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Mit Beharrlichkeit zum Ziel

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Nach acht Jahren ist es soweit: Hamdiye Yenigün in ihrem Friseursalon. Über die Eröffnung freut sich mit ihr Bruder Bari. © Spannagel

Hamdiye Yenigün eröffnet einen Friseursalon am Uniklinikum Gießen. Neben den Haarschnitten kümmert sie sich dort auch darum, Krebspatienten mit Perücken zu versorgen.

Gießen. Nach langem Hin und Her hat Hamdiye Yenigün nun zu ihrer großen Freude den Friseursalon »Haartist« im Untergeschoss des Gebäudes Seltersberg B (Gaffkystraße 5) des Universitätsklinikums eröffnet. Die Besonderheit: Neben Haarschnitten wird sie dort auch die Versorgung von Krebspatienten mit Perücken gewährleisten. Familie, Freunde und Mitarbeiter des Klinikums sind erschienen, um den Weg der kurdischstämmigen Frau, die auch an der Rezeption des UKGM arbeitet, Revue passieren zu lassen.

Acht Jahre ist es her, dass Hamdiye Yenigün in einem Gespräch mit dem UKGM-Pressesprecher Frank Steibli die Idee äußerte, dass sie diejenige sein will, die der Klinik fehlende Friseurdienstleistungen zur Verfügung stellt. Es folgten das Schmieden von Plänen, Überzeugungsarbeit bei der Geschäftsleitung und ein echtes Geduldsspiel. Fast jedes Jahr habe sie einen neuen Vorstoß gewagt, erinnert sich Steibli, der Hamdiye Yenigün als »charmant, sozialkompetent und selbstsicher im Umgang selbst mit diskussionsfreudigen Krankenhausbesuchern« beschreibt. Eine Beschreibung ihres Charakters, die auch ihr ehemaliger Lehrer und Ex-Leiter der Aliceschule, Karl Heinz-Bremer, unterstreicht. Er bezeugt ihr zudem einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und soziales Engagement. Nicht zuletzt zeichne sie sich durch Beharrlichkeit aus, eine Einschätzung, die auch in der Familie Yenigün geteilt wird. Ihr Bruder Dr. Mesut Yenigün, der bis 2020 als Neurologie-Oberarzt am UKGM tätig war, pflichtet bei: »Sie ist eine Macherin, eine Bestimmerin, eine Managerin.« Dass seine Schwester den Friseursalon, den sie unbedingt haben wollte, bekommt, daran hat er keinen Zweifel gehabt. Neben ihm sind noch die Eltern sowie sieben ihrer neun Geschwister zu Eröffnung angereist.

Durch ihre Zielstrebigkeit sowie dem Umstand, dass im letzten Jahr passende Räume freigeworden sind, für die es sonst keine Nutzung gegeben hat, war es nun endlich soweit: »Mein Traum ist in Erfüllung gegangen«, lässt Hamdiye Yenigün ihre Gäste wissen. Da sie bei der Realisation des Projekts viel Unterstützung erhalten hat, bedankt sie sich bei ihrer Familie, ihren Freunden sowie der Geschäftsleitung des UKGM. Sie hofft zudem auf eine gute Zusammenarbeit mit dem Team der Onkologi. Ihre Stelle an der Rezeption möchte sie nicht ganz aufgeben. »Mindestens einmal die Woche« will Yenigün dort weiterhin tätig sein. Bereits seit ihrer 2012 abgeschlossenen Friseurausbildung und danach folgenden Tätigkeit in dem Beruf ist das Uniklinikum ihr zweites Standbein. Nun vereint sie beides miteinander.

Erfreut zeigte sich auch der stellvertretend für die UKGM-Geschäftsführung anwesende Daniel Buelteman. »Es ist eine beidseitige Bereicherung«, folgert er. Insbesondere im Bereich Onkologie habe das Klinikum durch den Friseursalon an Attraktivität gewonnen. Yenigün bietet darin übliche Friseurdienstleistungen sowie spezielle und individuelle Versorgung und Beratung der Onkologie-Patienten in einem eigens eingerichteten Raum mit passenden Perücken aus Echt- und Kunsthaar an. Diese werden von den Krankenkassen bezahlt, »die Bürokratie erledige ich«, so die Friseurin. Sie erläutert, dass Onkologie-Patienten sich oft unwohl fühlen, wenn sie »durch die ganze Stadt laufen müssen«. Das Zweithaarstudio am Seltersberg ist somit ein Glücksfall.

Letztendlich ist der Salon für alle zugänglich. Zwei bis drei Mitarbeiter möchte Yenigünkünftig beschäftigen.

Geöffnet sind die Türen montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie jeden zweiten Samstag (beginnend am 30. April) von 8 bis 14 Uhr. In Kürze sind Infos unter www.h-artist.de abrufbar. Termine können bereits jetzt unter der Rufnummer 0641/ 49414284 vereinbart werden.

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