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Mehr als praktischer Unterricht

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Freuen sich schon auf ihren Einsatz im Ahrtal: die Theodor-Litt-Schüler. © Zielinski

Helfende Hände: Zwei Ausbildungs- und zwei Technikerklassen aus dem Bereich Sanitär, Heizung, Klima der Theodor-Litt-Schule fahren ins Ahrtal, um vor Ort beim Wiederaufbau zu helfen

Gießen. Gemeinsam Gutes tun - das möchten Lehrer und Schüler der Theodor-Litt-Schule: Am kommenden Montag, 21. März, werden zwei Ausbildungs- und zwei Technikerklassen aus dem Bereich Sanitär, Heizung, Klima (SHK) zusammen ins Ahrtal fahren, um vor Ort beim Wiederaufbau zu helfen. Die Idee hierzu hatte der gelernte Handwerksmeister Alexander Günther, der nach einem Referendariat an der der TLS nun als Fachpraxislehrer SHK und Elektrotechnik unterrichtet.

Schnell konnte er seinen Kollegen, Studienrat Jan-Hendrik Schneider (Bereich SHK und Zerspanungsmechaniker), für den humanitären Einsatz gewinnen. »Material ist genug vorhanden, was gebraucht wird, sind Fachwissen und helfende Hände«, erklärt Schneider. Noch immer seien im Ahrtal über 5000 Menschen ohne Heizung.

Die Idee stieß sowohl bei der Schulleitung als auch bei den Schülern und Schülerinnen auf positive Resonanz. »Am schwierigsten war es, den Kontakt zu Organisationen vor Ort, beziehungsweise der Handwerkskammer Koblenz, herzustellen«, erinnert sich Schneider. Nachdem rund zwei Monate alle Telefonate ins Leere gelaufen seien, habe sich »Handwerker helfen« gemeldet, auf die man über eine Reportage im Fernsehen aufmerksam geworden sei.

»Wir hatten unser Hilfsangebot auf deren Plattform angemeldet«, erzählen die Lehrer. Über die Hälfte der Schüler(innen) - aktuell 40 Personen - hat sich bereit erklärt, mitzufahren. »Bei den Ausbildungsklassen müssen natürlich auch die Betriebe zustimmen«, betont Schneider. Die meisten fanden die Idee aber gut. Ein Ausbildungsbetrieb habe sich sogar bereit erklärt, Werkzeug zur Verfügung zu stellen.

Um ins Ahrtal zu gelangen, werden Lehrer und Schüler - darunter auch vier Frauen - ihre eigenen Pkws nutzen. »Aus versicherungsrechtlichen Gründen ist es uns deshalb auch am liebsten, auf einer Großbaustelle zusammen zu arbeiten«, unterstreicht Jan-Hendrik Schneider. Bei der Arbeit werde den jungen Leuten immer ein ausgebildeter Geselle über die Schulter schauen. Selbstverständlich seien auch ortsansässige Anlagenbetriebe dabei.

»Wir wollen nicht nur helfen, sondern auch etwas erreichen«, betonen die Lehrer. Auf den Einsatz vor Ort habe man die Schüler(innen) bereits mit einem Video vorbereitet. Wie die jungen Leute allerdings emotional auf die vielen Einzelschicksalsschläge reagieren werden, könne man natürlich nicht wissen. »Mit Sicherheit wird es für alle eine wertvolle Erfahrung sein«, stellt Schneider fest.

Untergebracht ist die Gruppe in einem stillgelegten Altenheim im Heimersheim. »Dort stehen uns Etagen-, Feld- und Einzelbetten sowie ein Duschcontainer zur Verfügung«, weiß Alexander Günther. »Schlafsäcke sind selbst mitzubringen.« In 200 Meter Entfernung ständen Versorgungszelte bereit, die vom Kreis finanziert würden. Dennoch freue man sich über Lebensmittelspenden jeder Art. Willkommen seien vor allem haltbare Konserven oder Obst.

Aber auch Geld- oder Werkzeugspenden werden benötigt. Bei letzterem habe man Baumärkte und Werkzeugverleiher angesprochen. »Bauhaus hat uns bereits mit einem Warengutschein über 200 Euro unterstützt«, freuen sich die jungen Helfer. Von den Geldspenden würden zunächst die eigenen Kosten gedeckt, damit die Schüler nichts drauflegen müssten. Falls noch Geld übrig bleibe, solle davon Material gekauft oder der Restbetrag an den Ehrenamtsverein vor Ort gespendet werden.

Alexander Günther war bereits zuvor angereist, um sich die Lage vor Ort anzuschauen und mögliche Aufträge zu sichten. »Wir werden jeden Morgen in einem Großlager eine Kontaktadresse inklusive Auftrag und Material abholen«, weiß er. Da in der Regel gespendete Altgeräte eingebaut würden, bestehe ein Vertrag, der besagt, dass man von jeglicher Gewährleistung absehe.

Wände einreißen, vorhandene Rohrleitungen kappen und neu legen, Abwassertechnik neu aufbauen, Klimaanlagen einbauen, Trinkwasserinstallationen vornehmen - sprich alles, was zu einer Komplettsanierung im Bereich Haustechnik gehört, werden die Schüler vor Ort umsetzen.

Die Mädchen und Jungen wurden von Anfang an in die Planung miteinbezogen. So war es beispielsweise ihre Aufgabe, eine Instagram-Seite, zu finden unter https://www.instagram. com/tls_giessen/?hl=de, zu erstellen und ein Foto der Gruppe zu schießen.

Die Gruppe wird am 24. März wieder von ihrem Einsatz zurückkehren.

Wer die Hilfsaktion finanziell unterstützen möchte, kann dies unter Angabe des Verwendungszwecks »Ahrtal Hilfsaktion«, Spendenkonto TLS: DE74 513500250200541641 tun. Lebensmittelspenden können direkt an der TLS abgegeben werden.

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