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»Massive Gewaltfantasien«

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Ein Gießener muss ein Jahr und neun Monate ins Gefängnis. Archivfoto: Mosel © Red

Ein Gießener ist wegen des Besitzes kinderpornografischer Schriften zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt worden. Fast 100 000 Bilddarstellungen wurden bei ihm sichergestellt.

Gießen (ebp). Wegen des Besitzes kinderpornografischer Schriften musste sich ein Mann aus Gießen vor dem Landgericht verantworten. Auf den sichergestellten Datenträgern wurden laut Staatsanwaltschaft fast 100 000 kinderpornografische Bilddarstellungen und 589 Filmcollagen »mit massiven Gewaltfantasien« entdeckt. Weil eine mögliche Unterbringung des Angeklagten in einer psychiatrischen Einrichtung im Raum stand, wurde die Öffentlichkeit noch vor der Anklageverlesung ausgeschlossen.

Wie die Pressestelle des Gießener Landgerichts auf Anfrage des Anzeigers mitteilt, hat der Angeklagte die Vorwürfe gegen ihn gestanden. Die Sechste Strafkammer hat ihn zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten ohne Bewährung verurteilt und daneben Führungsaufsicht angeordnet. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Keine verminderte Schuldfähigkeit

Der psychiatrische Sachverständige hatte ausgeführt, dass er zumindest nicht ausschließen könne, dass der Angeklagte bei der Begehung der Tat vermindert schuldfähig gewesen sei, weil er an einer psychischen Erkrankung mit pädophilen und sadistischen Neigungen leide.

Die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus wurde von der Kammer jedoch nicht angeordnet, weil nach den Ausführungen des Sachverständigen wiederum nicht mit hinreichender Sicherheit eine verminderte Schuldfähigkeit festzustellen war, was eine zwingende Voraussetzung für die Anordnung darstelle. Die neben der Freiheitsstrafe angeordnete Führungsaufsicht soll verhindern, dass der Angeklagte erneut in gleicher Weise straffällig wird.

Auf die Spur gekommen waren die Ermittler dem Gießener, weil dieser kinderpornografisches Material in einem Cloud-Speicher hochgeladen hatte. US-amerikanische Provider sind nach nationalem Recht zur Mitteilung entsprechender Vorkommnisse verpflichtet. Die US-amerikanischen Behörden wiederum haben dann die deutschen Ermittlungsbehörden über den Vorgang informiert. Über die IP-Adresse konnte der Angeklagte ermittelt werden.

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