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Leben mit Schmerz muss nicht sein

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Schmerz lass nach! Am Samstag informieren sechs Gießener Kliniken über ihre Therapiemöglichkeiten. Symbolfoto: Andrea Warnecke/dpa © Red

Der Rücken zwickt, der Kopf dröhnt: Bei einem Aktionstag auf dem Kirchenplatz am Samstag: in Gießen informieren sechs Kliniken über Therapiemöglichkeiten

Gießen . Der Rücken tut weh vom stundenlangen Sitzen und das Stechen im Kopf ist auch wieder da: Schmerzen können die Lebensqualität deutlich beeinflussen - insbesondere, wenn sie lange anhalten oder gar chronisch werden. »Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Schmerzen. Aber keiner kann sie gebrauchen«, bringt es Dr. Rose Schnöbel-Ehehalt, Sektionsleitung Schmerztherapie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) auf den Punkt. Doch ein Leben mit Schmerzen muss nicht sein. Und deshalb werden am morgigen Samstag, 3. September, sechs Gießener Kliniken von 10 bis 14 Uhr auf dem Kirchenplatz über ihr Angebot zur Schmerzbekämpfung informieren: Anästhesie (Akutschmerz und Schmerzklinik), Neurologie, Neurochirurgie, Gynäkologie, Psychosomatik und Orthopädie. Auch Vertreter des Rettungsdienstes werden vor Ort sein.

»Viele Patienten sind verzweifelt und wissen nicht, wo sie sich hinwenden sollen«, hat Prof. Michael Sander, Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie, festgestellt. Gleichzeitig traue sich nicht jeder mit seinen Beschwerden zum Arzt. Kopfschmerzen beispielsweise versuchten Patienten mitunter durch Tabletteneinnahme selbst zu kurieren, anstatt bei anhaltenden Symptomen einen Spezialisten aufzusuchen.

Mit dem Aktionstag, der unter dem Motto »Überwinde den Schmerz« steht, wollen Sander und seine Kollegen »die universitäre Medizin öffnen und zu den Menschen kommen«. Das Angebot ist bewusst niedrigschwellig gehalten. Vier Stunden lang können Interessierte die sechs Kliniken kennenlernen, etwa alle 20 Minuten finden zudem kurze Interviews mit den einzelnen Fachbereichen statt.

Durch den ständigen Kontakt zwischen den einzelnen Kliniken gebe es bei der Behandlung von Schmerzpatienten »kurze Wege«. Zudem, verdeutlicht UKGM-Pressesprecher Frank Steibli, sei es wichtig, den Menschen ganzheitlich in den Blick zu nehmen, wenn man dafür sorgen will, dass Schmerzen geringer werden oder im Idealfall gänzlich verschwinden. Neben dem körperlichen wird am Samstag auch das seelische Leiden berücksichtigt, weshalb auch die Klinik für Psychosomatik vertreten sein wird.

»Frauenheilkunde hat einen hohen Anteil an Schmerzpatientinnen und mit Schmerz in vielen Facetten zu tun - von Periodenschmerzen über die Geburt bis zu Endometriose«, verdeutlicht Prof. Ivo Meinhold-Heerlein für seine Klinik. Für eine erfolgreiche Behandlung sei die Verknüpfung mit den anderen Kliniken wichtig. Endometriose etwa betreffe vornehmlich jüngere Frauen, weiß der Experte. Bei der Krankheit sammelt sich Gebärmutterschleimhautgewebe »dort an, wo es nicht hingehört« - mit schmerzhaften Folgen. Die Krankheit könne auch Beschwerden an anderen Körperstellen bereiten. Das UKGM bietet für Betroffene eine eigene Sprechstunde an.

»Arztbesuch war nie einfacher«

Die Idee zum Schmerztag war bereits 2019 entstanden, als die Gießener Anästhesie ihr 50-jähriges Bestehen feierte. Doch die Corona-Pandemie machte der Umsetzung zunächst einen Strich durch die Rechnung. Umso mehr freuen sich Sander und seine Kollegen nun, »die interdisziplinäre Aufstellung der Schmerztherapie der Öffentlichkeit präsentieren zu können«. Eine Anmeldung ist nicht nötig. »Es gibt keine Termine und kein Wartezimmer. Ein Arztbesuch war nie einfacher«, verdeutlicht Schnöbel-Ehehalt.

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