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Manchmal gibt es Zoff, meist Verständnis

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Betriebsamkeit unter weihnachtlichem Lichterglanz auf dem Seltersweg, doch in den Geschäften herrscht aufgrund der 2G-Regelung nur wenig Andrang. © Leyendecker

Seit zwei Wochen gilt die »2G-Regel« im Einzelhandel.Wie läuft das Weihnachtsgeschäft und wie ist die Stimmung bei Gießener Einzelhändlern?

Gießen (fley). Wer derzeit noch die letzten Weihnachtsgeschenke kaufen muss, der wird in diesem Jahr feststellen, dass das sonst übliche Gedränge und Geschiebe im Seltersweg so gut wie nicht stattfindet. Vergleiche mit 2019 haben die meisten vermutlich satt, doch der Unterschied ist gravierend, vor allem mit Blick in Gießens Einkaufsstraßen. Die Shoppingmeile zwischen Elefantenklo und Marktplatz ist aufgrund des Weihnachtsmarktes gut gefüllt, doch die meisten Läden sind recht moderat gefüllt. Was der Grund dafür ist, liegt auf der Hand: Seit zwei Wochen gilt die »2G-Regel« im Einzelhandel. Das heißt: Shopping nur noch für Genesene oder Geimpfte. Niedersachsen kippte kürzlich die Regelung wieder, doch Hessen hält eisern an der Verordnung fest. Das spüren viele Einzelhändler an ihren Umsätzen, die teilweise stark zurückgehen. Nach zwei Wochen ein erster Überblick. Wird die Regelung befolgt oder gibt es Leute, die sich querstellen? Wie läuft das Weihnachtsgeschäft und wie ist die Stimmung? Und wie angespannt ist die Lage in Gießens Einzelhandel?

»Zu 98 Prozent läuft es. Klar, manche Kunden finden es stressig, aber viele sind schon mit ihrem digitalen Impfpass oder dem analogen ausgerüstet. Nachfragen müssen wir dann meist nur beim Personalausweis«, schildert Ira Burg-Männche vom Spielwarenladen Fuhr. Der Laden sei nicht voll, im Gegenteil. »Das ist kein normales Weihnachtsgeschäft. Die Kundenzahlen sind wesentlich weniger, im normalen Weihnachtsgeschäft wäre der Laden voller«. Fuhr hat seine beiden Eingänge zweigeteilt, wie Burg-Männche erzählt. »Vorne am Haupteingang haben wir die Einlasskontrolle nach der 2G-Regel. Am Hintereingang können Waren, die online bestellt wurden, abgeholt werden. Hinten kann auch gleichzeitig mit EC-Karte bezahlt werden, falls jemand nicht in den Laden kommen möchte«. Froh sei das Team von Fuhr darüber, dass das Geschäft offen ist und nicht von einem erneuten Lockdown wie im Dezember 2020 betroffen ist. »Wir hoffen, dass die Woche vor Heiligabend noch etwas geht.«.

Einige Meter weiter, bei Deichmann, schildern Mitarbeiterinnen der Filiale eine ähnliche Situation. »Es ist ruhig geworden im Verkauf. Die Kunden beschweren sich über die Notwendigkeit, hier QR-Code und Personalausweis vorzuzeigen. Da wird dann der ein oder andere wütend, aber viele sind nur angespannt«, erzählt eine Mitarbeiterin. Unter der Woche sei es sehr ruhig, nur am Wochenende werde es dann mal voll und dann gäbe es auch Zoff. »Die Leute ignorieren Absperrungen und laufen einfach in den Laden. Die wenigsten hier haben tatsächlich Verständnis für die Lage«.

Inzwischen werden gerade unter der Woche Mitarbeiter wieder nach Hause geschickt, das Weihnachtsgeschäft im Schuhladen erfährt massive Einbußen. »Aber wir haben einen großen Vorteil«, unterstreichen die Mitarbeiterinnen, »wir haben weniger Diebstahl und einen besseren Überblick darüber, wer im Laden ist und wer nicht. Wir schauen uns die Kunden genauer an als vorher und haben immer einen Mitarbeiter an der Tür stehen, der kontrolliert«. Das alles seien »ungewöhnliche Monate«.

Das Schuhhaus Darré am Elefantenklo hingegen spürt von den Einschränkungen deutlich weniger als die Konkurrenz. »Wir haben keine Probleme. Besser mit 2G als wenn der Laden geschlossen ist. Wir sehen aber, dass der ein oder andere reinkommen würde, wenn er denn könnte«, resümieren die Mitarbeiterinnen Irene Vogel und Jenny Eley. Schuhe verschenke man eben nicht, der Laden sehe sich eher als ein Bedarfsgeschäft. »Wenn jetzt Schnee liegen würde, dann wäre der Bedarf an warmen Schuhen auch größer. Da ein Großteil der Weihnachtsfeiern ausfalle, kaufen weniger Leute schicke Schuhe für festliche Anlässe«, sagen beide. Das Team könne nicht von einem Weihnachtsgeschäft sprechen, denn: es gäbe schlichtweg keins in ihrer Branche.

Sabrina Zampedri, Filialleiterin bei Christ im Seltersweg, kennt das Problem gut. »Wir haben ungefähr die Hälfte weniger an Kundschaft, aber die, die kommen, die kaufen dann auch«, sagt Zampedri. Die Einlasskontrollen verursachen wenig Gezeter, bisher habe alles gut geklappt. Die meisten Leute haben schon am Eingang ihren Personalausweis und den Impfpass parat, wenngleich einige wenige meckern würden. »Wir tun unsere Pflicht, indem wir die Regeln umsetzen. Klar, das Weihnachtsgeschäft ist nicht wie vor Corona. Wir haben Verluste. Unser Rückgrat, was uns in der jetzigen Zeit stärkt, ist das Onlinegeschäft«. Es gäbe teilweise Phasen, da hätten die Mitarbeiter genug Zeit, neue Waren auszupacken und einzusortieren - in einem Dezember ohne Corona nicht denkbar.

Eine Sache aber regt Zampedri an, die auch viele Geschäftskollegen im Seltersweg umtreibt. »Ich finde es schade, dass es nicht wie in einem Center Bändchen gibt. So meckert der ein oder andere, dass er doch eben erst im Karstadt war und sich jetzt wieder ausweisen muss«.

Die Unterstützung für die Bändchenmethode findet sich auch in der Plockstraße bei »amica«. Der Schmuckladen von Elsa Hartmann hatte bereits vorher auf 3G+ umgestellt. Statt eines Schnelltests wurde ein PCR-Test benötigt. »Die Kunden kommen gut vorbereitet rein und sind total verständnisvoll. Einer pro Woche hat bei 3G+ noch gemotzt, aber inzwischen haben alle vollstes Verständnis«, erzählt Hartmann. Sie erinnert sich daran, dass am Samstag vor der Umsetzung (04.12.2021 Anm. d. Red.) einige Leute sehr ungehalten reagiert hatten. Inzwischen habe sich das wieder gelegt und sie betont: »Wir stehen voll dahinter. Wir wollen den Laden offenhaben und deswegen ziehen wir es durch. Ich würde ja Bändchen bevorzugen, aber das ist schwer zu kontrollieren. Wir sind ja nicht eine geschlossene Fläche wie im Forum Wetzlar«, so Hartmann.

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