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Lösungssuche für die großen Probleme

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In Berlin kamen alle Studierenden zusammen und formulierten Forderungen an die Politik, aber auch an die Weltbevölkerung. Foto: Konrad © Konrad

Gießen . Wie sieht die Zukunft von Sicherheit und Kooperation in Europa aus - in einer Zeit, in der Russland mitten auf dem Kontinent einen Angriffskrieg führt? Mit dieser Frage setzten sich Studierende der Justus-Liebig-Universität Gießen nun gemeinsam mit belarussischen und ukrainischen Studierenden auseinander. Anlass war das Projekt »Students for the Future of Security and Cooperation in Europe«.

Das zweimonatige Austauschprojekt haben Lea Konrad und Fabian Schöppner, beide wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Politikwissenschaft, in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung Belarus durchgeführt.

Forderungen an die Politik

Aufgabe war zunächst, sich Themen herauszusuchen, mit denen sich die Studierenden beschäftigen wollten, erklärt die Teilnehmerin Nele Christian. In drei Online-Seminaren wurden in den jeweiligen Gruppen die Herausforderungen feministische Außenpolitik, Migration, Klimawandel und Energie, Cybersicherheit sowie der Krieg in der Ukraine besprochen. Anschließend trafen sich alle Teilnehmer in Berlin. Dort konnten sie ihre Fragen und Ideen mit Experten aus Politik, Wissenschaft und der Think-Tank-Welt besprechen. Bei der Exkursion nach Berlin trafen sich die Gruppen unter anderem mit Vertretern des Bundestags, des Auswärtigen Amts sowie des Projektsponsors, der Konrad-Adenauer-Stiftung.

»Letztendlich sind wir bei ziemlich großen politischen Problemen gelandet und hatten die Aufgabe, uns zu überlegen, wie man realistischerweise diese Themen behandeln und zu Verbesserungen kommen kann«, führt Nele Christian aus. In den Gruppen wurden die Ideen für die einzelnen Probleme festgehalten. Inhalt dieser Texte sind Antworten auf die Frage nach den grundsätzlichen Problemen sowie Forderungen an die Politik, wie gehandelt werden könnte, um die Situation zu verbessern oder in Zukunft daraus zu lernen.

An wen sich die Texte konkret richten, durften die Studierenden selbst entscheiden. So sind manche an Politiker adressiert, andere an internationale Organisationen oder auch an die Weltbevölkerung und den Menschenverstand. »Am Anfang schien es erstmal sehr groß und kaum umsetzbar, dann hat man aber Schritt für Schritt über die Themen gesprochen und auch in der Gruppe Feedback erhalten. Dann wurde es irgendwie doch realisierbarer«, beschreibt Nele Christian den Prozess. Ziel dabei war natürlich nicht, diese Probleme grundsätzlich zu lösen. Trotzdem sollte nach Möglichkeiten gesucht werden, um Verbesserungen zu erzielen.

Die Lösungsvorschläge konnten entsprechend der verschiedenen Probleme eher konkret oder auch abstrakt sein. Nele Christian und Elisabeth Alm stellen die Ergebnisse ihrer Gruppe vor, ihr Thema war die Auswirkungen von Krisen auf Frauen. Neben generellen Maßnahmen gegen die Stereotypisierung von Geschlechterrollen sei es zum Beispiel auch wichtig, schon früh im Bildungsprozess anzusetzen, geschlechtersensitive Lehrmaterialien bereit zu stellen oder Aufmerksamkeit für stereotypisierende Aussagen an staatlichen Institutionen zu schaffen. Gleichzeitig thematisiert die Gruppe auch die Zunahme der Gewalt an Frauen während der Pandemie und schlägt mehr Zufluchtsorte und Beratungsstellen vor, bei denen Frauen sich melden können.

Andere Forderungen der Gruppe sind eine Frauenquote sowie die Anerkennung der Pflege von Kindern und Angehörigen als Arbeit.

Ziel des Austauschs mit den belarussischen und ukrainischen Studierenden war es, verschiedene Perspektiven auf die Probleme zu erhalten. Die Gruppen bestanden daher stets aus deutschen und nicht-deutschen Studierenden. Besonders das persönliche Treffen in Berlin sei für alle sehr bereichernd gewesen, erzählt Fey Zeneli. Die Teilnehmer erhoffen sich auch über das Projekt hinaus weitere Treffen und eine Austauschbeziehung: »Alle Themen, die wir behandelt haben, zeigen eine hohe Relevanz auch in der Gesellschaft, weil wir gerade in einer Art Zeitenwandel stecken.«

Jede Gruppe hat zudem kurze Video-Statements aufgenommen, die auf den Social-Media-Kanälen der Konrad-Adenauer-Stiftung veröffentlich werden. Auch der Kontakt zwischen den deutschen und den ausländischen Studierenden entstand über die Stiftung in Belarus, die sich momentan im Exil in Vilnius befindet, erzählt Fabian Schöppner, einer der Projektleiter.

»Menschlich bereichernd«

»Es war auch menschlich eine bereichernde Erfahrung«, schwärmt Patrick-Sebastian Mutean. »Diese Kooperation unter den Studierenden und die verschiedenen Vorstellungen waren überraschend«, findet er. Dadurch sei ein anderes Verständnis von dem, was Europa sein kann, entstanden.

»Ich habe extrem viel Neues gelernt über die Situation in Belarus und auch die Situation, in der sich die Studierenden dort befinden, beziehungsweise in Litauen«, stimmt ihm Elisabeth Alm zu. Einige der belarussischen Studierenden und die Europäische Geisteswissenschaftliche Universität befinden sich im Exil. Durch das Äußern ihrer Meinung begeben sich die Projektteilnehmer teilweise in Gefahr. Es sei bewundernswert, dass sie sich trotzdem mit den Forderungen und Lösungsansätzen mutig für ein sicheres, freies und demokratisches Europa einsetzen und für ihre Zukunft kämpfen.

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