1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Medizinforschung: Gießener Fachbereich und JLU weisen Kritik zurück

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Frank-Oliver Docter

GIESSEN - (fod). Die Medizin hat in den vergangenen Jahrzehnten riesige Fortschritte gemacht. Viele vormals potenziell tödliche Krankheiten sind inzwischen heilbar. Zu verdanken ist dies auch all den Forschern, die in Labor und Klinik monate-, wenn nicht gar jahrelang nach wirksamen Behandlungen und neuen Medikamenten suchen. Oder die Effektivität von bereits existierenden Therapien und Arzneien testen.

Auch an den Medizin-Standorten Gießen und Marburg, deren Universitäten jeweils einen solchen Fachbereich haben und noch dazu durch das fusionierte und privatisierte Klinikum verbunden sind, ist man diesbezüglich sehr fleißig. Geht man jedoch nach einem gemeinsamen Bericht der Organisationen Transparimed und Buko Pharma-Kampagne, lässt der Fleiß in puncto Veröffentlichung von Gießener und Marburger Forschungsergebnissen bei der Datenbank EudraCT zu wünschen übrig.

Onlineregister der EU

In dem Onlineregister für klinische Studien, die mit Arzneimitteln in der Europäischen Union (EU) durchgeführt werden, befänden sich die beiden heimischen Standorte unter den 17 deutschen Medizinhochschulen, die zu den von ihnen bei EudraCT eingetragenen Studien bislang kein einziges Ergebnis veröffentlicht hätten, heißt es. Gießen und Marburg zusammen sollen bis zum Zeitpunkt Ende vergangenen Jahres die Resultate zu zehn Studien schuldig geblieben sein.

Dieser Darstellung widersprechen die Justus-Liebig-Universität (JLU) und ihr Fachbereich Medizin in einer gemeinsamen Antwort auf Nachfrage des Anzeigers. Zwar seien vier der zehn erwähnten Studien Gießen zuzuordnen. Doch betreffe die Auflistung ausschließlich den Zeitraum 2015 bis 2019. Tatsächlich sei nur eine der klinischen Studien aus dieser Zeit, nämlich zu Infertilität und Metabolischem Syndrom, "bereits beendet. Für die anderen Studien ist ein Abschlussbericht noch nicht fällig", teilt man mit. Im Übrigen würde der Fachbereich Medizin, unabhängig von der Verpflichtung zu den Eintragungen in jene Datenbank, "grundsätzlich offen mit wissenschaftlichen Studien umgehen" - sei es nun durch Veröffentlichung der Ergebnisse in Fachpublikationen oder der Übermittlung an Behörden und das Onlineportal Pharmnet.bund.

Dem Pressebericht zufolge sollen überhaupt nur 6,7 Prozent aller klinischen Studienergebnisse deutscher Universitäten bei EudraCT zugänglich gemacht worden sein. Spitzenreiter im negativen Sinne sei die weltberühmte Berliner "Charité", die sogar 68 Studien mit fehlenden Resultaten aufweisen soll.

Auch interessant