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Mit Schwung für Belange einsetzen

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Die Friseurinnung Gießen mit ihren 75 Mitgliedsbetrieben, hat einen neuen Obermeister: Timo Oertel aus Linden folgt auf Evelyn Scheld, die in den Ruhestand getreten ist.

Gießen. Die Friseurinnung Gießen, mit 75 Mitgliedsbetrieben eine der größeren in der 21 Innungen umfassenden Handwerkerfamilie in der Kreishandwerkerschaft Gießen, hat einen neuen Obermeister. Einstimmig wählte die Versammlung dieser Tage den 54 Jahre alten Friseurmeister Timo Oertel aus Linden für die nächsten fünf Jahre zu ihrem neuen Chef. Oertel löst Evelyn Scheld (Reiskirchen) an der Innungsspitze ab, die ihr Geschäft abgegeben hat und in den Ruhestand getreten ist.

Timo Oertel ist kein Neuling. Er gehört bereits seit 15 Jahren dem Vorstand der Friseurinnung Gießen an, die letzten fünf Jahre als stellvertretender Obermeister an der Seite von Evelyn Scheld. Folgerichtig musste auch das Stellvertreter-Amt neu besetzt werden. In dieses wurde ebenso einstimmig Olga Will berufen. Die 38 Jahre alte Friseurmeisterin, die seit zehn Jahren dem Gesellenprüfungsausschuss der Innung angehört, ist im Übrigen diejenige, die das Geschäft von Evelyn Scheld in Reiskirchen übernommen hat.

Umdenken

Es war Ehrenobermeister Günter Seth (Großen-Linden), der die Neuwahl des neuen Obermeisters leitete und darauf hinwies, dass es »immer einen kleinen Bruch gibt, wenn der Kapitän das Schiff verlässt«. Er selbst habe in seinem langen Berufsleben viele Brüche dieser Art erlebt und dabei die Erfahrung gemacht, dass sich stets auch Neues und Positives daraus ergeben habe. Dies werde auch als Folge des aktuellen Wechsels an der Innungsspitze so sein, ist sich der mittlerweile 84 Jahre alte Ehrenobermeister sicher.

Sechs Beisitzer komplettieren den neuen Vorstand. Drei von ihnen wurden im Amt bestätigt: Ralf Süßel (Lich), Nicole Hoffmann (Heuchelheim) und Selda Kinay (Gießen). Neu im Leitungsgremium sind Sarah Noyal und Madlen Yildirim (beide Gießen) sowie Elisabeth Schmunk-Gaier (Allendorf/Lumda). Die Neuen wurden von der Versammlung wegen ihrer Bereitschaft, sich im Vorstand aktiv einzubringen, freudig begrüßt.

Oertel kündigte an, sich im neuen Amt mit bewährtem Schwung für die Belange des Friseurhandwerks und der Innungsmitglieder einzubringen. Eine der Hauptaufgaben der Innung sei es, Rahmenbedingungen zu organisieren, innerhalb derer ein erfolgreiches Arbeiten möglich sei. Er erinnerte an die großen Probleme, denen sich zahlreiche Kolleginnen und Kollegen angesichts der Corona-Lockdowns in den vergangenen gut zwei Jahre gegenübersahen und die das Friseurhandwerk besonders hart getroffen hätten. Mit Auswirkungen auch auf Fachkräfte, die sich in vielen Fällen als Folge des Corona-bedingten faktischen Berufsverbotes anderweitig orientiert hätten und nicht ohne weiteres wieder an die alte Wirkungsstätte zurückkehrten.

Auch seien Auswirkungen auf den Ausbildungsbereich festzustellen, der - und nicht erst seit gestern - unter der »Akademisierungswelle« zu leiden habe. Das Handwerk allgemein stehe vor dem Problem, dass viele junge Menschen - und mit ihnen nicht zuletzt viele Eltern - zunächst der Meinung sind, ihre beruflich Zukunft mit dem »frischen« Abitur in der Tasche in einem Studium suchen zu müssen. Zum Nachteil der beruflichen Ausbildung. Hier müsse ein Umdenken stattfinden mit dem Ziel, berufliche und akademische Bildung nicht als Gegensatz, sondern als zwei gleichberechtigte Seiten einer Medaille zu sehen.

Auch wenn laut Oertel das Friseurhandwerk in Sachen Ausbildungsvergütung nicht zu den Spitzenreitern zähle, sei aber der Landesinnungsverband Hessen in dieser Frage im bundesweiten Vergleich gut aufgestellt. Dass dies auch für die Bezahlung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zutreffe, liegt laut Oertel in einem »wichtigen Detail«, nämlich der nicht selbstverständlichen Tatsache, dass das Friseurgewerbe eines der wenigen handwerklichen Gewerke mit einem allgemeinverbindlichen Tarifvertrag sei.

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