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Mit Gift nicht nur Tauben getötet

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Auf dem Schotterstreifen zwischen den Parkhäusern an der Lahnstraße haben Unbekannte Rattengift unters Taubenfutter gemischt. Aber auch andere Tiere sind verendet. © Columba Livia

Zwischen den Parkhäusern an der Gießener Lahnstraße haben Unbekannte Rattengift unters Taubenfutter gemischt. Verendet sind aber nicht nur die gurrenden Flieger.

Gießen . Regelmäßig kommt es vor, dass Tierquäler Giftköder oder Rasierklingen in Wurststücken entlang rege frequentierter Wegstrecken verteilen, um damit vor allem Hunden zu schaden. Diesmal hatten es Unbekannte in Bahnhofsnähe offenbar auf Tauben abgesehen. Die gurrenden Flieger haben oft nicht den besten Ruf, insbesondere aufgrund ihrer Hinterlassenschaften. An einigen Stellen, zuletzt etwa verstärkt in der Brandgasse, werden sie durch absichtlich hingeworfenes Futter allerdings auch geradezu angelockt - zum Ärger von Anwohnern.

Aktuell ist nun wohl auf dem Schotterstreifen zwischen den beiden Parkhäusern an der Lahnstraße Giftweizen gestreut worden. Dabei handele es sich um Rattengift, bestätigt das städtische Ordnungsamt, das sich ebenso mit dem Fall beschäftigt wie die Polizei. »Das Rattengift ist entgegen der einschlägigen Bestimmungen der Schädlingsbekämpfungsverordnung ausgelegt worden. Solche Giftköder dürfen im Freien jedoch nicht unbedeckt und ungesichert ausgelegt werden«, erklärt Stadtsprecherin Claudia Boje auf Anfrage des Anzeigers. Und fügt hinzu: »Wir sind gerade dabei, die jeweiligen Grundstückseigentümer zu kontaktieren und sie zur Beseitigung aufzufordern.« Es werde eine Frist bis Donnerstagnachmittag gegeben. »Am Freitag werden wir nachkontrollieren und dann bei Bedarf im Zuge der unmittelbaren Ausführung tätig.« Da Taubenfutter für die giftige Mixtur verwendet worden sei, geht Dr. Silvia Kepsch, Vorsitzende des Vereins »Columba Livia - Stadttaubeninitiative Mittelhessen«, davon aus, dass gezielt Tauben getötet werden sollten. Erwischt hat es obendrein Ratten, Amseln und Kaninchen, die zum Teil schon von Raubtieren angefressen worden seien. Der Hund der Frau, die am Sonntag die verendeten Tiere und die Giftspuren entdeckt hat, habe gerade noch rechtzeitig am Verzehr gehindert werden können, betont Kepsch und warnt vor den »Gefahren für Dritte«. Denn es hätte »deutlich mehr passieren können«.

Zudem weist die Vorsitzende darauf hin, dass Stadttauben »nicht per se Schädlinge sind«. Sie zu vergiften, verstoße daher gegen das Tierschutzgesetz - unabhängig davon, dass dies »eine der grausamsten Arten der Tötung überhaupt« sei. Die Stadttaubeninitiative verurteilt diese »Selbstjustiz«, um sich eines Problems mit Tauben oder anderen Tieren zu entledigen. Mithilfe von betreuten Taubenschlägen gebe es einen effizienten Weg, das Zusammenleben von Mensch und Taube in der Stadt zu verbessern und eine art- sowie tierschutzgerechte Versorgung zu gewährleisten. Meist höre dann auch das wilde Füttern auf. Wer an solchen Lösungen interessiert sei oder einen Ansprechpartner suche, könne sich gerne melden.

Telefon: 01578/1874440, E-Mail: info@columba-livia.de, www.columba-livia.de.

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