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Leben von Paul Schneider vertont

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Der Lützellindener Peter Menger hat ein Musical über den »Prediger von Buchenwald« und seine Frau Margarete komponiert. Es werden noch Sängerinnen und Sänger für den Chor gesucht.

Gießen. Leben und Wirken von Paul Schneider vertont als Musical - kann das funktionieren? Der Lützellindener Peter Menger hat sich an das Projekt herangewagt. Uraufgeführt wird es im Sommer in Hüttenberg. Paul Schneider und Musical - das sind zwei Welten, schreibt Paul Dieterich, ein Neffe des als »Prediger von Buchenwald« bekannt gewordenen Pfarrers, in einem Brief an die Initiatoren. Doch obwohl Dieterich dem Vorhaben des Komponisten zunächst skeptisch gegenübersteht, ist er vom fertigen Werk schließlich durchaus angetan. Die Idee, das Leben Paul Schneiders zu vertonen, sei bereits 2019 entstanden, erzählt der Initiator des Projekts, Andreas Haupt. Damals jährte sich der Todestag von Paul Schneider zum 65. Mal. Haupt ist der Vorsitzende des christlichen Vereins »soli deo gloria«, der sich auf Chorprojekte und Musicals fokussiert. »Peter Menger war gleich Feuer und Flamme, als ich ihm von der Idee erzählte«, sagt Haupt. Auch über den Termin der Veröffentlichung sei man sich schnell einig gewesen: 2022 zum 125. Geburtstag von Paul Schneider. Der war als Pfarrer ab 1926 in Hochelheim und Dornholzhausen tätig. Bereits dort begann sein Kampf gegen den Nationalsozialismus. Dass die Vertonung des Lebens des Pfarrers, der 1939 von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager Buchenwald ermordet wurde, auch von anfänglichen Skeptikern als gelungen eingestuft wird, liegt vor allem daran, wie Menger das Ganze umgesetzt hat.

»Den Schwerpunkt der Handlung bildet die Liebesgeschichte von Paul Schneider und seiner Frau Margarete«, erklärt Menger. Die steht normalerweise nicht im Fokus, wenn es um den evangelischen Pfarrer, der Mitglied der Bekennenden Kirche war, geht. Der Titel des Musicals »Paul & Gretel - Kein Märchen« verweist in diesem Zusammenhang auf den Inhalt des Werks. Aufgebaut ist die Handlung als Retrospektive. Paul Schneiders Enkel besuchen ihre Großmutter Margarete. Sie wollen mehr über die Geschichte ihres Großvaters und dessen Leben sowie die Motivation für sein Handeln wissen. Margarete beginnt daraufhin, zu erzählen, wie sie und ihr Mann sich kennengelernt haben, wie sie heirateten und wie sich der gemeinsame Lebensweg von da an entwickelte.

Der Zuschauer erlebt das in Form von zwei Zeitebenen. Zum einen die Rahmenhandlung, bei der die Großmutter den Enkeln ihre Geschichte erzählt, zum anderen in Form von Rückblenden, die als einzelne Szenen auf der Bühne gespielt werden. Der Zugang zum eigentlichen Thema über die Liebesgeschichte soll dem historischen Stoff dabei etwas von seiner bedrückenden Schwere nehmen, ohne dabei die Geschichte des »Predigers von Buchenwald« zu beschönigen oder zu verklären. »Unser Ziel war es, das Thema einem möglichst breiten Publikum zugänglich zu machen. Vor allem war es uns wichtig, die Geschichte Paul Schneiders so zu vermitteln, dass sie auch für Kinder geeignet ist«, erklärt Menger. Unterstützt habe ihn dabei seine neun Jahre alte Tochter, die bei kritischen Szenen, beispielsweise im KZ, quasi als eine Art Korrektiv gewirkt habe.

Es ist bereits das zehnte Musical, das der Lützellindener, der hauptberuflich als Arzt arbeitet, geschrieben und komponiert hat. »Paul und Gretel« dürfte zu den aufwendigsten davon gehören. Paul Schneider sei ein Mensch gewesen, der für seine Überzeugung lebte und auch bereit war, für sie zu sterben - das darzustellen, ist nicht einfach«, erklärt Menger.

Um Hintergründe und Fakten zu recherchieren, haben Menger und Haupt im Vorfeld zahlreiche Gespräche, unter anderem mit dem bereits erwähnten Paul Dieterich, aber auch mit Experten von der Paul-Schneider-Gesellschaft geführt. Sie besuchten zudem die spätere Wirkungsstätte des Pfarrers im Hunsrück. Dort gibt es einiges an Archivmaterial, wie die Aufnahme eines Interviews mit Margarete Schneider. Hinzu kommt die Lektüre von zahlreichen Büchern über den Prediger von Buchenwald. »Einige davon habe ich jetzt bereits mehrfach gelesen und ich muss sagen, was ich dort lese, bewegt mich jedes Mal aufs Neue«, sagt Menger.

Relevante Informationen über Begebenheiten, aber auch überlieferte Schlüsselsätze, haben Eingang in das Musical gefunden. Dazu gehört ebenso der Umstand, dass Margarete Schneider ihren Mann in seinen Überzeugungen unterstütze, hinter seiner Entscheidung stand, für diese zu kämpfen, und auch bereit war, die Konsequenzen daraus mitzutragen. Musikalisch wird das alles in verschiedenen Stilen herausgearbeitet. Es gibt vom Swing beeinflusste Lieder, Folkloristisches, Volkslieder, aber auch Klassisches. Für das Musical wird in den Räumen der Evangelischen Freien Gemeinde in Hüttenberg bereits geprobt. Es handelt sich um Lieder, die von Mitgliedern des Kinderchors gesungen werden. Sie gehören zum Mehrgenerationen-Chor, der die Aufführung mitträgt.

Auch ältere Kinder und Jugendliche des Chors »Soul-Teens« sowie der Männergesangverein »Frohsinn« wirken dort mit. Darüber hinaus können sich noch interessierte Sängerinnen und Sänger melden, die im Chor mitwirken wollen. Die gemeinsamen Proben starten im Mai. Die Hauptrollen für das Stück sind derweil bereits besetzt.

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