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Lindbachschule braucht mehr Platz

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Der Ortsbeirat Lützellinden setzt sich mit der Machbarkeitsstudie zur Erweiterung der Lindbachschule auseinander. Welche Variante wird bevorzugt?

Gießen . Vor einem Jahr beschloss der Lützellindener Ortsbeirat, den Bürgervertretern solle eine Machbarkeitsstudie zur Erweiterung der Lindbachschule vorgelegt werden. Das ist nun geschehen. Unter anderem wollte das Gremium wissen, wie überhaupt weitere Unterrichtsflächen geschaffen werden können und was notwendig ist, wenn sich die Schule zu einer ganztägig arbeitenden Einrichtung entwickelt. Im ersten Schritt habe es enge Absprachen gegeben, berichtete Schuldezernentin Astrid Eibelshäuser in der jüngsten Sitzung. Begleitet wurde sie von Jutta Müller, der Leiterin des Hochbauamtes, und Uta Hinkelbein, der Leiterin des Schulverwaltungsamtes. Schulleiterin Esther Delatrée konnte krankheitsbedingt nicht anwesend sein.

Die Grundschule wurde 1996 einzügig erbaut, immer mal wieder gab es auch zwei Klassen im Jahrgang. Daraufhin wurden im Sommer 2020 zwei Container aufgestellt. Wie Eibelshäuser erklärte, gibt es nachmittags eine Schülerbetreuung. Immer mehr Eltern wünschten sich, dass ihre Kinder ganztägig die Schule besuchen können.

Aufstockung?

Die Machbarkeitsstudie stellte Greta Hoffmann von »aplus Architektur« Gießen vor. »Wir sprechen aber noch nicht von einem architektonischen Entwurf«, verdeutlichte die Stadträtin. Aufgrund steigender Schülerzahlen sei eine Erweiterung von insgesamt sechs auf acht Klassen plus einer Vorlaufklasse erforderlich. Entstehen soll eine Ganztagsschule mit Mensa, ein separater Bau wird gewünscht. Auch bei den Raumnutzungen gibt es einige Anregungen: Ein Kunstraum, ein größeres Lehrerzimmer sowie ein Raum für das Konrektorat befinden sich auf der Liste, ebenso ein kleines Hausmeisterbüro mit Fenster.

Sechs Varianten seien untersucht, einige davon jedoch bereits wieder verworfen worden, etwa die Aufstockung der Schule, der Sporthalle und ein Neubau auf dem Sportplatz. Zwei Varianten werden weiter verfolgt. »Die Eingeschossigkeit macht mehr Sinn«, betonte Hoffmann. Die Bruttofläche des Geländes beträgt 1000 Quadratmeter, 800 weitere Quadratmeter werden bei einem Neubau gebraucht. Für diesen Fall würden auch die derzeit 60 Parkplätze etwas reduziert, die auf der Asphaltfläche neben der Schule verfügbar sind, kündigte die Architektin an. Rolf Luh (Bürger für Lützellinden/BfL) erinnerte allerdings daran, dass aufgrund der Handballspiele in der Sporthalle mit rund 300 Zuschauenden Parkraum benötigt werde. Zudem wird die Fläche auch als Festplatz für die Kirmes, große Veranstaltungen und Vereinsjubiläen genutzt. »Wo gehen die Dorfvereine dann hin?«, fragte Luh. Nach der Stellplatzverordnung müssten 50 bis 55 Plätze bereitgestellt werden, klärte Jutta Müller auf, die Fläche umfasst knapp 2400 Quadratmeter.

Mit der Erweiterung der Schule auf dem Parkplatz werde der Standort gestärkt und wesentlich attraktiver gemacht, betonte Ute Kramm von »aplus«. Die Schule bezeichnete sie als »Herzstück in diesem Bereich«. »Eine attraktive Schule« ist Dr. Anette Arnold (Grünen) wichtiger.

Ortsvorsteher Markus Sames meinte, die Schule sei in die Jahre gekommen, das Dach sehe »nicht mehr so frisch aus«. Wenn also ohnehin daran gearbeitet werde, sei es doch zweckmäßig, aufzustocken. Der Christdemokrat zweifelt indes an der Aussage, die günstigste Alternative sei ein Neubau. Ute Kramm entgegnete wiederum, die Struktur sei für eine Aufstockung nicht geeignet. Umbaumaßnahmen bedeuteten eine komplette Entkernung - und dies sei »ein Fass ohne Boden«, die Kosten seien »unverhältnismäßig«. Fundament und Wände eigneten sich nicht für eine Aufstockung, fügte Jutta Müller hinzu, das sei »ein unglaublicher Aufwand«.

Dr. Christoph Zörb (Grüne) kann sich nicht vorstellen, dass die Zweigeschossigkeit so viel teurer werde. Er sorgt sich zudem um die Größe des Schulhofs. Astrid Eibelshäuser warf noch ein, man müsse städtebaulich einen Blick auf das Vorhaben werfen, daher spreche einiges für die Lösung mit einem Geschoss. Der städtebauliche Aspekt werde »im Ort mit Füßen getreten«, beklagte Detlef Söhlke (CDU), wohl aus eigener Erfahrung mit der Bebauung in seiner Nachbarschaft.

»Luft anhalten«

Der zeitliche Rahmen beschäftigt Uwe Schmidt (BfL). Mehr als zwei, deutlich unter acht Jahren würden bis zur Umsetzung vergehen. »Wir halten jeden Tag die Luft an«, sagte die Dezernentin zur Situation im Baubereich. Schon morgens werde es knapp mit dem Platz auf dem Schulhof, das spitze sich bei der Nachmittagsbetreuung zu, befürchtet Dr. Reiner Hofmann (BfL). Und dies sei für ihn ein Argument für die Zweigeschossigkeit.

Carsten Zörb (CDU) wünscht darüber hinaus, sich Gedanken über eine Holzbauweise zu machen. »Die Schülerzahlen werden nicht explodieren«, prophezeit Uta Hinkelbein. Es gebe mal einen Jahrgang mit 28 Schülern und mal einen mit 30 - je nach Zuzug. Trotzdem würden zwei Klassenräume zusätzlich gebraucht für sechs bis acht Klassen.

Etwas irritiert und ratlos zeigte sich das Gremium über das Schreiben des Rechtsamtes, das um einen erneuten Vorschlag für die Wahl einer Schiedsfrau oder eines Schiedsmanns bat. In der Sitzung am 27. Januar hatte der Ortsbeirat seinen Vorschlag einstimmig übermittelt, es lag zu diesem Zeitpunkt nur eine Bewerbung vor; über eine weitere wurde nun die Bürgervertretung informiert. Bei den Vorbereitungen zur geplanten Sitzung am 3. März sei ihm davon nichts bekannt gewesen, berichtete der Ortsvorsteher. Er sehe jetzt keinen Handlungsbedarf, die Mitglieder schlossen sich ihm an. Die Wahl der Schiedspersonen ist nach dem Hessischen Schiedsamtsgesetz Aufgabe der Gemeindevertretung respektive der Stadtverordnetenversammlung.

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