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»Live zu spielen, liegt mir im Blut«

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Phil Bates (4.v.l.), einst Mitglied bei »ELO Part II«, und seine Band touren derzeit durch Deutschland. Foto: André Wegener © André Wegener

Die »Electric Light Orchestra«-Tribute-Band von Phil Bates gastiert am Sonntag in der Gießener Kongresshalle. Mit dem Anzeiger spricht der Brite über seine Karriere und die Zeit bei »ELO Part II«.

Gießen . Mit Hits wie »Mr. Blue Sky«, »Don’t bring me down« oder »Hold on tight« eroberte die britische Band »Electric Light Orchestra«, besser bekannt mit ihrem Kürzel »ELO«, ab Beginn der 70er Jahre die Hitparaden und Bühnen dieser Welt. Ende der 80er Jahre wurde es dann ruhiger um die von Jeff Lynne gegründete Formation, die Rockmusik mit klassischen Elementen verbindet und von John Lennon geadelt wurde, als dieser kundtat: Wären die Beatles zusammengeblieben, hätten sie so geklungen wie »ELO«. Wer deren Songs ab den 90er Jahren live hören wollte, konnte das bei der Nachfolgeband »ELO Part II« tun, der noch mehrere »ELO«-Urgesteine angehörten. Sowie auch neue Mitglieder wie etwa Phil Bates. Der Brite hält mit seiner mittlerweile eigenen Band die »ELO«-Songs bis heute am Leben. Am Sonntag, 30. Oktober, tritt er um 20 Uhr (Einlass ab 19 Uhr) in der Kongresshalle auf.

Schon 1978 dabei

Phil Bates’ Karriere hatte bereits früh begonnen: Schon mit zwölf Jahren hat er seine erste Band gegründet. 1978 rief er dann »Trickster« ins Leben, die, wie der Zufall es wollte, 1978 als Vorgruppe für »ELO« bei deren berühmter Raumschiff-Tour (wegen des entsprechend gestalteten Bühnendesigns) engagiert wurde. Über die folgende Band »Atlantic« verschlug es ihn dann 1993 zu »ELO Part II«, wo Bates als Songschreiber, Gitarrist und Sänger wirkte. Doch die »ELO«-Musik hat ihn auch nach seinem Ausstieg 1999 nie losgelassen, wie er im Gespräch mit dem Anzeiger deutlich macht.

Herr Bates, was fasziniert Sie eigentlich an »ELO« so sehr, dass Sie seit so vielen Jahren mit deren Songs auf Tour sind?

Meine musikalischen Idole sind zwar in erster Linie die Beatles. Doch »ELO« ist es gelungen, die Beatles-Einflüsse in ihren Songs mit eigenen Ideen perfekt zu verbinden und ebenfalls etwas Zeitloses entstehen zu lassen.

Ihre meisten Auftritte in all den Jahren haben Sie in Deutschland absolviert - wie kommt das?

Deutschland war schon immer ein guter Ort für mich und die Bands, mit denen ich hier getourt bin. Und die Musik von »ELO« ist beim deutschen Publikum heute noch immer sehr beliebt.

Ist es jetzt eigentlich Ihr erster Auftritt in Gießen?

(Er überlegt kurz) Ich weiß es, ehrlich gesagt, nicht. In meiner Karriere war ich schon an so vielen verschiedenen Orten. Da fällt es mir schwer, mich an einzelne zu erinnern.

Auf welches Bühnenprogramm dürfen sich Ihre Zuhörer am Sonntag freuen?

Wir werden vor allem die großen »ELO«-Hits spielen und auch andere Songs von ihnen.

Werden auch Songs von »ELO Part II« darunter sein und solche, die Sie selbst geschrieben haben?

Ja, vielleicht zwei oder drei. Auch, um das Ganze interessanter zu gestalten.

Welche »ELO«-Songs gefallen Ihnen selbst am besten, haben Sie Favoriten?

Das ist schwer zu beantworten, denn ich habe so viele. Fantastisch finde ich zum Beispiel »Twilight«, »Mr. Blue Sky« oder »Livin’ Thing«. Doch auch weniger bekannte Songs, die keine Hits waren, wie zum Beispiel »Standin’ in the rain«, »Need her love«, »Shangri-La« oder auch »Midnight Blue«.

