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Mit Erwin von Istanbul ans Nordkap

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Von: Rüdiger Schäfer

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Überraschung am Nordkap: Zum rot-weißen Bulli aus Paderborn gesellt sich ein grüner, mit dem ein Ehepaar aus Pforzheim unterwegs war. Repro: Schäfer © Rüdiger Schäfer

Gießen. Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen, sagt ein altes Sprichwort. Insbesondere, wenn die Reise extra dafür geplant war, um danach darüber zu berichten. Marketing- und Kommunikationsexperte Markus Pfeffer begrüßte im Nutzfahrzeuge-Zentrum von Autohaus Michel in der Automeile überschwänglich die Besucher: »Sie sind endlich wieder da.

« Denn es war die erste Kundenveranstaltung seit 2019, die nicht virtuell stattfand. Eingeladen waren die VW-Kunden zu einem »Kinoabend« mit dem Titel »Das große Bulli-Abenteuer - von Istanbul ans Nordkap«.

In einer zweistündigen Live-Multivisionsshow, die mit Dias, Filmsequenzen, Musik und vielen Aufnahmen einer Drohne Dynamik, Facettenreichtum und Emotionen in seinen Vortrag brachten, begeisterte Peter Gebhard die Zuschauer mit spannenden Eindrücken von seiner Fahrt mit einem Oldtimer, einem VW-Kleinbus. 1948 wurde der erste Prototyp dieses berühmten Fahrzeugs gebaut. Der VW-Transporter war nach dem Käfer das zweite Auto für Zivilisten der Marke Volkswagen. Später wurde er als »Bulli« bekannt, obwohl das lange nicht der offizielle Name war.

Seit 25 Jahren zählt Gebhard als Profifotograf und Buchautor zu den renommiertesten Geschichtenerzählern in Deutschland. 13 Bücher hat er in diesen Jahren geschrieben. Im März 2015 habe er endlich seinen langersehnten Oldtimer gefunden, einen aus Brasilien importierten T1-Bulli des Baujahres 1974. Mit diesem Vehikel unternahm er mehrere Reisen quer durch ganz Europa. So von Lissabon über die Alpen nach Lappland, fuhr mit ihm 10 000 Kilometer durch Island. Doch seine erste Reise hatte ihn 2015 nach Istanbul geführt. »Istanbul ist eine offene Weltstadt wie New York. Doch die Gegensätze sind krass«, so der Erzähler.

Mit seinem 44 PS starken kultigen T1-Bulli, den er fortan Erwin nannte, wagte er sich auf eine 15 000 Kilometer langen Tour durch 15 Länder bis ans Nordkap. Von Istanbul kämpfte er sich mit seinem rot-weißen Gefährt(en) trotz einiger Pannen tapfer durch den gesamten Balkan und schaffte die wildesten Bergpisten in Albanien und Montenegro.

»An der kroatischen Küste hinter Rijeka machte die Lichtmaschine schlapp«, erzählte er. In der Not sei plötzlich ein Kroate namens Tonci mit seinem alten Käfer aufgetaucht. Eigentlich habe der nur seine beiden Kinder von der Schule abholen wollen. »Dank seines eigenen Käfers kannte der sympathische Kroate einen Oldtimer-Schrauber, der nur zwei Dörfer entfernt wohnte.« Im hintersten Winkel seiner Garage hatte der Mechaniker sogar eine gebrauchte Lichtmaschine auf Lager und diese innerhalb eines Tages eingebaut. Zudem wurde der Bulli gründlich durchgecheckt und wieder flottgemacht. »Ein göttliches Zeichen, dass der Schrauber auch Erwin hieß«, so Gebhard schmunzelnd.

Weitere wunderbare Geschichten trugen zur Kurzweil bei. Immer wieder war die herzliche Gastfreundlichkeit in den unterschiedlichen Ländern dokumentiert. Die brenzligste Situation habe es an der schwedisch-norwegischen Grenze gegeben, als er dubiosen Alkoholschmugglern begegnet sei. »Nichts wie weg«, habe es da geheißen. Dann die letzte Etappe, eine einsame lange Fahrt bis zum Nordkap. Doch dort habe eine unglaubliche Überraschung auf ihn gewartet: Ein grüner Bulli mit einem Pforzheimer Ehepaar habe dort scheinbar auf seinen rot-weißen aus Paderborn gewartet. »Ein unvergesslicher Moment war das«, so Gebhard.

Gießen war für ihn nur eine Zwischenstation von vielen Auftritten, die ihn in den nächsten Monaten durch ganz Deutschland führen. Viel zu erzählen hat er dabei von seinen diversen Reisen bis 2015 ohne und danach mit seinem Erwin.

Auch in Gießen konnten seine zahlreichen Bücher käuflich erworben werden - daneben auch der neue Bulli-Kalender 2023 sowie Bulli-Shirts »Erwin« in allen Größen von S bis XXXL.

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