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Mehr Photovoltaik und Geothermie

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Gießen (red). Gießen hat sich vorgenommen, bis 2035 klimaneutral zu werden. »Allerdings können das Verkehrsnetz und die Gebäude nicht im Hauruckverfahren modernisiert werden«, heißt es seitens des Mietervereins Gießen. »Zudem steht die Klimaneutralität im Widerspruch zu dem Wunsch nach einer lückenlosen Versorgung mit Strom und Wärme«, so der Vorsitzende Stefan Kaisers.

Mittelfristig sollten die Stadtwerke Gießen (SWG) so viel Ökostrom in eigenen Anlagen produzieren, wie in der Stadt verbraucht wird. Zurzeit sei nur der Strom für die Privatkundschaft »Grünstrom«, den man zu 40 Prozent in hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen in Gießen und Umgebung erzeugt. 60 Prozent des »Gießener Grünstroms« werde in Form von zertifiziertem Ökostrom aus Wasserkraftanlagen zugekauft, erinnert der Mieterverein. Der Strombedarf werde in Zukunft weiter steigen - angetrieben von der E-Mobilität und dem Einsatz von Strom zur Wärmeerzeugung. »Ein neues Elektroauto verbraucht in etwa so viel Strom wie ein zusätzlicher Haushalt: 2500 Kilowattstunden im Jahr«, rechnet der Mieterverein vor. Zudem kämen immer öfter Wärmepumpen zum Einsatz, die ebenfalls Strom fressen. Auch dieser Bedarf sollte mit regenerativen Energiequellen gedeckt werden.

»In der Stadt liegt der Fokus auf dem Ausbau der Photovoltaik-Anlagen fürs Dach. Hier geht es allerdings nur langsam voran. Es ist sehr schwierig, Hauseigentümer davon zu überzeugen, eine Photovoltaikanlage aufs Dach zu setzen. Bei Eigentümergemeinschaften braucht es die Zustimmung von jedem Einzelnen. Häufig sind die Hausbesitzer schon älter und haben kein Interesse daran, eine solch große Investition zu stemmen. Und so bleibt der Stadt nichts anderes übrig, als erst einmal die eigenen Gebäude mit Solarpanelen zu bestücken«, sagt der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers.

Der größte Brocken

Oft werde behauptet, dass Photovoltaik-Anlagen in Konkurrenz zur Begrünung von Dächern stünden. Aber dieser Einwand sei nicht zutreffend: »Gießen hat viele Schrägdächer, die lassen sich gar nicht begrünen. Und auf Flachdächern kann man zumindest eine extensive Begrünung empfehlen. Die kann man häufig mit einer Solaranlage kombinieren.« Wärme sei mit Abstand der größte Brocken beim Energieverbrauch. Hier klimaneutral zu werden, sei ungleich schwieriger als beim Strom. Das liege auch daran, dass Wärmeerzeugung so viel Energie verschlingt. »Mehr als 50 Prozent der gesamten Energie, die in Deutschland verbraucht wird, fließt in die Wärmeversorgung. In Privathaushalten machten Heizung und Warmwasser laut Mieterverein rund 90 Prozent des gesamten Verbrauchs aus. Auch der Kältebedarf steige kontinuierlich durch Klimatisierung von Geschäften, Büros und Privaträumen.

Ob die Energiewende glückt oder nicht, hänge also entscheidend davon ab, einerseits Gebäude zu dämmen oder energieeffizient zu bauen und andererseits Wärme klimaschonend zu erzeugen: »Ziel muss es deshalb sein, die Fernwärme zügig klimaneutral zu machen. Die TREA-Anlagen der Stadtwerke sind thermisch arbeitende Kraftwerke, die mit fossilem Brennstoff arbeiten, also nicht klimaneutral.« Auch Biogas, Biomüll und Klärschlamm könnten für die regenerative Energieerzeugung genutzt werden, wie man schon jetzt die Kraft-Wärme-Kopplung für die Wärmeversorgung nutzt. Man werde aber auch andere Wege gehen müssen und das könne vor allem mit Hilfe der Geothermie gelingen, also heißem Thermalwasser aus tieferen Erdschichten, dessen Energie genutzt wird. »Das ist ein mühsames Geschäft. Selbst sehr große Anlagen erreichen nur etwas mehr als zehn Prozent der Leistung eines größeren Kraftwerks. Statt eine Bohrung nach der anderen vorzunehmen, sollten genügend Geld und geeignete Bohrplätze vorhanden sein, um gleichzeitig an mehreren Orten neue Anlagen zu bauen. Parallel dazu muss auch das vorhandene Fernwärmenetz für die Ökowärme fit gemacht werden,« fordert der Mieterverein.

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