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gikult_glasblaeser2_02022_4c © Heiner Schultz

Der Licher Kunstglasbläser Lukas Witzmann ist fasziniert von der Mischung aus Glas, Holz und Licht. Und er pflegt noch einige andere Leidenschaften.

Lich. Erleuchtete Kunst: Der Licher Lukas Witzmann zeigt derzeit seine Lichtobjekte und Lichtbilder aus Holz und Glas in den »Dazwischen«-Schaufenstern der ehemaligen Licher Blumenhandlung Volz. Für das Material seiner Kunst kann sich der ausgebildete Kunstglasbläser leidenschaftlich begeistern - wobei er erst über Umwege zu dieser Ausdrucksform fand.

Witzmann wurde 1986 in Gießen geboren, wuchs in Lich auf und machte in Hungen den Realschulabschluss. Nach dem Zivildienst ließ er sich im bayerischen Zwiesel zum Glasapparatebauer und Glasbläser ausbilden, worauf sich ein Jahr im Fach Kunstglasbläser anschloss. »Ich hab damals nach einem Handwerk gesucht, in dem ein besonderes Material bearbeitet wird«, erklärt der Licher. Am Glas begeistert haben ihn die Filigranität sowie die Genauigkeit, die dessen Bearbeitung erfordert. Etwa, wenn es darum geht, Apparate für chemische Gase herzustellen. »Das zu können fand ich einfach gut.« Die Ausbildung bot ihm zudem den Freiraum, nach den Kursen eigene Dinge anzufertigen: Gläser, Teeservices, Anhänger. So kam er auf diese spezielle Ausbildung zum Kunstglasbläser. Eine Fertigkeit, bei der etwa kleine Figuren, Sekt- und Weingläser entstehen.

Sein Geld verdiente er anschließend in Karlsruhe bei einem Unternehmen, für das er Intensivkühler und Destillationsapparate baute. Doch Witzmann merkte bald, »dass dieses Akkord-Ding nichts für mich war«. Er kehrte seinem Ausbildungsberuf den Rücken und wechselte in den sozialen Bereich. In den vergangenen sechs Jahren begleitete er behinderte Kinder durch den Schulalltag.

Die Leidenschaft für das Glas hat er währenddessen aber nicht verloren. Zuhause richtete sich Witzmann eine Werkstatt in einem im Garten aufgestellten Bauwagen ein, wo »ich immer auch ein bisschen Kunst gemacht habe«. Mit Ausbruch der Corona-Pandemie fand er dann Zeit, um sich intensiver mit der Glaskunst beschäftigen. So entstanden die Lichtobjekte, die nun in der Gießener Straße 5 nahe des Traumstern-Kinos zu sehen sind. In die Holzrahmen der etwa 40 mal 40 Zentimeter großen Arbeiten hat Witzmann eine LED-Technik verbaut, deren Licht durch die im Vordergrund montierten Glasstäbe strahlt. Fasziniert hat ihn daran etwa der Schattenwurf und wie sich das Erscheinungsbild der Glasobjekte durch die Lampen verändern lässt.

Werkstatt im Bauwagen

Seinen privaten Arbeitsbereich hat er seit 2020 ausgebaut. Mit der Glasbläserwerkstatt zog er in die Garage um, im Bauwagen widmet er sich nun den Holzarbeiten. Das so genutzte Gefährt spendeten übrigens seine Eltern, ein Krankenhaus-Chirurg und die langjährige Besitzerin der legendären Gießener Studentendisco »Scarabee«.

Nebenbei gefragt: Wurde er von den Eltern nicht zum Abitur gedrängt? Witzmann schmunzelt: »Sie hätten’s gern getan, aber ich hab mich widersetzt. Jetzt ärgere ich mich natürlich ein bisschen.« Doch im Endeffekt sei er froh, dass er sich für das Glasbläserhandwerk entschieden hat und »den Weg so gegangen« ist. Denn dabei hat er zwei Dinge miteinander verbunden: das Akkurate, Gradlinige aus dem Apparatebau sowie den Kunstbereich samt selbstgebauter Holzrahmen. »Da habe ich mein Ding gefunden«, sagt Witzmann - und klingt ziemlich zufrieden.

Dennoch will er sich nach seinen Erfahrungen als Kinderbegleiter nun auch zum Erzieher ausbilden lassen, weil ihm der soziale Beruf Spaß macht und »ich mein Leben von der Kunst nicht bestreiten kann. Noch nicht«, wie er anmerkt. Auch wenn er in der Adventszeit eine Ausstellung in der offenen Werkstatt des Licher Galeristen und Künstlers Bodo Klös hatte. »Da hängen noch zwei, drei Arbeiten von mir.«

Doch das ist noch nicht alles: Neben den Lampenobjekten widmet sich Lukas Witzmann auch dem Skateboard-Upcycling. Dabei verwandelt er gebrauchte Bretter in Handyhüllen oder anderes Zubehör und Accessoires. »Diese Sachen gehen gut«, sagt er. »Aber das ist auch ein anderes Preissegment.«

Die Lichtobjekte sind bis Ende Februar in den »Dazwischen«-Fenstern des Vereins kuenst-Lich in der Gießener Straße 5 zu sehen. Zu finden sind sie auch auf Instagram und Facebook unter Lukas Witzmann.

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gikult_glasblaeser101_02_4c © Heiner Schultz
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»Ich habe mein Ding gefunden«, sagt Lukas Witzmann. © Heiner Schultz

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