Mit der "Biene" aus Gießen unterwegs

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GIESSEN - (hh). Für ihre Größe macht die "Biene" einen gehörigen Lärm. Dabei ist das Rollermobil mit seinen acht Pferdestärken jedoch eher gemächlich unterwegs. Und selbst für Fahrgäste ist bei dem schmalen Zweisitzer nur wenig Platz. Bernd Paul aber scheint ganz vernarrt in das dreirädrige Vespacar zu sein. "Die Ape besitzt eine hohe Wendigkeit und eine hohe Funktionalität", schwärmt der Präsident des Polizeipräsidiums Mittelhessen.

Einsatzbereit sei das Gefährt in kleinen Ortschaften oder in Messehallen. Für die Verbrecherjagd allerdings ist die Ape des italienischen Herstellers Piaggio nicht geeignet. Denn der Tank fasst lediglich zehn Liter und muss spätestens nach 200 Kilometern wieder aufgefüllt werden. Zudem ist bei 45 Stundenkilometern bereits die Höchstgeschwindigkeit erreicht. Da hilft das blau-silberne Polizeidesign ebensowenig wie das putzige Martinshorn.

Aber die Ape - italienisch für Biene - soll ohnehin vor allem "für Präventionszwecke und zur Nachwuchsgewinnung eingesetzt werden", betont Gießens oberster Polizeibeamter bei der Vorstellung. Und fügt hinzu: "Ich finde sie einfach knuddelig." Mit ihrem "eigenwilligen und sympathischen Charakter" sowie dem "modernen Design" soll das Kleinfahrzeug sowohl ältere als auch jüngere Menschen ansprechen und ein Blickfang sein. Denn die Strafverfolger möchten dank des auffälligen Beratermobils mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen. Egal ob es um den Schutz vor Einbrüchen, betrügerischen Anrufen oder um die beruflichen Möglichkeiten bei den Gesetzeshütern geht.

"Nützlicher Stauraum"

Die Idee für den Erwerb der Ape hatte Claudia Zanke. "Wir haben nach etwas gesucht, mit dem wir flexibel reagieren können", erzählt die kriminalpolizeiliche Beraterin. Schnell sei das "Bienchen" ausgewählt und für rund
13 000 Euro angeschafft worden. Anschließend musste dem ursprünglich blauen Fahrzeug noch die "Polizeiaufmachung" verpasst werden. Das habe eine Spezialfirma in Brandenburg übernommen. Obendrein sei der Aufbau so konzipiert worden, "dass nützlicher Stauraum zur Verfügung steht". In zwei großen Schubladen können reichlich Flyer und andere Unterlagen transportiert werden. Zudem gibt es einen Ausziehtisch und zwei Flügeltüren, die sich nach oben öffnen lassen und bei Beratungsgesprächen auch noch vor Regen schützen. Angesichts der Kontaktbeschränkungen durch Covid-19 ist allerdings unklar, wann das Beratermobil erstmals eingesetzt wird.

Tatkräftige Unterstützung bei der Umsetzung leistete Frank Häuser, der in der Abteilung Zentrale Dienste für das Fahrzeugwesen zuständig ist. "Die Ape hat kein Lenkrad" schildert er und gewährt gern einen Blick ins Innere. Vielmehr packt der Fahrer einen Lenker wie bei einem Roller. Mit der linken Hand wird die Kupplung bedient, um sich durch die vier Gänge zu schalten. Und rechts kann die Geschwindigkeit gesteuert werden.

Dass das Kleinfahrzeug gut ankommt, hat Häuser bereits bei der Premierenfahrt zur Tankstelle feststellen können. Dort hatte gerade eine Einheit der Bundeswehr Station gemacht. "Die drei Busse entleerten sich sofort, und es wurden eifrig Fotos geschossen", berichtet der Beamte. Auch bei der Fahrt durch die Innenstadt sei die Ape ein beliebtes Motiv gewesen - auf der Autobahn darf die laute Kleine nämlich nicht fahren.

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