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Lützellindener auf Anklagebank

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Von: Julian Spannagel

Messerattacke auf Gerichtsvollzieherin: Dennis Helmchen, im wahren Leben Vertriebsleiter für ein Softwareunternehmen, ist als Laiendarsteller in der RTL-Sendung »Das Strafgericht« zu sehen.

Gießen. »Jeder normale Mensch kann in so etwas reinschlüpfen«, findet Dennis Helmchen, der heute um 16 Uhr bei RTL zu sehen sein wird. Der Lützellindener ist Angeklagter in Folge 16 der Gerichtssendung »Das Strafgericht Ulrich Wetzel«. Beim Dreh war Improvisation gefragt. Sein Umfeld ist gespannt, wie der Vertriebsleiter in einer ganz anderen Rolle als sonst wirkt.

Die Ausgangslage der Folge ist, dass der Angeklagte Thorsten gepfändet wird und eine Gerichtsvollzieherin niedersticht. Bekannt ist außerdem bereits, dass sie als streng gilt, was auch ihren Mann in Mitleidenschaft zog. Und schließlich saß Dennis Helmchen, alias »Thorsten«, im Gerichtssaal, genauer gesagt in einer Produktionshalle in Köln-Hürth. Auf den ausgestrahlten Bildern wird von der Studiotechnik, die er zu Gesicht bekommen hat, nichts mehr zu sehen sein. Sechs Stunden hat der Dreh dort inklusive Maske und Kostüm in Anspruch genommen. Umringt von mehreren Kameras, »die ständig auf dich gerichtet sind.«

Am Schwersten fand es Helmchen, zu wissen, wann er dran ist. Hatte sich jemand versprochen, hat der Richter die gestellte Frage wiederholt, es wurde also ohne Unterlass gedreht. »Ein Kollege hatte mehrere Hänger«, erzählt Helmchen. Abhilfe schuf das Drehbuch, welches für die Zuschauer unersichtlich auf dem Richtertisch liegt. »Man denkt, es wäre eine Akte«, erklärt der Amateurschauspieler. Als weniger schwer empfand er, sich in die Rolle selbst einzufinden. »Man musste den Text nicht auswendig lernen, das war nicht gewünscht. Es sollte schon aus der Situation und aus dem Affekt heraus sein. Aber es muss natürlich in den Kontext passen«, erklärt er. So entwickelten sich dann beim Dreh auch Situationen, »die gar nicht im Drehbuch standen«. Alle hätten trotzdem mit- und weitergespielt.

Alle Schauspieler sind erst beim Dreh aufeinandergetroffen, sie kannten ich also vorher gar nicht. Selbst mit seiner Verteidigerin wurde er erst im Gerichtssaal vertraut gemacht. »Man wird ins kalte Wasser geschmissen«, so die Erfahrung. Dass er die Menschen nur aus dem Drehbuch kannte und dann mit ihnen zusammentraf, sei »absolut verrückt« für ihn gewesen. Mit seinem Auftritt ist er überwiegend zufrieden, vor Ort gab es »nur positive Rückmeldungen«. Bei Kleinigkeiten, wie etwa dem Tuscheln mit der Verteidigerin, hätte es seiner Ansicht nach mal mehr, mal weniger an schauspielerischem Ausdruck sein können. Er verrät zudem, dass es eine Szene mit einem Ausraster gebe. Diese sei ihm, so findet er, gut gelungen. Insbesondere ist er auf die Reaktionen seiner Familie und Freunde gespannt.

Noch besser als der Dreh im Gerichtssaal haben Helmchen die Außenaufnahmen und Szenen in einer Wohnung gefallen, die bereits zwei Wochen zuvor entstanden sind. »Bei den Außenaufnahmen da muss auf viel geachtet werden. Ein Flugzeug fliegt vorbei, ein Auto fährt vorbei - es muss gewartet werden. Das sind viele Einflüsse, die man im Studio natürlich kontrollieren kann«, erklärt er. Auch für ihn sei der andere Drehtag eine größere Herausforderung gewesen. »Es war Improvisieren und Action gefragt«, erklärt der 38-Jährige. »Und jetzt bitte hier ins Bild«, führt Helmchen als Beispiel für eine Regieanweisung an. Nach zwei Stunden sind auch diese Szenen im Kasten gewesen. Sie dienen im Gerichtsprozess als Beweismittel und sind somit auch das einzige fertige Material, was er bereits gesehen hat.

Das Ganze ging natürlich auch nicht ohne Vorbereitung vonstatten. Ein 30-seitiges Drehbuch bekam Helmchen vom Sender zugeschickt. »Was mich erstmal überrascht hat, dass solche Formate ein Drehbuch haben«, erklärt er. Es sei schon »sehr professionell«. Einmal die Woche habe es ein Online-Treffen mit der Redaktion gegeben, bei denen er auch weitere Anweisungen erhalten hat. Zwischen diesen hat er das Manuskript immer wieder zur Hand genommen. Seine Freundin hat ihn beim Üben unterstützt.

Zustande gekommen ist die Zusammenarbeit, da sich Helmchen vor längerer Zeit in eine Casting-Datenbank eingetragen hat. Daraufhin hat er einmal eine Rolle als Komparse bekleidet. »Thorsten« ist seine erste Hauptrolle. Nun hat er bereits weitere Anfragen für Prime-Time-Sendungen erhalten. Hauptberuflich will der Vertriebsleiter für ein IT-Softwareentwicklungsunternehmen in Bad Vilbel, der nebenbei beim TSV Kleinlinden Basketball spielt, jedoch kein Schauspieler werden.

Die Ausstrahlung heute Nachmittag (16 Uhr) wird er sich wahrscheinlich mit seiner Freundin ansehen. Diese sei ebenso wie sein Sohn (12) gespannt. Ein weiterer Sohn (5) gehört ebenfalls zu der Patchwork-Familie. Morgen um 10 Uhr wird die Folge wiederholt und ist zudem bei RTL-Plus verfügbar. Über den Inhalt kann der Amateurschauspieler nichts verraten. »Es bleibt bis zum Schluss spannend«, verspricht er jedoch.

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