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Millionen für »KI made in Hessen«

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Pflegeroboter wie dieser zeigen eindrucksvoll, welche Möglichkeiten die praktische Anwendung Künstlicher Intelligenz in den verschiedensten Lebensbereichen eröffnet. © Felix Kästle/dpa

Auch JLU und THM profitieren von der Bundesförderung für das hessische KI-Zentrum, mit der unter anderem in Gießen neue Professuren eingerichtet und Projekte unterstützt werden sollen.

Gießen/Wiesbaden . Der Begriff »Künstliche Intelligenz«, kurz KI, weckt bei vielen Menschen gleich die Fantasie. Man denkt sofort an all die Möglichkeiten, die sich durch die praktische Anwendung solcher wissenschaftlicher Erkenntnisse eröffnen. Und die helfen sollen, den Alltag zu erleichtern und Notstände zu lindern - das reicht von intelligenten Häusern, die den Energieverbrauch steuern, über selbstfahrende Autos bis hin zu Robotern in der Pflege oder im Krankenhaus. Derartige Träume blühen auch in Gießen an der Justus-Liebig-Universität (JLU) und der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM). Beide profitieren von den 3,7 Millionen Euro, die das Hessische Zentrum für Künstliche Intelligenz, genannt hessian.AI (AI steht für den englischen Begriff Artificial Intelligence), als Fördermittel vom Bundeswirtschafts- und Klimaschutzministerium eingeworben hat. Das Konzept des KI-Zentrums, zu dem auch die Schaffung von 20 Professuren gehört, wurde von 13 hessischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften gemeinsam erarbeitet.

Transfer in Gesellschaft und Industrie

Die JLU ist mit einer noch einzurichtenden Professur des Fachbereichs 11 (Medizin) beteiligt, wie eine Pressesprecherin auf Nachfrage mitteilt. Der voraussichtliche Name der Professur lautet »Predictive Deep Learning in Medicine and Healthcare«. Hierbei handelt es sich um eine spezielle Methode der Informationsverarbeitung in Medizin und Gesundheitswesen.

An der THM gehört Prof. Michael Guckert vom Fachbereich Mathematik, Naturwissenschaften und Datenverarbeitung sogar zu den Gründungsmitgliedern des KI-Zentrums. Neben den Forschungsaktivitäten - »für uns sicher wieder mit sehr starkem Bezug zu Anwendung« - widme man sich auch dem »Transfer des Themas KI in Gesellschaft und Industrie«. Dabei vertritt man im Besonderen das Thema »Smart Factory«, was übersetzt so viel bedeutet wie »intelligente Fabrik«.

»Wir werden uns aber sicher auch an Studienprogrammen beteiligen und wollen hessian.AI-Angebote für unsere Studierenden zugänglich machen«, äußert sich Guckert gegenüber dieser Zeitung. Ferner erhalte die Technische Hochschule durch die zusätzlichen Mittel einerseits eine wissenschaftliche Mitarbeiterin für die Koordination der Aktivitäten, wie etwa Weiterbildungsangebote oder die Kooperation mit Unternehmen, und zum anderen eine über das KI-Zentrum finanzierte Professur.

Dem Thema Künstliche Intelligenz hatte sich im Frühsommer 2021 auch die THM-Ringvorlesung »Verantwortung Zukunft« gewidmet, bei der die Potenziale aufgezeigt wurden. Dort sprach Prof. Matthias Willems, Präsident der THM, der KI unter anderem die Aufgabe zu, ein Schlüssel zur Bewältigung der Klimakrise zu sein, wie einer Meldung der Hochschule zu entnehmen ist. Michael Guckert hatte bei derselben Veranstaltung die Wichtigkeit betont, dass Computerprogramme ihre Entscheidungen auch erklären. »Wenn das Navi auf der Autobahn sagt, dass ich abfahren soll, will ich wissen, warum.« Gleiches gelte für einen Kardiologen, der wissen müsse, auf welcher Grundlage eine KI aus Daten des Elektrokardiogramms (EKG) eine bestimmte Diagnose ableite.

Plattform für Gründer und Startups

Das Land Hessen fördert Aufbau und Betrieb des hochschulübergreifenden KI-Zentrums für eine zunächst fünfjährige Laufzeit mit insgesamt 38 Millionen Euro. »Die führende Rolle Hessens im Bereich der KI-Spitzenforschung und die Bündelung der Expertise im KI-Zentrum ist eine ideale Ausgangssituation, um daraus innovative und erfolgreiche Lösungen und Produkte zu schaffen«, zeigt sich Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir in einer Mitteilung überzeugt. Auch Wissenschaftsministerin Angela Dorn sieht Hessen »mit der Einrichtung und Förderung des KI-Zentrums auf dem richtigen Weg«. Während Digitalministerin Prof. Kristina Sinemus »›KI made in Hessen‹ zu einer starken Marke für KI-Innovationen mit Verantwortung« ausbauen möchte.

Mit »AI Startup Rising« soll in Hessen zudem eine Plattform für Unternehmensgründungen entstehen, die von der Spitzenforschung auf diesem Gebiet ausgehen. Ausgewählte Projekte und Startups erhalten demnach eine intensive und auf ihren individuellen Bedarf abgestimmte Unterstützung über den gesamten Gründungs- und Wachstumsprozess. Dabei soll eng mit potenziellen Anwendern aus Wirtschaft und Gesellschaft zusammengearbeitet werden. Die Startups wiederum würden Talente, Investoren und Unternehmen anziehen. «›AI Startup Rising‹ wird durch die erfolgreiche Translation von Forschung in Anwendungen dazu beitragen, die wirtschaftliche Verwertung von Forschungsergebnissen zu erhöhen und das hessische Startup- und Innovationsökosystem nachhaltig zu stärken«, betont Tarek Al-Wazir. Die jetzige Förderzusage des Bundeswirtschaftsministeriums belege daher, dass »auch die Bundesebene das enorme Potenzial des Standorts und die Einzigartigkeit des hessischen KI-Zentrums erkennt und unterstützt«.

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