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Leid und Schmerz kurz vergessen

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Die Kleinen vom Majoretten-Corps tragen bei ihrem ersten Auftritt seit langer Zeit zum Gelingen des Treffens bei. Foto: Jung © Jung

Die Rödgener Vereinsgemeinschaft unter Federführung des Ortsvereins der AWO hatten zu einem Begegnungs-Nachmittag für die 17 ukrainischen Neubürger eingeladen.

Gießen (kg). Tanzende Mädchen auf der Bühne, leckeres Essen und eine schöne Stimmung, so zeigte sich für ein paar Stunden das Bürgerhaus beim Begrüßungskaffee für die 17 ukrainischen Neubürger in Rödgen. Die Vereinsgemeinschaft unter Federführung des Ortsvereins der AWO hatten zu dieser Begegnung eingeladen und sorgten damit für etwas Abwechslung bei den traumatisierten Frauen und Kindern, die gerne das Angebot nutzten.

Eines blieb an diesem Nachmittag, den alle Beteiligten als wohltuend empfanden, unausgesprochen: Der Krieg und die Flucht der Menschen, die im Stadtteil eine vorübergehende Bleibe gefunden haben und deren großer Wunsch es ist, wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Mit einer Kurzvorstellung begann das gemütliche Treffen. Ortsvorsteherin Elke Victor und Vorsitzende der Vereinsgemeinschaft erläuterte ihre Funktionen, die Rödgener Parteien und einige Vertreter von Ortsvereinen stellten sich und ihre Angebote vor.

Strahlende Augen

Für den reich gedeckten Tisch sorgten die Vereine. Man sah das Strahlen in den Augen der Gäste und der jungen Tänzerinnen vom Corps der Majoretten 1980 Gießen, die mit ihren Twirlingstäben auf der Bühne nach langer Zeit wieder tanzen durften. Trainerin Doreen Telcke zeigte sich überglücklich, dass es endlich wieder einen Auftritt für die Gruppe gab. Sie informierte über Twirling und Majorett, ein Tanzsport aus Gymnastik, modernem Tanz und Akrobatik plus Jonglage und Stab drehen. Und sie lud die anwesenden Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine ein, doch einmal das Training zu besuchen. Die Tänzerinnen wurden bei ihrer Vorführung von heftigem Klatschen unterstützt. Begleitet vom kräftigen Beifall der Gäste sowie der anwesenden Rödgener, die Flüchtlinge bei sich aufgenommen haben, kam große Freude im Saal auf.

Siggi Meißner nahm die Großmutter einer Familie auf. Bislang wohnte sie mit Tochter und Enkelsohn auf 46 Quadratmetern, nun steht ihr etwas mehr Platz zur Verfügung. Ekatarina Sergeewa sauste durch den Saal, sie übersetzte die Gespräche und hatte jede Menge zu tun. Sie schilderte die dankbaren und herzlichen Empfindungen der Gäste und gab sie den Gastgebenden weiter. »Hier wird man gut betreut«, gab sie gerne an die Rödgener weiter.

Gemeinschaft erleben

Wichtig für die Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten und schlimmes erlebt haben, sei es, dass sie Gemeinschaft erleben und betreut werden. »Die solidarische Gemeinsamkeit ist das A und O«, macht die Dolmetscherin deutlich. Wenn das stattfinde, vergäßen Menschen Leid und Schmerz, das sie durch den Krieg ertragen mussten. Durch persönliches Kennenlernen fänden sie Gehör und Einige Familie aus anderen Gemeinden schauten etwas neidisch nach Rödgen, erzählte die Ukrainerin, die schon einige Jahre in Rödgen lebt. »Wir wollen diese »Neubürger« gerne in unsere Gemeinschaft einbeziehen. Dabei hoffen sie auf nette Gespräche und hoffen, dass durch die Knüpfung neuer Kontakte in Rödgen der Aufenthalt für diese Flüchtlinge etwas leichter wird«, schilderte Elke Victor den Hintergrund des Treffens in diesem Rahmen.

Der 15-jährige Jaroslav packte seine Tasche, er machte sich zum Basketballtraining auf. In Buseck besucht er die Schule, ihm gefällt allerdings nicht, dass er in einer Klasse unterrichtet wird, wo ausschließlich ukrainische Schüler sind. Lieber möchte er mit deutschen Klassenkameraden zusammen sein und nimmt in Kauf, dass das Erlernen der deutschen Sprache einige Zeit dauern wird. Wenn der Krieg zu Ende ist, will seine Großmutter wieder zurück in die Heimat gehen.

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