1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Mehr Personal für Kitas

Erstellt:

giloka_kita_3004_olz_260_4c_1
Bis zum 31. Juli sollen die Kitas die Vorgaben aus dem »Gute-Kita-Gesetz« umsetzen. © Friese

Bis Ende Juli müssen Kindertagesstätten qua Gesetz personell aufgestockt werden. Wie gestaltet sich die Situation in Gießen?

Gießen. Am 31. Juli endet die Übergangsfrist des »Gute-Kita-Gesetzes«. Vorgegebene Personalaufstockungen sollen dann umgesetzt sein. Vor diesem Hintergrund hat sich Kathrin Schmidt mit einer Anfrage an den Magistrat gewandt. »In deutschen Kindertagesstätten besteht ein dramatischer Mangel an ausgebildeten Erziehern, um die Kinder adäquat betreuen zu können«, begründet die Stadtverordnete von der CDU. Ihre Fragen sollten eine Hilfestellung bieten, um die Situation in Gießen beurteilen zu können. »Vor der Umsetzung des ›Gute-Kita-Gesetzes‹ mussten in Gießener Kindertagesstätten mindestens 450 Vollzeitkräfte angestellt gewesen sein, um den Mindestpersonalbedarf zu erfüllen. Tatsächlich waren bis April 2021 etwa 456 Vollzeitkräfte angestellt. Bis zum 31. Juli 2022 müssen mindestens 538 Vollzeitkräfte angestellt sein, um den neuen Mindestpersonalbedarf des ›Gute-Kita-Gesetzes‹ zu erfüllen«, antwortet Stadträtin Gerda Weigel-Greilich mit Blick auf die anstehende Veränderung.

Aufstockungen bis Ende Juli

Seit 1. April des vergangenen Jahres stehe es den Trägern frei, das Personal entsprechend der individuellen Möglichkeiten im Rahmen des »Gute-Kita-Gesetzes« aufzustocken, erklärt die Politikerin von den Grünen. Ausgeglichen würden die Mehrkosten durch die gesetzliche Umsetzungspauschale und Haushaltseigenmittel der Stadt. »Jeder Träger hat versichert, entsprechende Personalaufstockungen bis spätestens Ende Juli anzustreben. Aufgrund der Trägerautonomie und der Trägervielfalt im Stadtgebiet Gießen kann über den aktuellen Fortschritt der Umsetzung keine Auskunft gegeben werden«, führt Weigel-Greilich aus. Die Umsetzungspauschale für die Kindertagesstätten habe im vergangenen Jahr 1 345 800 Euro betragen. »Durch die Umsetzung des ›Gute-Kita-Gesetzes‹ wurde ebenfalls die Grundpauschale pro Kind in Abhängigkeit der Betreuungsart und dem Betreuungsumfang erhöht, woraus sich Mehreinnahmen von 1 042 320 Euro für alle Kindertagesstätten ergeben. Die Mehreinnahmen aus Grund- und Umsetzungspauschale müssen zur Finanzierung der Personalkosten genutzt werden und belaufen sich insgesamt auf 2 388 120 Euro«, verdeutlicht die zuständige Dezernentin. Alle weiteren Fördermittel des Gesetzes verblieben bei den jeweiligen Trägern und würden zweckgebunden eigenständig verwaltet. »Nach Berechnung der Differenz des Ist-Zustandes und den Soll-Vorgaben des ›Gute-Kita-Gesetzes‹ müssen zur vollständigen Umsetzung der Maßnahmen etwa 82 pädagogische Fachkräfte in Vollzeit für die Gießener Kindertagesstätten und Familienzentren eingestellt werden. Die Kosten belaufen sich auf etwa 4 483 268 Euro. Die Differenz, welche die Stadt aus Haushaltseigenmitteln finanzieren muss, beträgt daher 2 095 148 Euro«, erklärt Weigel-Greilich die Finanzierung.

Rechtsanspruch auf Betreuungsplatz

Von Schmidt danach gefragt, ob die Beschlüsse zum Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz erfüllt werden könnten, antwortet die Stadträtin: »Laut der Stichtagserhebung zum 30. September 2021 fehlen rechnerisch 168 U3-Plätze, 219 Kita-Plätze und 59 Plätze in der altersgemischten Betreuung. Der Rechtsanspruch konnte bisher durch temporäre Betreuung oder die Kindertagespflege erfüllt werden.«

Um Mitarbeiter zu gewinnen, nehme das städtische Jugendamt regelmäßig an der Arbeitsgruppe »Runder Tisch Fachkraftgewinnung« teil. »In diesem Zusammenhang wird insbesondere der Austausch zwischen dem Jugendamt, den freien Trägern und den ausbildenden Betrieben (Aliceschule, Justus-Liebig-Universität, Philipps-Universität Marburg) gefördert«, berichtet die Stadträtin. Auch nehme das Amt am »Runden Tisch Kindheitspädagogik« teil, der von der JLU organisiert wird. »Insgesamt sollen auf diese Weise der Blick in die Praxis verbessert und Stellschrauben ermittelt werden, um das Tätigkeitsgebiet attraktiver zu gestalten. Ein Mitglied des Jugendamtes engagiert sich zudem im Beirat der Aliceschule.«

Unter anderem werde auch die praxisintegrierte Ausbildung von der Stadt finanziert, wenn die Finanzierung des Landes nicht greife. »Seit 2022 ermöglicht die Stadt zudem das duale Studium in der Kindheitspädagogik in allen Gießener Kindertagesstätten. Im Rahmen dessen werden Studiengebühren und Vergütungsleistungen über den Zeitraum eines Studiums von sieben Semestern finanziert. Vorteil dieser Förderung ist, dass die Studenten kontinuierlich dreimal wöchentlich in den Einrichtungen tätig sind und im Rahmen dessen Fachkraftstunden laut Hessischem Kinder- und Jugendförderungsgesetz abdecken«, so Weigel-Greilich .

Auch interessant