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Lösung ohne Baumfällung fällt unter den Tisch

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Von: Rüdiger Schäfer

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Die Homepage der Gießener Grünen. Screenshot: Schäfer © Rüdiger Schäfer

Auf der Homepage der Gießener Grünen ist ein Artikel zu »Fragen und Antworten zum Schwanenteich« zu finden. Erstaunlich: Der Vorschlag mit Erhalt aller Bäume wird darin verschwiegen.

Gießen (rsa). Auf der Homepage des Stadtverbandes der Grünen ist ein Artikel zu »Fragen und Antworten zum Schwanenteich« zu finden. Erstaunlich: Der Vorschlag von Diplom-Ingenieur Horst Dreier mit dem Erhalt aller Bäume und Sträucher wird darin verschwiegen. In dem Artikel werden die für die Partei realistischen Möglichkeiten zur Dammsanierung aufgezeigt: »Es liegen zwei verschiedene Varianten auf dem Tisch, die weiter vertieft werden sollen.

Zwei Varianten

Eine Variante beinhaltet die Komplettsanierung des Dammes. D.h. den kompletten Abtrag und Neuaufbau ohne Bäume im unmittelbaren Dammbereich. Die Bäume auf den sogenannten »Uferbalkonen« können aber stehen bleiben und nicht tiefwurzelnder Bewuchs wird auch in Zukunft möglich sein. Bei der zweiten Variante wird ein sogenanntes Geotextil an der Schwanenteichseite des Dammes in die Erde eingezogen und dann wieder verschüttet. Auch hier muss mindestens die Hälfte der Bäume verschwinden. Es besteht aber eine Chance, dass die Bäume auf der Wieseckseite bestehen bleiben können. Es wird noch geprüft, ob bei dieser Variante die Begehbarkeit des Dammwegs gewährleistet ist.« Demnach wird nicht ausgeschlossen, dass auch bei der Teilsanierung alle Bäume auch auf der Wieseckseite gefällt werden müssen.

Im Umweltausschuss vergangene Woche Dienstag hatte Umweltdezernentin Gerda Weigel-Greilich (Grüne) bezüglich der Sanierung des Uferweges zwischen Schwanenteich und Wieseck eine neue Vorlage mit dieser zweiten Möglichkeit verteilt. Bisher waren alle Alternativen zu einem Dammabriss und Neuaufbau ohne Bäume und Sträucher von ihr abgelehnt worden, weil ansonsten eine dauerhafte Dichtigkeit des Dammweges nicht gewährleistet wäre. In der Bürgerinformationsversammlung eine Woche zuvor hatte sie noch konstatiert, dass es »keine neuen Erkenntnisse« gegeben habe.

Noch nicht einmal erwähnt wird in dem Artikel die im Umweltausschuss zugesagte Prüfung auch des Vorschlages von Diplom-Ingenieur Horst Dreier. Bei dessen Variante bedarf es keinerlei Fällung von Bäumen und Sträuchern, auch nicht auf der Schwanenteichseite. Die Dichtigkeit des Dammes soll in diesem Plan für 30 bis 40 Jahre gewährleistet sein.

Weil eine breite Vorschüttung aus Gründen des Denkmalschutzes nicht möglich sei, schieden andere Varianten der Dammsanierung aus, ist zu lesen. »Der Schwanenteich ist ein künstliches Gewässer und wurde als Kulturdenkmal eingestuft. Wir Grüne finden dies nicht gut, aber können uns hier nur im Rahmen der geltenden Rechtslage bewegen.« Ob damit der Vorschlag von Dreier gemeint ist, bei dem eine Dammkronenverbreiterung von 1,6 Meter vorgesehen ist, wird nicht erwähnt.

Doch auch bei dem Geotechnischen Gutachten des Hungener Erdbaulaboratoriums ETN gibt es bei der Variante 1a, bei der eine Geotextillage zur Abdichtung hinzugefügt werden soll und dann als Variante 1b firmiert, eine Vorschüttung. Auf Seite 8 heißt es dazu: »Das Volumen des Schwanenteichs wird etwas reduziert, die Dammkrone wird um ca. 1 bis 2 m verbreitert.«

Sind damit nun beide Alternativen zum bisher von den Grünen favorisierten »Komplettabtrag und Neuaufbau ohne Bäume im unmittelbaren Dammbereich« wieder vom Tisch? Denn bei den beiden Vorschüttungsvarianten ist die von Dreier mit 1,6 Metern keinesfalls breiter als die ETN-Variante 1a/1b mit bis zu zwei Metern Breite. Ansonsten bliebe die Frage, wieso eine Variante »vertieft werden« soll, die angeblich aus Denkmalschutzgründen nicht umsetzbar ist.

Denkmalschutz

Hierbei taucht die Frage des Vorranges bei diesbezüglichen Konflikten zwischen Naturschutz und Denkmalschutz auf. Inzwischen soll es einen neuen »Deal« zwischen der Stadt und dem Landesamt für Denkmalschutz geben. Dabei geht es darum, bis zu welchem Ausmaß die Dammkrone verbreitert werden darf.

Der Anzeiger wollte vom Stadtverband wissen, wieso der Vorschlag von Dipl.-Ing. Dreier in dem umfangreichen Text verschwiegen wird. Eine Anfrage, bereits Mitte letzter Woche gestellt, wurde nicht beantwortet.

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