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»Mit Power in die Zukunft«

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Karla Mendez informiert über die Situation der Frauen in Nicaragua. © Czernek

Eine kleine Ausstellung im Gießener Rathaus zeigt den Kampf von Frauen in Nicaragua für mehr Gleichheit und Selbstbestimmung sowie gegen überkommene Rollenbilder.

Gießen . »In Nicaragua besteht nach wie vor die vorherrschende Meinung, dass Frauen in die Küche gehören«, berichtete Karla Mendez. Mit ihrem Referat führte sie inhaltlich in die Ausstellung »Mit Power in die Zukunft. Der Kampf von Frauen in Nicaragua« ein, die bis zum 20. Mai im Atrium des Rathauses zu sehen ist.

Das mittelamerikanische Land ist geprägt von einem tradierten Rollenbild, bei dem die Frauen noch völlig abhängig sind von ihren Männern. Mendez weiß, wovon sie spricht. Sie ist in Jinotega im Norden Nicaraguas aufgewachsen und absolviert gerade bei »GEPA - Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt mbH« in Wuppertal eine Lehre zur Groß- und Einzelhandelskauffrau. Ihre Mutter gehört zu den vielen kleinen Kaffeeplantagenbesitzerinnen, die ihren Ertrag zu einem Kollektiv der »Fairtrade«-Organisation »Soppexcca« beisteuern, sodass die Kaffeebohnen in den Weltläden gekauft werden können. Diese Institution ist eine von vielen, die den Frauen eine gesicherte Existenz ermöglichen. »Meine Mutter hat mit 0,3 Hektar eine sehr kleine Plantage. Das genügt nicht komplett zum Leben«, erläutert Mendez. Allerdings sei es ein Grundstein für ein verlässliches Einkommen, denn die Abnahme und der Preis sind garantiert. Zusätzlich baut ihr Vater noch Gemüse zur Selbstversorgung und zum Verkauf an.

Die Arbeit von »Soppexcca« reicht jedoch weit über die einer gewöhnlichen Handelsorganisation hinaus: Sie fördert nämlich Bildungsprogramme, Gesundheitswesen und die Bildung der Frauen, die über diesen Vertriebsweg ihre Kaffeebohnen offerieren. Damit handele es sich um ein gelungenes Beispiel für den Kampf für mehr Gleichheit und Selbstbestimmung von Frauen in dem kleinen Staat zwischen Pazifik und Karibischem Meer.

Die vom »Weltladen Marburg« erstellten neun Roll-ups gewähren einen Überblick über die wirtschaftliche Situation, insbesondere die Lage der Frauen. Die Steuerungsgruppe »Fairtrade Town« der Stadt Gießen, der Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Gießen - San Juan del Sur und Region in Nicaragua (Gipanic) sowie die Bildungsgruppe des »Weltladen Gießen« haben die Ausstellung für drei Wochen nach Gießen geholt.

Probleme bleiben

Stadträtin Astrid Eibelshäuser ging in ihrer Begrüßung auf die langjährige Städtepartnerschaft zwischen Gießen und San Juan del Sur ein. Sie betonte, dass man bei den Projekten, die von der Stadt gefördert werden, mittlerweile darauf achte, dass nur Nicht-Regierungsorganisationen (NGO) Geldmittel erhalten, da die Regierung des amtierenden Präsidenten Daniel Ortega in jüngster Zeit für Inhaftierungen, die Niederschlagung von Demonstrationen und die Unterdrückung der Opposition verantwortlich sei. Derlei repressives Handeln wolle man nicht unterstützen.

Uwe Koperlik, Vorsitzender von Gipanic, betonte, dass Nicaragua momentan zwar aus der Weltpresse verschwunden sei, das gelte aber noch lange nicht für die Probleme des Landes. Umso wichtiger sei diese Dokumentation, mit der die Situation klar und differenziert aufgezeigt werde.

Weitere Infos (auch in spanischer Sprache) gibt es im Internet unter: www.weltladen-marburg.de/veranstaltungen/ausstellungen/#power.

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