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Messerangriff bei »Sport in der City«

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Gießen (bcz). Ein 45-jähriger Algerier musste sich wegen eines Messerangriffs während »Sport in der City« vor der 9. Strafkammer des Landgerichts Gießen verantworten. Allerdings sah das Gericht es als erwiesen an, dass diese Attacke nicht als schwere Körperverletzung zu verurteilen sei, da der Angeklagte zu diesem Zeitpunkt schuldunfähig war. Die Kammer verfügte daher die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik.

Der psychiatrische Gutachter, Dr. Jens Ulferts, hatte zuvor eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert. Daran leidet der Mann schon seit Jahren, lebte vor dem Vorfall in Gießen lange Jahre in einer entsprechenden Einrichtung in den Niederlanden, bevor er eigenmächtig die Medikation absetzte und die Niederlande in Richtung Deutschland verließ. Allerdings, so der Gutachter, sähe der Algerier in den Medikamenten die Ursache seiner Krankheit und nicht umgekehrt.

Auch in der jetzigen Unterbringung gestalte sich die regelmäßige Medikamentengabe als äußerst schwierig, sagte der Gutachter. Während des Prozessverlaufs wirkte der Beschuldigte klar, ansprechbar und entschuldigte sich bei seinem Opfer.

Einen ganz anderen Eindruck hatte er den Polizeibeamten an jenem Sonntag vermittelt, die ihn nach der Tat in Gewahrsam nahmen. Sie berichteten, dass sein Blick leer wie eine Hülle gewesen sei und er dann wiederum plötzlich aggressiv geworden wäre. Zuvor hatte er unvermittelt mit einem 18 Zentimeter langen Küchenmesser auf einen Unbekannten eingestochen und ihn im Nackenbereich getroffen. Nach dem Angriff konnte er von Passanten überwältigt und der Polizei übergeben werden. »Dabei hatte das Opfer noch sehr viel Glück gehabt, dass es dabei zu keinen schwerwiegenderen Verletzungen gekommen ist«, führte der Vorsitzende Richter, Dr. Klaus Bergmann, aus.

Aufgrund der psychotischen Grunderkrankung muss die Medikamentengabe laut Gutachter dauerhaft weitergeführt werden und genau da sah er auch das größte Problem: Aktuell fehle es dem Algerier an der Einsicht, dass es ihm nur durch die Medikamentengabe einigermaßen besser gehe. Wenn er seine Medizin absetzen würde, so wäre eine solche oder ähnliche Tat in einem paranoiden Anfall sehr wahrscheinlich. Daher empfahl er die Unterbringung in einer entsprechenden Klinik. Dies wurde auch von Staatsanwalt Andreas Fischer beantragt. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der 45-Jährige - wenn er nicht kontrolliert werden würde - die Medikamente nicht mehr einnähme und es dann erneut zu einer schwerwiegenden Tat kommen könnte. Sein Verteidiger hatte in seinem Schlussvortrag darauf hingewiesen, dass die Anzahl der Sicherungsverfahren in jüngster Zeit enorm angestiegen sei und stellte daher keinen Abschlussantrag. Dem stimmte Bergmann zwar zu, verdeutlichte aber, dass bei diesem Fall die Anwendung dieser Paragrafen zwingend erforderlich sei. »Sie stellen eine Gefahr für die Allgemeinheit dar und diese muss vor ihnen geschützt werden.«

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