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Menschenrechte und Migrationsgesellschaft

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Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die neue Forschungsgruppe »Menschenrechtsdiskurse in der Migrationsgesellschaft« an JLU und Philipps-Universität mit 4,5 Millionen Euro.

Gießen (red). In modernen Migrationsgesellschaften formulieren die einzelnen Gruppierungen ihr Selbstverständnis und ihre Interessen vielfach mit Verweis auf die Menschenrechte. Ausgehend von dieser Annahme will die neue Forschungsgruppe »Menschenrechtsdiskurse in der Migrationsgesellschaft (MeDiMi)«, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in den kommenden vier Jahren zunächst mit rund 4,5 Millionen Euro gefördert wird, die rechtlichen, politischen und alltäglichen Diskurse über Migration und Menschenrechte genauer untersuchen.

Das Ziel der Forschenden ist ein neues Verständnis für die Rolle der Menschenrechte in zeitgenössischen Gesellschaften. Sprecher der Forschungsgruppe ist Prof. Jürgen Bast vom Fachbereich Rechtswissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), seine Stellvertreterin ist Prof. Susanne Buckley-Zistel vom Zentrum für Konfliktforschung der Philipps-Universität Marburg.

Die Wissenschaftler in den zehn Teilprojekten - sieben in Gießen und Marburg, drei weitere in Amsterdam, Frankfurt am Main und Jena - bezeichnen das beschriebene Phänomen als »Vermenschenrechtlichung« und untersuchen es sowohl im juristischen wie auch im politischen und soziokulturellen Handlungskontext. Die Analyse von zehn ausgewählten Untersuchungsfeldern soll ein neues Verständnis der Rolle der Menschenrechte in zeitgenössischen - insbesondere europäischen - Gesellschaften liefern. Zu den beteiligten Disziplinen gehören die Rechtswissenschaft, die Konfliktforschung, die Soziologie, die Kulturwissenschaft, die Erziehungswissenschaft und die Medizin.

»Ich freue mich besonders, dass die DFG mit ihrer Entscheidung die fächerübergreifende Forschung im Bereich Migration und Menschenrechte weiter stärkt, die sich in den letzten Jahren an den Universitäten Gießen und Marburg entwickelt hat«, betont Prof. Bast. Seine Kollegin Prof. Susanne Buckley-Zistel ergänzt: »Am Zentrum für Konfliktforschung freuen wir uns sehr auf die kommenden Jahre, in denen wir unsere erfolgreiche Kooperation mit der JLU zum Thema Migration und Menschenrechte weiter ausbauen können.« Die wachsende Bedeutung der Menschenrechte beim Thema Migration ist im rechtlichen Diskurs besonders augenfällig - insbesondere in der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Das Interesse von MeDiMi gilt aber über das Rechtssystem hinaus ausdrücklich auch anderen professionellen und alltagsweltlichen Kontexten, in denen Angehörige verschiedener Gruppen ihre Erfahrungen als Verletzung von Menschenrechten deuten, ihre Rollenverständnisse und Handlungen an einer Ethik der Menschenrechte ausrichten und ihre moralischen und politischen Forderungen als Ausdruck von universell verbürgten Rechtsansprüchen präsentieren.

»Ich freue mich mit den beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern über dieses DFG-Verbundprojekt, das die hohe Qualität unserer rechts- und sozialwissenschaftlichen Forschung belegt«, betont JLU-Präsident Joybrato Mukherjee. »Gerade in diesen Zeiten der überhitzten gesellschaftlichen Diskurse scheint mir eine rationale Bestandsaufnahme zum Thema Menschenrechte notwendiger denn je.«

Prof. Thomas Nauss, Präsident der Universität Marburg, sagt: »Beide Universitäten arbeiten seit vielen Jahren bereits erfolgreich im Bereich Migration und Menschenrechte zusammen. Ich freue mich sehr, dass die neue Forschungsgruppe diese Kooperation weiter vertieft.«

Der Forschungscampus Mittelhessen (FCMH) hat den Antragsprozess mit Mitteln aus seinen Flexi-Funds unterstützt.

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