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Mit Pinsel, Spachtel, Block und Stift

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Der neunjährige Jorik war vorsichtig, aber voller Eifer mit dabei. Thomas Roemer notiert den Fund in Nistkasten Nr. 89. Foto: Jung © Jung

Mitglieder des Nabu Rödgen waren zur Nistkasten-Reinigung in der Gemarkung um den Gießener Stadtteil unterwegs. Dabei wurden Siebenschläfer und ein Hornissennest entdeckt.

Gießen. Es war noch dunstig über den Feldern, als sich ein Dutzend Frauen und Männer von der Nabu-Gruppe Rödgen auf den Weg machten, um eine Arbeit zu erledigen, die immer im Herbst ansteht: Das Reinigen der - insgesamt 200 - Nistkästen in der Gemarkung.

»Dass zwei Kinder dabei waren, freut uns besonders«, sagte Thomas Roemer vom Vorstand des Nabu Rödgen. Nicht dabei sein konnte die neue Vorsitzende Ursula Seipp, was sie sehr bedauerte. In den Gemarkungsteilen Udersberg, Altenfeld und am Bergwald hängen die Kästen, alle mit einer blauen Nummer versehen. Wie findet man die eigentlich in der weitläufigen Gemarkung? Die Natur- und Vogelschützer haben sich Pläne aus dem Netz gezogen und dann die Kästen eingetragen.

Es sei immer gut, dass junge Menschen wie Jorik (9 Jahre) dabei sind, weil der Wald nicht immer so ideal zu begehen ist und man sich manchmal tief gebeugt durchs Unterholz bewegen muss. Zudem sind die Kästen im Laufe der Jahre im Buschwerk eingewachsen und nicht immer auf Anhieb zu erkennen. Der Neunjährige hat sich den Kasten mit der blauen Nummer 89 ausgesucht: Er hebt vorsichtig die Klappe an, in der anderen Hand hat er Pinsel und Spachtel und befördert das verlassene Nest auf den Waldboden. Jetzt ist die Wohnung für die Vögel wieder rein und der junge Naturschützer, der mit Eifer bei der Sache ist, freut sich. Schon geht er ungeduldig weiter, ist auf der Suche nach der 90.

Bei allem Eifer gelingt es den Teilnehmern aber nicht bis zur Mittagszeit, die 200 Kästen sauberzumachen. Thomas Roemer verrät, dass diese Arbeit andere Naturfreunde aus dem Verein in den nächsten Tagen fortführen werden.

»Es macht immer sehr viel Spaß«, sagt eine Teilnehmerin, die erfreut feststellt, »wie viele Vögel gebrütet haben«. Auch eine andere ist begeistert von der Aktion, bei der man in der Natur gemeinsam etwas für die Natur machen kann. Auf einer Liste trägt Thomas Roemer die Funde ein. Und ist nicht ganz zufrieden mit der so registrierten Artenvielfalt. »Meistens sind es Meisen, interessanter wäre, wenn mal ein Kleiber käme, der die Kästen zuklebt. Man hört ihn, er ist überall, aber er nutzt die Kästen nicht!«

Als spannend erwies sich die Entdeckung eines Hornissennestes: Es hatte verschiedene Ebenen mit einem dicken Stamm, um sie zu trennen. Auch zwei Siebenschläfer entdeckte die Gruppe, die ließ sie aber in Ruhe. An den Nestern ist zu erkennen, welche Arten hier unterwegs sind.

Alljährlich im Oktober zieht die Rödgener Nabu-Gruppe los zu ihrer Nistkastenreinigung. Und stellt sich damit in den Dienst der Vogelwelt und der Natur. In den vergangenen Jahren war das immer am Tag des Lohplatzbackens der Rödgener Frauenhilfe Die ehrenamtlichen Naturschützer freuten sich am Ende ihres Einsatzes auf den deftigen, warmen Kuchen aus dem Backhaus mit Kaffee. Doch in diesem Jahr klappte das aus organisatorischen Gründen nicht, der Lohplatzbacktag war schon vergangene Woche. Aber hungrig mussten die Teilnehmenden nicht nach Hause gehen: Ein Blech der Rödgener Spezialität war für die Helfer eingefroren worden, wurde heiß gemacht und mit Heißhunger verspeist. Dazu gab es selbst gepressten Apfelsaft. Die mobile Kelterei, die nach Rödgen kam, sei eine Initiative des Rödgener Nabu gewesen, berichtete Thomas Roemer. Man achte darauf, dass das Obst aus der Gemarkung vor Ort genutzt und verwertet wird und um es den Menschen einfacher zu machen.

40 Mitglieder hat die Nabu-Gruppe aus dem Stadtteil, kürzlich waren Neuwahlen und Roemer gab sein Amt als Vorsitzender auf, weil er nicht mehr in Rödgen wohnt. Er zählt aber weiterhin zum Vorstand und ist für die Finanzen des Vereins zuständig. Ursula Seipp führt jetzt die Gruppe, ihr Stellvertreter ist Dr. Martin de Jong. Unter den 40 Mitgliedern sind zehn aktiv. »Wir haben zwei, drei Projekte in Rödgen, darunter den Quellgarten, da wollen wir uns drum kümmern«.

Es gibt Pläne, Retentionsraum für Rödgen zu schaffen. Die Naturschützer wollen mit dem Umweltamt der Stadt, mit der es eine gute Zusammenarbeit gibt, erreichen, dass das Feuchtgebiet bleiben kann.

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