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Mehr Verkehrssicherheit gefordert

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Der blassrote »Pfad« auf dem Bürgersteig gibt den Teilnehmern Rätsel auf. Foto: Schäfer © Schäfer

Die Stadtteil-Radtour »Gießen wächst …« führte durch das Quartier Nord-Ost zu neuralgischen Punkten. Dabei ging es vorallem um Verkehrssicherheit.

Gießen. Es geht um fehlende Radwege, Ampelübergänge und dergleichen. Vor vielen Jahren hätte dieser Satz bei manch einem noch Hoffnung erwecken können: »Wenn die Grünen in der Stadt, im Land und im Bund mal mitregieren, dann wird alles anders.« Rainer Stoodt sagt den Satz in diesen Tagen als Bonmot, dabei mit einem Augenzwinkern. Verpackt so seine persönliche Enttäuschung über die grüne Partei, die auf diesen Ebenen bereits länger oder kürzer als Koalitionspartei mitbestimmt. Stoodt sagt das nicht in seiner Funktion als Geschäftsführer der Gesellschaft für soziales Wohnen (GSW), sondern als Anführer der Stadtteil-Radtour »Gießen wächst …«. Problematische Verkehrsknotenpunkte und Mängel der Verkehrsführung im Stadtteil Nord-Ost sollen dabei in Augenschein genommen werden.

Stoodt kann sich immer wieder aufregen, während neuralgische Verkehrsknotenpunkte abgefahren und stets eine Vielzahl von Mängeln der Verkehrsführung für Radfahrer, Fußgänger und ja, sogar auch für Autofahrer aufgezeigt werden.

Lärmemission

In der Grünberger Straße am Abzweig zum Waldstadion: »Vor 50 Jahren ist die Lincolnstraße so ausgebaut worden. Seit fast 30 Jahren sind keine Amis mehr da.« Wer hier von der Lincoln als Auto-, gleichsam Radfahrer nach links in die Grünberger abbiegen wolle, »na viel Spaß!« Ganz deutlich festzustellen ist beim genauen Hinhören, dass die starken Lärmemissionen nicht von den Motoren kommen, sondern Rollgeräusche sind. Kritisiert wird ferner, dass man mit einem Lastenfahrrad oder Kinderanhänger von hier aus nicht ins Anneröder Viertel fahren kann. Problem stellt am Bahnübergang die verwinkelt angebrachte enge Sperre dar. In der Mittermaierstraße werde bei der Kita, die in einer Biegung liegt, Tempo 30 meist nicht eingehalten. Dies bedeute große Gefahr bei der Querung zum gegenüberliegenden Spielplatz.

In der Marshallsiedlung sagt eine Teilnehmerin der Radtour: »Ich bin hierhergezogen wegen der Weitläufigkeit und dem vielen Grün. Doch immer mehr Autoverkehr in dem Quartier stören mich zunehmend. Wieso gibt es hier keine Spielstraße?« Die Infrastruktur für Fußgänger und Radfahrer werde völlig vernachlässigt. »Im Sommer laufen wir im Staub, im Herbst im Matsch und im Winter stapfen wir im Schnee.« Gezeigt wird die Einmündung der Monroestraße in die Rödgener Straße als neuralgischer Punkt. Der Gehweg endet hier, ohne dass es einen gesicherten Überweg über die stark befahrene Rödgener Straße gibt.

Alexander Lang und Marlin Schwarz, den Quartiersmanagern im Eulenkopf, liegt besonders der Heyerweg schwer im Magen. Da gibt es bergan zur Rödgener Straße hin einen Smiley-Detektor, der mit einem Lächeln oder bösem Blick anzeigt, ob die 30-Stundenkilometer-Begrenzung in der Straße eingehalten wird oder nicht.

Spielstraße

Lang wünscht sich den lieber bergab und vor der Kita platziert. Besser jedoch sei es, diese Sackgasse in eine Spielstraße umzuwandeln. Viele nichtmotorisierten Bewohner kauften im nahegelegenen Aldi im Oberlachweg ein. Lang bemängelt, dass es keinen Fußgängerüberweg über die Rudolf-Diesel-Straße gibt. Der Heyerweg endet in südlicher Richtung an der Grünberger Straße und kreuzt die Rödgener Straße. Beim schwierigen, oft stotternden Anfahren steil bergauf auf die Kreuzung käme es nicht selten zu brenzligen Situationen. Es gibt dort zwar stadtauswärts eine Fußgängerampel, nicht jedoch direkt an der Kreuzung. Sicheres Auffahren sei nur gewährleistet, wenn zuvor ein Fußgänger die Überwegampel gedrückt hätte. Auch die direkt hinter der Ampel sich befindliche Bushaltestelle stelle insbesondere für Kinder eine Gefahr dar. Lang wünscht sich hier einen Kreisel, der all diese Probleme lösen könne.

Vor der Pestalozzischule lässt sich auch im Beisein von Polizisten nicht klären, was der blassrote Längsstreifen im Gehweg tatsächlich bedeutet. Ob das ein Radweg ist oder nicht? Ob Benutzungspflicht für Radfahrer oder nicht? Kornelia Steller-Nass, Vorsitzende des »Arbeitskreises für Behinderte«, moniert sowohl fehlendes Blindenleitsystem als auch nicht vorhandenen Behindertenparkplatz. Menschen mit Rollator müssten diesen anheben, um auf den Bürgersteig zu gelangen. Sie fordert, »auch die älteren Mitbürger mitzunehmen.«

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