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Mensch, Tier und Umwelt vereint

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Thomas Mettenleiter © Rüdiger Schäfer

Anlässlich der Promotionsfeier des Fachbereichs Veterinärmedizin der Justus-Liebig-Universität (JLU) wurde Prof. Thomas C. Mettenleiter mit einer Ehrenpromotion ausgezeichnet.

Gießen . Eine mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnete Person wird als Doktor honoris causa (»Doktor ehrenhalber«) bezeichnet. In erster Linie aufgrund hervorragender Verdienste auf wissenschaftlichem Gebiet soll diese Ehrendoktorwürde verliehen werden. Anlässlich der Promotionsfeier des Fachbereichs Veterinärmedizin der Justus-Liebig-Universität (JLU) widerfuhr diese Ehrung Prof. Thomas C. Mettenleiter.

Unipräsident Joybrato Mukherjee sprach in seinem Grußwort den »sozialen Kitt« an, der auch an einer Universität vonnöten sei. Mit dem Ausspruch »die Hoffnung stirbt zuletzt« äußerte er seine Zuversicht, dass die noch bei der Feier getragene Schutzmaske »irgendwann auch gehen wird.« Er persönlich hätte unter den auferlegten Bedingungen »meine Doktorarbeit nicht anfertigen wollen.« Zur Energiekrise: »Ich will hier nicht schwarzmalen.« Doch wir sollten die Lehre daraus ziehen, dass andere im Gegensatz zu uns die Spielregeln nicht einhielten. »In der Pandemie war es normal: Wir gehen auf Distanz, sitzen Zuhause.« Doch wie ethisch sei es jetzt damit: »Die Uni spart und die Studenten Zuhause nicht.« Die Frage sei auch, ob die Universität der kritischen Infrastruktur zugehöre, was bedeute: »Wir werden gegenüber anderen versorgt.« Zur aktuellen Lage im Fachbereich forderte er von der Politik, die Zahl der Tiermedizin-Studienplätze dringend zu erhöhen. »Wir werden mehr Veterinärmediziner in Zukunft brauchen.« Dass die Veterinärmedizin einen Versorgungsauftrag mit einer Aufgabenvielfalt innehabe, die mit besonderen finanziellen Anforderungen einhergehe, sei beim Land Hessen »noch nicht ganz anerkannt.«

Im Bericht des Dekans Stefan Arnhold wurde mit großem Stolz vorgetragen, dass der Fachbereich zur »europäischen Liga«, so Arnhold, der zertifizierten europäischen Bildungsstätten gehöre. Jüngst im Januar seien acht Gutachter aus sieben Ländern zur Vor-Ort-Begutachtung gewesen und hätten den Fokus auf Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung als auch auf ein ausgewogenes Verhältnis von Studenten und Lehrkräfte gelegt. Ab dem Sommersemester sei wieder in Vollpräsenz gelehrt worden. Während der Bau für Kleintiere seit zwei Jahren seiner offiziellen Einweihung noch harre, gebe es derzeit das Bauvorhaben Neubau einer Pferdeklinik mit OP- und Behandlungsräumen. An Drittmitteln seien in 2021 mit 5,1 Millionen Euro 55 Prozent mehr als im Vorjahr ausgegeben worden.

Besondere Auszeichnungen in 2021: Prof. Martin Kramer, Leiter der Klinik für Kleintiere (Chirurgie), wurde im vergangenen Jahr die Ehrendoktorwürde der Nikolaus-Kopernikus-Universität Torun (Polen) verliehen. Dr. Daniela Beate Nürnberger erhielt den Boehringer-Ingelheim Vetmedica Promotionspreis. Prof. Nadine Paßlack wurde der Förderpreis des bpt-Landesverbandes Hessen auf dem Gebiet Kleintiere verliehen. 22 Veterinärmediziner erhielten die Promotionsurkunde zum »Dr. med. vet.«.

Herausragend im »One-Health«-Ansatz

Mettenleiter ist Präsident des Friedrich-Löffler-Institutes (FLI), des Bundesforschungsinstitutes für Tiergesundheit in Greifswald auf der Ostseeinsel Riems. Ihm wurde der Ehrendoktor »in Würdigung seiner herausragenden Dienste für den ›One-Health‹-Ansatz« verliehen. Nach der Verleihung durch den Dekan »durfte« er sogleich den Festvortrag darüber halten: »Die Bedeutung der Veterinärmedizin im ›One Health‹-Konzept«. Dieses Konzept erkennt an, dass die menschliche Gesundheit mit der Gesundheit der Tiere und der Umwelt verbunden ist.

1885 hatte Luis Pasteur den ersten Impfstoff gegen eine zoonotische Erkrankung erfolgreich getestet. Zoonosen sind von Mensch zu Tier und von Tier zu Mensch übertragbare Infektionskrankheiten. 60 Prozent der bekannten Infektionskrankheiten seien zoonotischen Ursprungs und mindestens 75 Prozent der auftretenden kämen aus dem tierischen Reservoir. So sei das Corona-Virus höchstwahrscheinlich von südchinesischen Hufeisennasen-Fledermäusen übertragen worden.

»One Health« könne man als einen »integrierten, vereinenden Ansatz« sehen, der darauf abziele, optimale und nachhaltige Gesundheit von Menschen, Tieren und Ökosystem zu erreichen, so Mettenleiter weiter. »Er erkennt an, dass die Gesundheit von Mensch, Haus- und Wildtieren und der weiteren Umwelt eng miteinander verbunden und voneinander abhängig sind.«

Gemeinsam gegen Bedrohungen

Der Ansatz mobilisiere mehrere Sektoren, Disziplinen und die Bevölkerung auf allen Ebenen der Gesellschaft, um gemeinsam gegen Bedrohungen der Gesundheit und der Ökosysteme vorzugehen und gleichzeitig unseren kollektiven Bedarf an gesunden Lebensmitteln, reinem Wasser, nachhaltig erzeugter Energie und sauberer Luft zu decken, Maßnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen und eine nachhaltige Entwicklung zu fördern.

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Promotionsfeier an der Justus-Liebig-Universität: 22 Veterinärmediziner erhalten die Promotionsurkunde zum Dr. med. vet. Foto: Schäfer © Schäfer

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