1. Startseite
  2. Stadt Gießen

»Mir hat Hitler nicht gefallen«

Erstellt:

giloka_0406_annefrankDSC_4c
Aufmerksame und neugierige Zuschauer: Clarissa Corréa da Silva beantwortete nach der Preview »Triff ... Anne Frank« gerne Fragen der Grundschüler. Foto: Zielinski © Zielinski

Das KiKa-Geschichtsformat »Triff ....« hat Premiere vor Viertklässlern der Kirschbergschule in Reiskirchen. Die Zusammenarbeit kam über die Arbeitsstelle Holocaust-Literatur der JLU Gießen zustande.

Gießen/Reiskirchen . »Ihr seid die Allerersten, die den Film sehen dürfen«, erklärte Clarissa Corréa da Silva den 43 Viertklässlern der Kirschbergschule. Die bekannte KiKA-Moderatorin war mit ihrem Team in die Reiskirchener Grundschule gekommen, um eine neue Episode des Geschichtsformats »Triff…" des Kinderkanals vorzustellen, in dem es dieses Mal um Anne Frank geht. Die Episode ist in enger Zusammenarbeit mit Prof. Sascha Feuchert von der Arbeitsstelle Holocaust-Literatur an der Justus-Liebig-Universität entstanden. Er begleitet auch den ambitionierten Versuch, das Thema Anne Frank bereits Schülerinnen und Schülern ab der vierten Klasse zu erschließen. »Normalerweise wird das Thema Antisemitismus erst in der achten oder neunten Klasse behandelt«, wusste der verantwortliche Redakteur Dr. Matthias Huff. Kinder ab der vierten Klasse verfügten in der Regel aber bereits über fragmentarisches Wissen und die charismatische Anne Frank biete einen tauglichen Zugang zur Erschließung dieser Zielgruppe.

Entstanden ist der Kontakt zur Kirschbergschule über Hannah Brahm, die ihr Referendariat in Reiskirchen absolviert hat und nun beim Literarischen Zentrum in Gießen tätig ist. Der Preview mit den Viertklässlern sollte zeigen, wie diese auf den Film reagieren.

Mucksmäuschen still war es im Klassenzimmer, als Moderatorin Clarissa Corréa da Silva die Grundschullehrerinnen Christiane Schnieder und Tanja Müller-Schlösser mit ihren Schülern auf eine Zeitreise mit in das Dritte Reich nahm. Sie erlebten mit, wie Anne Frank (gespielt von Katharina Kron) an ihrem 13. Geburtstag ihr berühmtes Tagebuch bekommt, das ihr Vater nach ihrem Tod 1947 veröffentlichen ließ. Die Großaufnahme einer Jacke mit Davidstern kündigte im Film bereits das bevorstehende Unheil an.

Tauglicher Zugang

»Könnt Ihr Euch vorstellen, Euer Haus von heute auf morgen verlassen zu müssen? Was würdet ihr mitnehmen?«, lautet eine Frage, die der Film den Kindern stellt. Auch wichtige Sätze aus dem Tagebuch, wie »ich fühle mich wie ein Singvogel, dem die Flügel abgerissen wurden«, werden zitiert. Wichtige Szenen aus dem Buch werden nachgestellt. So erleben die jungen Zuschauer beispielsweise, wie sich die 1929 geborene Anne Frank gemeinsam mit ihrer Familie und weiteren Personen über zwei Jahre lang in einem Amsterdamer Hinterhaus versteckt hält und kurz vor Kriegsende entdeckt wird. Auch, dass sie gemeinsam mit ihrer Schwester in das Konzentrationslager Bergen-Belsen gebracht wird und dort stirbt, wird thematisiert.

Die Grundschulkinder lernen Anne Frank aber auch als leidenschaftliche Schriftstellerin und normalen Teenager kennen. Ein Interview mit einer ihrer besten Freundinnen, der heute 93-jährigen Jacqueline von Maarsen, ist ebenso in den Film integriert wie ein Besuch im Anne-Frank-Haus und dem neuerrichteten Holocaust Namenmonument in Amsterdam. Animationen vervollständigen in der gut gemachten, kindgerechten Dokumentation Spielszenen und Reportagen.

Klarer Fall, dass es am Ende eifrigen Applaus gab und die einhellige Kritik »Gut« lautete. Von der Möglichkeit Fragen zu stellen, wurde danach reichlich Gebrauch gemacht. »Mir hat Hitler nicht gefallen«, sagte ein Junge. Ein anderer wollte wissen: »Sind die Nazis ein Volk?«

Vielen lag auch das Schicksal von Anne Franks Vater Otto Heinrich - dem einzigen Überlebenden der Familie - sehr am Herzen. »Hatte er danach Schäden?«, »Wie alt ist er geworden?« oder »Ist er am Alleinsein gestorben?« lauteten die Fragen. Auch ob man die Leiche von Anne Frank gefunden und ob sie außer dem Tagebuch weitere wertvolle Dinge besessen habe, interessierte die Schüler(innen).

»Mit 15 Jahren hat man ja noch nicht einmal das halbe Leben hinter sich«, bedauerte ein Mädchen im Hinblick auf das Alter, in dem Anne Frank starb. Im Anschluss konnte sich Clarissa Corréa da Silva vor Autogrammanfragen kaum retten.

Die Dokumentation »Triff … Anne Frank« wird anlässlich des bundesweiten Aktionstages gegen Antisemitismus und Rassismus zu Anne Franks Geburtstag am 12. Juni um 19.25 Uhr auf KiKA ausgestrahlt. Begleitend zur Ausstrahlung werden die Mitarbeiter(innen) der Arbeitsstelle Holocaustliteratur dem jungen Publikum in einem Chat auf kika.de zur Verfügung stehen. Die in der Verantwortung von Prof. Dr. Sascha Feuchert entstandenen Unterrichtsmaterialien zum Film sollen in den Klassen vier bis sechs zum Einsatz kommen.

Darüber hinaus gibt es auf kika.de unter anderem ein langes Interview mit einer weiteren Freundin Anne Franks, der 93-jährigen Hannah Pick-Goslar, die heute in Jerusalem lebt, sowie einen Rundgang durch die Anne-Frank-Ausstellung in der Bildungsstätte Anne-Frank in Frankfurt/Main.

Auch interessant