1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Lesung, Filme und Performance

Erstellt:

giloka_0211_09_Nov_19382_4c
Präsentieren das Programm: Pfarrer Lutz Neumeier (Marienstiftskirche), Torsten Denker (Kreis-VHS), Hille Neumann (AG Stolpersteine), Hans Gsänger (Kino Traumstern), Katharina Lorber (Chambré-Stiftung) und Peter Damm (KünstLich). Foto: Schultz © Schultz

Auch dieses Jahr wird es wieder eine Veranstaltungswoche zum 9. November 1938 in Lich geben. Auftakt ist am 8. November mit einer Lesung von Feridun Zaimoglu.

Lich. Auch dieses Jahr wird es wieder eine Veranstaltungswoche zum 9. November 1938 geben. Bei einem Pressegespräch in der ehemaligen Synagoge wurde jetzt das attraktive Programm vorgestellt. Es lässt an inhaltlicher und formaler Vielseitigkeit keine Wünsche offen. Den Auftakt macht eine Lesung mit Autor Feridun Zaimoglu am 8. November aus seinem neuen Roman.

»Es ist schön, dass es wieder stattfinden kann«, freute sich Peter Damm vom Verein KünstLich bei der Begrüßung. Die bewährte Reihe, die die Erinnerung an die Pogromnacht am 9. November 1938 wachhalten soll, beginnt mit einer Lesung des Autors Feridun Zaimoglu, der sich in seinem aktuellen Buch einem Autor widmet, der Adolf Hitler zum Protagonisten seines neuen Buches machen will. Zaimoglu lebt seit seiner frühen Kindheit in Deutschland, studierte Kunst und Medizin in Kiel und ist journalistisch tätig.

Dienstag, 8. November, 19 Uhr, Kulturzentrum Bezalel-Synagoge

Mahnwache

Die zentrale Veranstaltung der Woche ist ein Gottesdienst mit Mahnwache am Dienstag, 9. November, um 18 Uhr in der Marienstiftskirche.

Das zweite Glanzlicht ist diesmal die Lesung mit Briefen von Ernst-Ludwig Chambré mit Prof. Sascha Feuchert und Sven Görtz. »Die Licher haben ein großes Schweigen…". Vor mehr als 25 Jahren machte sich der Lehrer Klaus Konrad-Leder gemeinsam mit Schülern der Dietrich-Bonhoeffer-Schule daran, die NS-Vergangenheit Lichs zu erforschen. Dabei suchte er gezielt nach Überlebenden des Holocaust, die den jungen Forschern vom Leben vor und in der NS-Zeit in Oberhessen berichten konnten. Mit Ernst-Ludwig Chambré, dem einzig Davongekommenen seiner Familie, entspann sich ein intensiver Briefwechsel, an dessen Ende die Gründung der gleichnamigen Stiftung 1997 stand. Rezitator Sven Görtz wird aus den bewegenden Briefen an diesem Abend vorlesen; der Gießener Literaturwissenschaftler Prof. Sascha Feuchert wird den zeitgeschichtlichen Kontext bereitstellen.

Dienstag, 29. November, 19:30 Uhr, Kulturzentrum Bezalel-Synagoge .

Die Performance-Künstlerin Len Pappe präsentiert am 8. November in der Dietrich-Bonhoeffer-Schule eine szenische Lesung. »Für Anne und Elise - eine Liebesgeschichte« ist eine essayistische Figurenreise zur Frage »Wer war Anne Frank?« Pappe möchte den Jugendlichen den Blick öffnen für die Lage im Land. Ein Film ergänzt das Programm am Donnerstag, 17. November, »Hallelujah - A Journey A Song« über und mit Leonard Cohen. Beginn ist um 21 Uhr. Weitere Filme zum Thema: »Der Passfälscher«, »Nelly und Nadine« und »Evolution«. Schul- und Sondervorstellungen sind möglich.

Rezitator Sven Görtz gibt ein literarisch-politisches Konzert unter dem Motto »Menschenrechte früher und heute« am Freitag, 18 November, 19 Uhr, VHS-Haus.

Ein neuer Film steht am Mittwoch, 23. November, im Kino Traumstern auf dem Programm: »Fritz Bauers Erbe - Gerechtigkeit verjährt nicht«. Die Regisseurin Isabel Gasthoff wird zu Gast sein. Der Dokumentarfilm zeigt mit aufrüttelnden Zeitzeugenberichten von Überlebenden des »KZ Stutthof«, die als Nebenklägerinnen agieren, wie die Gerechtigkeit ihren Weg in die deutschen Gerichte fand. Jahrzehnte nach Kriegsende finden derzeit die wahrscheinlich letzten rechtskräftigen Gerichtsverfahren zu NS-Verbrechen statt.

Zum Gedenken an jüdische Licher Mitmenschen verlegt Künstler Gunter Demnig vor vier Häusern 18 Stolpersteine. Erinnert wird an die Schicksale der Familien von Siegmund Chambré, Max II Chambré, Julius Katz und Joseph Oppenheimer, die in der Zeit des Nationalsozialismus in Lich ausgegrenzt, deportiert und ermordet wurden oder flüchteten.

Mittwoch, 14. Dezember, 15 Uhr, Lich, Innenstadt, ab Heinrich-Neeb-Straße 32.

Auch dieses Mal sind wieder viele Organisationen und Vereine an der Reihe beteiligt: KünstLich e.V, die Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftung, die Kreis-VHS, die AG Stolpersteine, die Marienstiftgemeinde und last not least das Kino Traumstern. Zusammen haben sie ein sehens- und hörenswertes Programm erstellt, das dem Erinnern an die wichtigen Ereignisse des 9. Novembers 1938 eine auch interessante Basis verleiht. (hsch)

giloka_0211_Leonard_Cohe_4c
»Hallelujah« - Ein Film über und mit Leonard Cohen ergänzt das Programm. © Red
giloka_0211_Zaimoglu_Fer_4c
Feridun Zaimoglu kommt zur Lesung. Foto: Klaus Haag © Klaus Haag

Auch interessant