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Milde Strafe für zwei Dealer

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Zwei Algerier verlassen das Amtsgericht Gießen als freie Männer. Die Haftstrafe wegen Drogenhandels von sieben Monate ohne Bewährung war durch die Untersuchungshaft abgegolten.

Gießen. Für zwei Kleindealer ging ihr Prozess vor dem Amtsgericht Gießen glimpflich aus: Sie wurden beide wegen des Besitzes und des gewerbsmäßigen Handels mit Drogen zu sieben Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Da sie jedoch seit Mai in Untersuchungshaft saßen, verließen sie den Gerichtssaal als freie Männer.

Beide stammen aus Algerien und haben hier Asylanträge gestellt, über die jedoch noch nicht entschieden wurde. Der Ältere reiste im März nach Deutschland ein, wohnte in der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung und fiel bereits im März und April durch den Besitz von kleinen Mengen an Hasch auf. Am 25. Mai wurde er von der Polizei beobachtet wie er gegen 18 Uhr jeweils ein Gramm Haschisch am Kirchenplatz an zwei Käufer verkaufte. Da er sich beobachtet fühlte, übergab er ein weiteres Päckchen mit etwa sieben Gramm Haschisch an den zweiten Angeklagten, einem 28-jährigen Algerier, der dieses Päckchen im Gebüsch in der Nähe versteckte. Diese Aktionen wurden von Polizeibeamten beobachtet. Dementsprechend schnell griffen sie zu und nahm alle Beteiligten, die Käufer und die beiden Angeklagten, fest. Der ältere Asylbewerber räumte seine Taten vollumfänglich ein, allerdings bestritt er der Eigentümer des Sieben-Gramm-Päckchens zu sein. Der andere Angeklagte, der seit Februar in Deutschland lebt, gab zu, dass ihm dieses Haschisch gehören würde. Als Motiv für die Taten sah die Staatsanwaltschaft die Aufbesserung des monatlichen Taschengelds an, um damit auch den eigenen Konsum zu finanzieren. Beide gaben zu, dass sie seit langem kiffen würden.

Geständnisse

Bei dem zweiten Täter wurde zudem noch ein Päckchen Kokain im Wert von etwa 50 Euro gefunden, dessen gelegentlichen Konsum er auch zugab. Woher jedoch das Geld für den Drogenkonsum von Haschisch und Kokain herkam, das konnte die Verhandlung nicht klären, da der zweite Angeklagte keinen festen Wohnsitz nachweisen konnte und somit auch über keine legalen Einnahmequellen verfügt. Die Staatsanwältin hatte für den ersten Angeklagten für seine Taten insgesamt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten gefordert. Der zweite Täter war bei der Verkaufsaktion mit involviert. Für ihn plädierte sie für eine Haftstrafe von einem Jahr und einem Monat.

Die beiden Verteidiger beurteilten die Sachlage ein wenig anders. Sie stellten den gewerbsmäßigen Handel und auch die geforderte hohe Haftstrafe in Frage. Philipp Kleiner, Rechtsanwalt des älteren Angeklagten, plädierte für eine Freiheitsstrafe von unter einem Jahr und Kristian Agsten, Verteidiger des zweiten Angeklagten, plädierte für eine zehnmonatige Freiheitsstrafe für seinen Mandanten. Das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Sonja Robe sah den gemeinschaftlichen Handel und Besitz von Drogen als erwiesen an und erließ jeweils eine Gefängnisstrafe von sieben Monaten, die jedoch durch die Untersuchungshaft schon vollständig abgegolten war.

Das Gericht bewertete positiv die Geständnisse der beiden und dass sie bis zu ihrer Verhaftung noch keinen Eintrag im Zentralregister gehabt hätten. Negativ wurde jedoch gesehen, dass die beiden erst relativ kurz in Deutschland gewesen seien und schon straffällig wurden. Von daher konnten ihnen keine positive Sozialprognose erstellt werden. »Es gibt sehr viele Asylbewerber, die nicht durch illegale Geschäfte ihr Taschengeld aufbessern«, betonte Robe.

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