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Mecke zu Gast beim Theaterverein

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Führte ein in das Thema »Stimme und Musik«: Ann-Christine Mecke. Foto: Yool © Yool

Gießen (red). Das Schauspiel »Hundepark« nach einem Roman von Sofi Oksanen feiert am heutigen Freitag seine Uraufführung im Großen Haus des Stadttheaters. Dazu hatte sich am morgigen Samstag die finnisch-estnische Autorin zu einer Lesung angekündigt. Wie das Stadttheater gestern mitteilte, fällt die Lesung jedoch wegen einer kurzfristigen Erkrankung Oksanens aus.

Nach einem Ersatztermin werde derzeit gesucht.

Unterdessen kündigt das Junge Theater an, die Ergebnisse seines ersten Workshops am kommenden Montag zu präsentieren. Und der Verein der Freunde des Theaters Gießen traf bei seinem jüngsten Monatstreffen auf Dr. Ann-Christine Mecke. Im vollbesetzten Foyer des Kleinen Hauses begrüßte der Stellvertretende Vorsitzende des Theatervereins Dr. Jürgen Gerhard die künstlerische Leiterin des Musiktheaters und stellte ihren Lebenslauf dar. Sie wurde 1975 in Hamburg geboren, studierte Philosophie, Musikgeschichte und Physik, promovierte mit einer Dissertation zu Johann Sebastian Bachs Chorpraxis, arbeitete in Leipzig, Wien, Stuttgart, Heidelberg als Musikdramaturgin, um seit dieser Saison am Stadttheater Gießen die Sparte Musiktheater zu leiten.

Das Thema des Abends lautete »Stimme und Musik«. Mit Bild- und Hörbeispielen erläuterte die Expertin die physischen und physikalischen Grundlagen unserer Stimmbefähigungen. Mittels akustischer Dokumente verdeutlichte sie, dass der Stimmapparat ein »wandlungsfähiges Instrument« sei. Damit könne die Stimme »unsere Stimmungen, etwa Freude, Trauer, Angst, erkennbar machen«. Klangentstehung sei »keine Magie, alles ist Physik, denn Luftdruck verändert sich periodisch in (Sinus-)Schwingungen, deren Frequenzen und Höhe man übend beeinflussen kann«.

Trotzdem blieben die Stimmlippen »ein magisches Organ«, weil vom »Grad im Stimmlippenverschluss« Kraft, Höhe und Dauer der Tonerzeugung auch geschlechterbezogen abhängen. Die Stimmlippen verdoppelten sich in der Pubertät bei Jungen auf etwa zwei Zentimeter und bei Mädchen auf etwa 1,6 Zentimeter. Generell gelte, dass es bei jedem eine »Alterung der Stimme« gebe. Besonders eindrucksvoll waren die MRT-Aufnahmen der »Artikulationsarbeit eines Profisängers« und die Fähigkeit eines Sängers, der einen »Kanon mit sich selbst« durch Oberton zu Gehör brachte.

Am Vorabend der Premiere zu Donizettis »Caterina Cornaro« stellte Ann-Christine Mecke auch Inhalt, Rezeptionsgeschichte und die Gießener Fassung als »deutsche szenische Erstaufführung« dieser Oper vor. Die Vorsitzende Helga Göbel bedankte sich bei ihr im Namen des Theatervereins für den spannenden Vortrag.

Das nächste Treffen der Theaterfreunde im Januar steht ganz im Zeichen der Bühnentechnik (Schnürboden, Unterbühne, Inspizienz). Zu Gast ist dann der Technische Direktor Dr. Christoph Moos. Termin und Einzelheiten werden mit der Einladung bekanntgegeben.

Abgeschlossen ist die erste Workshop-Runde des Jungen Theaters. Die Teilnehmer präsentieren ihre Ergebnisse als Videoinstallation im Kleinen Haus am Montag, 12. Dezember, von 16 bis 18 Uhr. Die Spieler des Workshops »Riot!« haben sich mit kleinen und großen Übergriffen auf ihre Selbstbestimmung beschäftigt. Sie entwickelten dabei Texte, die alltägliche Erfahrungen junger Menschen mit Belästigung und mehr oder minder gut gemeinten »Ratschlägen« zu Aussehen und Partnerwahl schildern.

Aus den Texten entstanden kurze Szenen, die realitätsnahe Begegnungen beschreiben, wie sie junge Menschen im Alltag erleben. Die Spielsituationen wurden gefilmt und werden nun im Foyer des Kleinen Hauses als Videoinstallation präsentiert. Der Eintritt ist frei. Wer beim Zuschauen Lust bekommt, bei der nächsten Runde der Workshops mitzumachen und zu spielen, kann danach ab 19 Uhr in der Bahnhofstraße 9 beim Schnupper-Workshop die Themen der neuen Workshoprunde kennenlernen. Angesprochen sind Kinder im Alter von 8 bis 11, 12 bis 14 sowie 15 bis 18 Jahren.

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