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Mit prominentem Neuzugang

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Lich. Ein wunderbarer Konzertabend, auch wenn er wegen eines Platzregens spontan vom Bürgerpark in die Bezalel-Synagoge verlegt werden musste. Das Multikulturelle Orchester aus Gießen glänzte unter Leitung seines Gründers Georgi Kalaidjiev wie eh und je, das heißt wie in den Zeiten vor Corona. Die Instrumentalisten brannten darauf, endlich wieder gemeinsam vor einer breiteren Öffentlichkeit zu musizieren.

Das Projekt gelang, das Publikum war regelrecht aus dem Häuschen und erklatschte sich eine Zugabe.

Ein wunderbar leichter und schwungvoller Walzer eröffnete den Reigen des internationalen Programms. »Les Cloches de Lilles« erweckte, meisterlich gespielt von Marco Konrad, mit seinen Akkordeonklängen Erinnerungen an Tanzabende in »la belle France«. Auch die anderen Mitwirkenden konnten bereits im ersten Auftritt ihr Können zeigen.

Georgi Kalaidjiev spielte die melodieführende Geige. Die zwölfjährige Rova Yorulmaz neben ihm brachte mit ihrem professionellen Violinspiel alle zum Staunen. Neu dabei ist Dietlind Grabe-Bolz, die nach ihrer Zeit in der Politik nun mehr Zeit für die Musik zur Verfügung hat. Als hätte das Orchester auf eine Querflöte gewartet: Das Spiel von Gießens Ex-Oberbürgermeisterin passte sich prima ein in den Zusammenklang der Instrumente und Nationen.

Maria Hauschild ist schon länger dabei. Als Partnerin von Kalaidjiev sorgt sie für die organisatorischen Abläufe und spielt in der Gruppe die Gitarre. Das Ukulele-Spiel ist in mediterranen Kompositionen vielfältig einsetzbar, gespielt wird das kleine Saiteninstrument von Susanne Schmidt. Hinzu kommen Nyurcihan Demirbas (Gitarre) und Nicolas Reinschmidt (Bass), die für den schwungvollen Rhythmus sorgten. Zu erleben war ein tolles Ensemble, das viel geprobt hatte und nun die Früchte seiner Mühen ernten konnte.

Das Multikulturelle Orchester, gegründet 2008 vom Geigenvirtuosen Kalaidjiev, verbindet Völker und Generationen und lädt ein zu einer musikalischen Reise durch viele Länder und Kontinente. Das Ensemble unterstützt das Kinderhilfsprojekt »Musik statt Straße« in Georgis Geburtsstadt Sliven in Bulgarien. Welch exquisite Musiker und Sängerinnen dort zusammenkommen, war auch beim nächsten Lied zu hören: Bei »Samiotizza«, einem traditionellen griechischen Volkslied hatte die zwölfjährige Rova Yorulmaz Gelegenheit zu zeigen, dass sie nicht nur Geige spielen kann, sondern auch über eine wunderschöne glockenklare Stimme verfügt.

Vom Balkan bis nach Argentinien

Das Programm wurde durch weitere Traditionals vom Balkan und aus der Türkei bestimmt. Bei Letzteren glänzte Sängerin Mehtap Arslan, die mit Liedern von Liebe und Schwermut (»Ich werde mich nicht mehr verlieben«) schon länger zum Stamm des Orchesters gehört. Mitreißend war eine Reihe von bekannten und unbekannten Tangos, darunter ein jiddisches Stück aus Argentinien, »Liber Tango« von Astor Piazolla in einer Bearbeitung von Marco Konrad sowie der Klassiker »La Cumparsita«. Die Rhythmen gingen so in die Beine, dass zum Schluss einige Besucherinnen zu tanzen begannen.

Dazwischen waren wieder schwermütige Klänge zu hören, das bekannteste dieser Lieder ist wohl das hebräische »Dos Kelbl« von 1940, eine englischsprachige Version wurde 1960 durch Joan Baez popularisiert. In der Bezalel-Synagoge trug die junge Rova dieses Lied ausdrucksstark vor. Zum Abschluss gab es noch einen Klezmer-Song von Giora Feidman und ein rumänisches Lied, bei dem die Querflöte als Lerche zu hören war.

Zu Beginn hatten die beiden Vorsitzenden des Vereins künstLich, Katja Karla Leisen und Peter Damm, den spontanen Ortswechsel entschuldigt. Ein Open Air im Bürgerpark wäre mit dieser Musik sicher traumhaft gewesen. Die Vorsitzenden baten zudem um weitere Spenden in der Folge von Corona.

Die Reihe »künstLich unterwegs« bietet noch drei Konzerte an: Gema 4 sind am 23. Juli um 19 Uhr in Kloster Arnsburg zu hören. JMO, Global Music, spielt am 6. August um 19 Uhr im Kulturrestaurant Savanne. Ein Gongkonzert mit Sukawave, gibt es am 27. August um 19 Uhr im VHS-Park Lich.

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