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Lernen im »Schuhkarton« passé

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Von: Rüdiger Schäfer

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Schulleiter Florian Krauß begrüßt zum Richtfest an der Käthe-Kollwitz-Schule. Foto: Schäfer © Schäfer

Richtfest feierte die Käthe-Kollwitz-Schule. Im dritten Quartal 2023 soll das kernsanierte Gebäude für den Unterricht von drei der vier Jahrgangsstufen bereitstehen.

Gießen . Richtfest feierte die Käthe-Kollwitz-Schule (KKS), die Grundschule im Spitzwegring. Christoph Rinn, Chef der Heuchelheimer Zimmerei Rinn, sprach als Zimmermann den Richtspruch. Die Drittklässler sangen dazu das Schullied: »Ein Schuljahr, das endet, ein neues beginnt. In unsere Schule kommt gern jedes Kind.«

Neuem Konzept Rechnung getragen

Lernen im »Schuhkarton« war für die Schüler ein Konzept, das sich über Jahrhunderte gehalten hatte, ist inzwischen aber eine Klamotte von gestern. Zukünftig, doch auch bereits heute angesagt ist selbstständiges Lernen, individuelle Betreuung und Differenzierung, Ganztagesbetrieb. Das alles kann nicht mehr in den alten Strukturen realisiert werden. Nur mit einem Schulneubau oder bei der Sanierung eines vorhandenen Schulgebäudes ist dieses neue Konzept umsetzbar. Praktiziert wurde dies bereits in der Gesamtschule Gießen-Ost. Und auch an der KKS sind die Arbeiten daran schon so weit gediehen, dass Richtfest gefeiert werden konnte. Im dritten Quartal 2023 soll das kernsanierte Gebäude für den Unterricht von drei der vier Jahrgangsstufen bereitstehen.

Schulleiter Florian Krauß begrüßte die für den Bau verantwortlichen Personen. »Als ich vor zwölf Jahren hier angefangen habe, sah die KKS noch genauso aus wie in der Zeit, als sie entstand. Nur halt etwas älter und mit entsprechenden Mängeln.« Nach vielen kleineren Reparaturen sei es mit dem Schulträger Stadt Gießen 2015 in die ersten Gespräche und Planungen gegangen. »Wir als Schule wurden in alle Planungen und Abläufe eingebunden und konnten und können viel mitgestalten.« Dies bedeute zwar Arbeit, mache indes »auch Spaß.«

Die 1968 errichtete Schule war in die Jahre gekommen. »Es musste dringend etwas passieren«, erzählte Schuldezernentin Astrid Eibelshäuser. Energetische Sanierung war dringend geboten. Und das nicht nur wegen Einfachverglasungen von Fenstern.

Der Wettbewerbserfolg des Gießener Architekturbüros Aplus, angesiedelt im Unteren Hardthof, habe in hervorragender Art und Weise die Bestandsbaukörper mit den Neubauten verschmolzen, sodass aus stark sanierungsbedürftigen Einzelgebäuden, die vor mehr als 50 Jahren aus Beton-Fertigteilen errichtet wurden, ein zukunftsfähiges Schulgebäude mit drei Jahrgangsclustern entstünde.

Dass 25 Kinder in einem Raum alle das gleiche lernten, sei nicht mehr zeitgemäß. Das geschehe in unterschiedlichen Lernrhythmen und benötige verschiedene Raumstrukturen. »Um die neuen Anforderungen umzusetzen, werden die Klassen und Differenzierungsräume mit den erforderlichen allgemeinen Räumen in sogenannte Cluster zusammengeführt.« Die alten Gebäude werden durch Bauteile, zum Teil in Holzbauweise, ergänzt und schaffen so Jahrgangscluster. »Die einzelnen Räume eines Clusters sind nicht isoliert voneinander, sondern öffnen sich zur gemeinsamen Mitte. Diese verbindet über einen großzügigen Luftraum die beiden Geschosse miteinander.«

Für den Bauleiter Alexander Krause stellte beim Erhalt der Rippendecke die Betoninstandsetzung eine besondere Herausforderung dar. »Sie ist statisch reprofiliert worden und mit Brandschutzmittel versehen.« Ute Kramm, die Geschäftsführerin von Aplus, sowie die projektleitende Architektin Felicitas Würstlein hoben die großflächigen Fensterfronten als Ausdruck einer offenen Raumgestaltung hervor. Jörn Horn, Projektleiter des Hochbauamtes, berichtete, dass für die Barrierefreiheit des Komplexes einer der drei Fahrstühle bei Bedarf nachgerüstet werde.

Leider könne die Decke aus statischen Gründen keine Photovoltaikanlage tragen. Anders sehe es beim Neubau des Traktes für den vierten Jahrgang und eine Mensa aus. Für beides gibt es noch keinen belastbaren Zeitplan. Fakt ist, dass das Gebäude, in dem dieser Jahrgang derzeit unterrichtet wird, nicht sanierungsfähig ist und deshalb abgerissen werden muss. Während des Neubaus werden dann diese Schüler in einige der derzeit noch von den drei anderen Jahrgangsstufen benutzten Container umziehen. Die Bruttogrundfläche des Richtfest-Baues beträgt 2000 Quadratmeter, der Bruttorauminhalt 14 000 Kubikmeter. Die Maßnahme wird im Rahmen des Kommunalen Investitionsprogrammes des Bundes (KIP II »KIP macht Schule«) mit vier Millionen Euro gefördert. Weitere gut vier Millionen steuert die Stadt als Schulträger bei.

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