Warum hatten Sie sich 1999 dazu entschieden, bei »ELO Part II« aufzuhören?

Ich war musikalisch sehr glücklich damit, wie es mit der Band lief, und hatte mit den Jungs eine schöne Zeit. Allerdings war ich durch das Touren und Reisen viel zu oft von meiner Familie, meiner Frau und meinen zwei Töchtern, getrennt. Und so habe ich die Entscheidung getroffen, bei »ELO Part II« auszuscheiden. Das ist mir sehr schwergefallen, aber es war die richtige Entscheidung.

Ihre Ehefrau Jo gehört fest zu Ihrer jetzigen Band. Welche Aufgaben hat sie bei den Auftritten, und wie ist es eigentlich, mit seiner eigenen Frau auf der Bühne oder im Studio zu stehen?

Sie spielt Keyboard und kümmert sich um die Streicher-Arrangements. Wir sind jetzt seit ungefähr 40 Jahren zusammen. Es kann manchmal durchaus schwierig sein, das Persönliche vom Performen auf der Bühne zu trennen. Aber sie ist eine sehr talentierte Musikerin und nicht aus der Band wegzudenken.

Sie haben auch mehrere Solo-Alben veröffentlicht: Wie würden Sie diese im Vergleich zu den anderen Dingen in Ihrer Karriere einordnen?

Meine Solo-Sachen kamen immer an zweiter Stelle, außerdem war ich damit nicht ganz so erfolgreich. Mit den dafür geschriebenen Songs war ich aber immer sehr zufrieden. Ich habe sie zumeist zuhause in meinem Studio selbst produziert und aufgenommen. Eine Zeit lang habe ich sie auch live gespielt, mit den Jahren aber immer seltener.

Mittlerweile ist »ELO«-Mastermind Jeff Lynne nach rund 30-jähriger Live-Pause auf die Bühnen zurückgekehrt, füllt unter dem neuen Bandnamen »Jeff Lynne’s ELO« die größten Hallen - selbst das Londoner Wembley-Stadion war mehrere Tage hintereinander ausverkauft - und hat auch noch zwei weitere Alben veröffentlicht. Was sagen Sie dazu?

Ich finde es fantastisch, dass Jeff Lynne auf den Bühnen zurück ist. Er sieht nun, wie sehr die Fans die »ELO«-Songs lieben und wie groß ihre Sehnsucht war, sie nach all den Jahren wieder live von ihm hören zu können.

Wie gehen Sie als britische Band, die häufig auf dem europäischen Festland unterwegs ist, mit den Folgen des »Brexits« um?

Der »Brexit« hat für uns alles viel komplizierter gemacht, und auch teurer. Ich persönlich habe gegen den »Brexit« gestimmt, leider aber viele dafür. Das fand ich traurig und hat mich auch sehr enttäuscht.

Sie sind inzwischen 69 Jahre alt: Da stellt sich automatisch die Frage, ob Sie bereits einen Zeitpunkt für das Karriereende ins Auge gefasst haben.

Es wird von Jahr zu Jahr mit den Auftritten etwas schwieriger, zumal ich kein Fitness-Fanatiker bin. Doch ich achte auf meine Gesundheit und Ernährung und bin mittlerweile auch Vegetarier. Wie lange ich noch auf der Bühne stehen werde, kann ich heute noch nicht sagen. Auf jeden Fall, so lange wie möglich, und so lange, wie mein Publikum mich hören möchte.

Es muss ein tolles Gefühl sein, wenn die Fans einem beim Konzert zujubeln und die Texte, darunter auch von Ihnen geschriebene, mitsingen. Beschreiben Sie bitte mal, was dann in Ihnen vorgeht!

Live zu spielen, liegt mir im Blut, egal, ob ich nun vor zehn oder zehntausend Zuhörern auftrete. Es ist jedes Mal eine ganz spezielle Verbindung mit dem Publikum, das ist schwer, in Worte zu fassen.

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