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Magistrat will Fernwärme fördern

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Geld für den Fernwärmeanschluss: Der Magistrat plant ein Programm mit einem Volumen von 90 000 Euro. Foto: dpa © dpa

Mit einem Förderprogramm will der Magistrat den Wechsel zur Fernwärme schmackhaft machen. Pro Haushalt sind 500 Euro geplant.

Gießen. Der Magistrat reagiert mit einem Förderprogramm Fernwärme auf Gas- und Klimakrise. Insgesamt 90 000 Euro sollen für den Wechsel des Heizsystems zur Verfügung stehen, wobei pro Haushalt 500 Euro Förderung vorgesehen sind. »Klar ist, dass man für einen Wechsel des Systems Geld in die Hand nehmen muss. Hier wollen wir unterstützen und das vor der Heizperiode. Das Projekt genießt daher hohe Priorität in der Verwaltung«, sagte Bürgermeister Alexander Wright von den Grünen am Montagabend im Hauptausschuss. Das Votum der Stadtverordnetenversammlung steht noch aus,

»Das Thema ist relativ akut. Denn für viele Menschen mit einem Gasanschluss oder einer Gasetagenheizung stellt sich jetzt, angesichts der Gaswarnstufe zwei, die Frage nach einer Alternative«, erklärte der Bürgermeister. Die Antwort liege in mehr als 2000 Fällen mit der Fernwärme vor oder manchmal sogar hinter der Haustür. Neben der direkten Unterstützung mit 500 Euro gehe es bei der Kampagne es darum, Öffentlichkeit für die Alternative zu schaffen. »Denn mit der Fernwärme schafft man es mit einem Mal, effizienter zu sein und weniger CO2 auszustoßen.«

»Tempo für mehr Energieeffizienz erhöhen«

Antragsberechtigt sind Eigentümer von Wohn- und Gewerbegebäuden, Mieter und Pächter mit Zustimmung der Eigentümer und bei Eigentumswohnungen die Eigentümergemeinschaft. »Nicht gefördert werden Anschlüsse an Gebäuden, die sich in der Hand von öffentlich rechtlichen Trägern (wie zum Beispiel Kindergärten, Schulen, Ämter, Postfilialen, Bahnhöfe, Krankenhäuser, Schwimmbäder, Museen, Kirchen) befinden«, heißt es in der Magistratsvorlage. Die Kombination mit anderen Förderprogrammen, beispielsweise von der KfW, solle geprüft und gegebenenfalls ermöglicht werden. »Sofern eine Anrechnung der Förderung der Stadt Gießen auf Zuschüsse aus anderen Programmen erfolgen sollte, soll eine Förderung durch die Stadt Gießen ausgeschlossen werden«, ist in der Magistratsvorlage nachzulesen. Derzeit seien in der Stadt in 400 Gebäuden 1857 Gaszähler verbaut, wo die Fernwärme direkt vor der Haustür liege. »Zusätzlich sind in 70 Gebäuden 264 Gaszähler an Straßen verbaut, wo die Fernwärme bereits im Gebäude liegt. Daher soll insbesondere der Wechsel von einer Gasetagenheizung hin zu einem Fernwärmeanschluss gefördert werden«, ist in der Vorlage formuliert. Mit dem kommunalen Förderprogramm werde angestrebt, den Wechsel attraktiver zu gestalten und das Tempo für mehr Energieeffizienz zu erhöhen.

»Wir konsolidieren und optimieren im Moment«, erläuterte der Technische Stadtwerkevorstand Matthias Funk. Das bedeute, dass die SWG ein Verdichtungspotenzial im Volumen des Bedarfs von 3100 Einfamilienhäusern hätten. »Die könnten wir heute an diesen Wärmenetzen versorgen. Wir sind momentan dabei, an den Trassen zu verdichten, die Hauseigentümer anzusprechen und die Wärmeversorgung effizienter zu machen«, berichtete der Vorstand. Der eine oder andere werde sagen: Na ja, Die SWG erzeugten die Wärme auch mit fossilen Brennstoffen. Das sei korrekt. Aber das Unternehmen setze auf neue Projekte wie iKWK (innovative Kraft-Wärme-Kopplung). Damit verbunden sei eine Wärmepumpe mit sechs Megawatt thermischer Leistung, die die SWG an der Lahn bauen wollen. Diese Pumpe habe einen deutlich höheren Wirkungsgrad als die kleinen Pumpen zu Hause. Mit solchen Geräten finde eine Ablösung von fossilen Brennstoffen statt.

»Auch Verbrennung von Klärschlamm möglich«

Ein Wärmesystem könne alle ökologischen Wärmepotenziale aufnehmen und einspeisen, betonte Funk in der Debatte. »Wenn Sie zu Hause eine Gasheizung haben, sind Sie an der Gasheizung gefangen«, unterstrich der SWG-Vorstand. Mit Blick auf die Fernwärme sprach er dagegen davon, dass unter anderem die Verbrennung von Klärschlamm möglich sei. »Was wir dafür brauchen, ist die Gasnetzinfrastruktur, genau so wie eine Abwasserinfrastruktur. Aber wir können sie zum Wohle der Ökologie einsetzen.« Es sei klar, dass das Geld koste. Aber Energie sei etwas, das »ruhig Geld kosten darf. Denn dann geht man auch sorgsam damit um und merkt auch, dass das ein Gut ist, bei dem man überlegt. Wir merken ja gerade, was uns möglicherweise vor dem nächsten Winter droht. Argumente für die Fernwärme gibt es, glaube ich, reichlich.«

»Das Programm ist nicht vom Himmel gefallen. Es gibt tatsächlich auch Anfragen, was man in der aktuellen Situation tun kann«, berichtete der Bürgermeister. Im Zuge der Ankündigung der Arbeiten an der Ludwigstraße habe es Anfragen von Anrainern gegeben, ob man Fernwärme lege. »So weit geht das schon.«

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