UKGM eine Schau zu entdecken, die mit der Sicherheit der Komposition, der Klarheit und schlichten Ästhetik einen besonderen Eindruck hinterlässt: Etwas Besonderes.

Die Ausstellung läuft bis November im Kapellengang des UKGM und ist unter den aktuellen Hygieneregeln zu sehen.

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