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Mit Freude anderen Freude bereiten

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Von: Julian Spannagel

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An der »Packstraße« für Schulranzen hat Ella Elmshäuser ihren Platz gefunden. Foto: Spannagel © Spannagel

Die 83-jährige Ella Elmshäuser ist seit 18 Jahren ehrenamtliche bei GAiN engagiert. Von Bellnhausen kommt sie einmal in der Woche nach Gießen, um Schulranzen für bedürftige Kinder zu packen.

Gießen. Sie strahlt, wenn sie davon erzählt, anderen Menschen helfen zu können. Und sie ist glücklich darüber, einer sinnstiftenden Tätigkeit nachzugehen. Jeden Dienstag hilft Ella Elmshäuser bei GAiN mit - seit 18 Jahren. Die 83-Jährige packt Schulranzen für Kindern in Ländern, die von der christlichen Hilfsorganisation unterstützt werden. Freude bereitet ihr vor allem die Vorstellung, wenn ein Kind mit strahlenden Augen die Plüschtiere entdeckt, die sich stets ganz oben im Ranzen befinden.

Bereits 2003 startete die Schulranzenaktion des in Gießen ansässigen »Global Aid Network«. »Jeder hat so seinen Stammplatz. Eben da, wo er fit drin ist und Erfahrung hat«, erklärt die Seniorin im Gespräch mit dem Anzeiger. Für sie ist das die Packstraße für Schulranzen. »Ich kann mich am Tisch abstützen, wenn ich die Ranzen packe«, so Elmshäuser. Behutsamen Schrittes bewegt sie sich entlang der mit Handlungsanweisungen beschrifteten Tischreihe und füllt allmählich eine Schultasche. Die ist in Rosa gehalten und für ein Mädchen bestimmt.

An der Wand lehnt eine Krücke, mit deren Hilfe sie sich sonst fortbewegt. Mit dem Auto kommt Ella Elmshäuser von Bellnhausen in der Gemeinde Frohnhausen ins Schiffenberger Tal, wo das »Mitmach-Hilfswerk« ein Lager hat. Nur drei gesundheitsbedingte Aussetzer haben in all den Jahren ihr Kommen verhindert. Beinverletzungen haben sie in den vergangenen beiden Jahren außer Gefecht gesetzt. Vor Kurzem hat die Seniorin zudem eine Corona-Infektion überstanden. Bald wird sie 84, »wenn es klappt«.

Auch neben der Sortierarbeit engagiert sich Ella Elmshäuser, damit der Hilfsgüternachschub gewährleistet ist. Beim Gottesdienst hat sie zum Beispiel eine Kollekte für die Schulranzen angeregt. Und nach einer Anfrage an die Schule in Frohnhausen kamen sechs Säcke mit Kuscheltieren zustande. Zur wöchentlichen Anreise in die Stadt werden öfter auch Fahrgemeinschaften gebildet, mit mal mehr, mal weniger Teilnehmern. Aber immer sind eine Menge unterschiedlicher gespendeter Dinge mit dabei. Privat setzt sich die 83-Jährige ebenfalls für die gute Sache ein. So hat sie sich etwa zu einem ihrer Geburtstage Seife schenken lassen, als die im Lager gefehlt habe.

Alles Mögliche wird in so einen Ranzen gesteckt, der von Gießen aus in die große, weite Welt reist - unter anderem Mäppchen, Hefte und Schreibutensilien. Ja, und ganz zum Schluss natürlich noch ein oder zwei Plüschtiere. »Denn die Freude, die wir geben, kehrt ins eigene Herz zurück«, zitiert Ella Elmshäuser die Schriftstellerin, Pädagogin und Frauenrechtlerin Marie Calm. Zeitweilig aufgrund ihrer Verletzung in ihrer Mobilität eingeschränkt, hat sie überwiegend im Sitzen gearbeitet und beispielsweise Kugelschreiber in Gummipacken gebündelt.

Und wie ist sie überhaupt dazu gekommen, sich für GAiN ehrenamtlich zu engagieren? Anfang der 2000er Jahre lebte Ella Elmshäuser allein auf ihrem Hof, nachdem ihr Sohn von Landwirt auf Erzieher umgeschult hat und weggezogen ist. Ihr Mann starb bereits, als sie 46 war. Und so ergab es sich, dass Platz im Kuhstall genutzt werden konnte, als GAiN seinerzeit ein Lager sucht. Obendrein fand die Packtätigkeit für die Aktion »Weihnachten im Schuhkarton« in ihrem Wohnzimmer statt - insgesamt 15 Jahre lang.

Mittlerweile ist sie nicht mehr allein. Der damals ausgezogene Sohn, eines von vier Kindern, ist zurückgekehrt. Aber auch die Menschen bei GAiN verschaffen ihr ein Gemeinschaftgefühl. »Die Gruppe hier ist erbauend und schön. Wir frühstücken miteinander, es bringt jeder ein bisschen was mit«, schildert Elmshäuser. »Es sind immer mal neue Leute dabei«, die den regelmäßig helfenden »harten Kern« verstärken. Neben der Geselligkeit tue ihr die Arbeit gut. »Die baut mich auf«, betont die 83-Jährige.

Nicht zu vergessen das schöne Ergebnis ihrer Arbeit. So richtet GAiN auch die Häuser armer Familien her. In Videoaufnahmen sieht Ella Elmshäuser dann, »wie die Menschen sprachlos sind, wie ihnen die Tränen kommen, wie sie überrascht sind«. Ihr gefällt es, helfen zu können und Gutes zu tun. Als sie einmal ein Video von einem Hilfseinsatz anschaute, stellte sie erfreut fest: »Da hängt ja die Uhr, die ich mitgebracht habe.« Auch abseits ihres Engagements für GAiN bleibt die Rentnerin noch aktiv: Sie arbeitet im Garten und führt ihren Haushalt selbst. Zwischenzeitlich hat sie sich zur Lektorin ausbilden lassen - wodurch sie wiederum berechtigt ist, Gottesdienste abzuhalten.

Das »Global Aid Network (GAiN) geht auf eine Initiative von Gießener Studenten zurück, die 1990 die »Aktion Hungerwinter« starteten, um die Not in Russland zu lindern. Von Anfang an mit dabei Klaus Dewald und seine Frau Claudia. Das Hilfswerk freut sich über ehrenamtliche Mitarbeiter, die beim Schreiben, Übersetzen, Telefonieren, Recherchieren, Schulranzen packen, Kleidung sortieren, Lkw beladen und vielem mehr helfen.

Alle Infos im Netz unter www.gain-germany.org.

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