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Mit Sport gegen die Kälte

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Von: Eva Pfeiffer

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Um 25 Prozent will die JLU ihren Energieverbrauch senken. Dafür soll auch weniger geheizt werden. Symbolfoto: dpa/Fernando Gutierrez-Juarez © Red

Die Energiesparmaßnahmen der JLU Gießen zeigen Wirkung: Ein geringerer Verbrauch wurde im September im Vergleich zum Vormonat verzeichnet.

Gießen . Weniger heizen, möglichst keine Lehrveranstaltungen in Präsenz am Freitag oder die Einstellung des Schwimmbadbetriebs am Campus Kugelberg: Die Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen hat eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, um den eigenen Energieverbrauch zu senken. Und es scheint zu wirken - das sagte Uni-Präsident Joybrato Mukherjee in der jüngsten Sitzung des Senats. Dabei sei die Einsparung »kein rein monetäres Thema«, auch wenn die erwarteten Mehrkosten für Energie in Höhe von zehn Millionen Euro eine Belastung für die Hochschule sind. »Wir müssen als Universität einen Beitrag zur Verbrauchsdrosselung leisten.«

Laut Kanzlerin Susanne Kraus haben die Stadtwerke Gießen (SWG) die JLU für die Versorgungssicherheit in der Region um »signifikante Einsparungen« gebeten. Im September dieses Jahres habe man weniger Energie verbraucht als im Jahr zuvor, »obwohl der September vergleichsweise kalt war und wir die Heizung bereits angestellt hatten«. Genaue Zahlen müsse man jedoch noch auswerten. Angesichts der vielen älteren Gebäude könne die Hochschule einen »eklatanten Beitrag« leisten, wenn die Gebäude wie vorgesehen von Donnerstagabend bis Montagmorgen geringer beheizt würden.

Die in die Jahre gekommene Infrastruktur sei auch ein Grund, weshalb die JLU mehr Energie verbrauche als die Goethe-Universität in Frankfurt. Ein Vertreter des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) hatte dies zuvor kritisiert. »Die baulichen Voraussetzungen in Frankfurt sind anders. Dort wurden drei Milliarden Euro in drei Campi investiert«, gab Präsident Mukherjee zu bedenken. In Gießen gebe es dagegen viel Sanierungsbedarf. Zudem habe die JLU einige energieintensive Studiengänge, die es in Frankfurt nicht gebe.

Ziel der Universität ist es, 25 Prozent ihres regelmäßigen Energieverbrauchs einzusparen, ohne auf Präsenzlehre zu verzichten. Es gebe kein Verbot der Präsenzlehre an Freitagen, betonte Mukherjee angesichts entsprechender Nachfragen. Da jedoch nur maximal fünf Prozent der Lehrveranstaltungen freitags stattfinden, solle eine Verlegung angestrebt werden.

Vor einem »Nullsummenspiel« warnte ein Senatsmitglied, falls Studierende und Mitarbeitende im Winter ihre Privaträume heizen, anstatt gebündelt an der Universität zu arbeiten. Eine Vertreterin des Personalrats gab zudem zu bedenken, dass die Mitarbeitenden nach fast drei Jahren Pandemie bereits an der Belastungsgrenze angekommen sind. Nicht jeder könne darauf verzichten, freitags an der Uni zu arbeiten.

Kanzlerin Kraus wies darauf hin, dass reduzierte Temperaturen kein Hindernis für Prüfungen sind. Die Rechtssprechung lasse Prüfungen bei 18 Grad zu.

Eigentlich, so Präsident Mukherjee, hätte die Politik die Hochschulen in Deutschland zu »Wärmeorten« erklären müssen. Stattdessen würden die Hochschulen wie beispielsweise produzierende Unternehmen behandelt und zum Energiesparen angewiesen. Ziel müsse es sein, eine Gasmangellage zu vermeiden - sonst werde man über ganz andere Fragen diskutieren müssen. Generell seien die Energiesparpläne »work in progress«, man werde daher permanent nachsteuern müssen.

Die JLU hat für die Lehrveranstaltungen, die zwingend freitags oder am Wochenende stattfinden müssen, sogenannte Wärmeorte für die Lehre in allen Campusbereichen festgelegt. Auch die Bibliotheken gelten als Wärmeorte. Ein Senatsmitglied wies darauf hin, dass man sich mit den offenen Wärmeorten »eine Szene ins Haus« hole, »die wir hier nicht haben wollen«.

Um sich während der Arbeit am Schreibtisch aufzuwärmen, hat der Allgemeine Hochschulsport (AHS) mit dem »WarmUpExpress« eine kurze Bewegungspause entwickelt, die »zeitlich flexibel und individuell in Lehre sowie Studiums- und Arbeitsalltag« eingebunden werden könne. Dazu zählen Übungen wie Kniebeugen, Handpresse oder Beinkreisen. Sechs kleine Sporteinheiten wurden erarbeitet und sind online abrufbar unter www.uni-giessen.de/fbz/svc/ahs/gesundheit/warmupexpress.

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