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Mit Spott und Selbstironie

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Sie beherrscht den entspannten Plausch in heimeliger Atmosphäre: Comedienne Daphne de Luxe in der Kongresshalle. © Czernek

Die aus Franken stammende Comedienne Daphne de Luxe warb in der Kongresshalle für ein positives Selbstbild.

Gießen. «Darf man in diesen Zeiten zu einem Comedy-Abend einladen?« Diese Frage haben sich das Büro für Frauen und Gleichstellungsfragen und der Magistrat unter dem Eindruck des Krieges in der Ukraine gestellt - und sich für ein Ja entschieden. Das war gut so, denn nach zwei Jahren Pandemie war es einfach schön, einmal herzlich über die mit viel Selbstironie und Koketterie erzählten Geschichten von Daphne de Luxe zu lachen. Die aus dem Fernsehen bekannte Comedienne stellte ihr Programm »In Hülle und Fülle« in der Kongresshalle vor. Und sie überzeugte mit einer Mischung aus amüsanter Unterhaltung, Selbstironie, Tiefgang, Authentizität und Gesang.

Wenn Daphne de Luxe die Bühne betritt, ist es ein wenig wie mit einem Besuch bei der besten Freundin: Man setzt sich zusammen aufs Sofa, sie plauscht, lauscht und lästert über die vielen kleinen Unwegsamkeiten des Lebens. Und dabei bekamen am Internationalen Frauentag vor allem die Männer ihr Fett weg. Wer von ihnen den Mut hatte, der Einladung des Gleichstellungsbüros zu folgen, musste über eine gehörige Portion an Selbstironie verfügen, denn ihre Befindlichkeiten wurden augenzwinkernd zur Schau gestellt.

Die Comedienne mit oberfränkischen Wurzeln nimmt sich aber auch selbst niemals allzu ernst, wenn sie sich etwa mit ihrer »Karosserie« im Reinen weiß. Zwar habe sie eigentlich ein paar Pfund zu viel. Aber »die Würmer freuen sich später mehr über mich als über die Dünnen.« Gerade diese Kilos sind ihre Pfunde, mit denen sie zu punkten weiß. So macht sie sich Gedanken über den Fitnesswahn oder die altklugen Ratschläge ihrer Nachbarin. Und ganz nebenbei macht sie dem Publikum Mut, sich selbst positiv zu sehen. Trotz aller vermeintlichen Mängel, die Frauen an sich selbst und andern entdecken. »Arrangiert euch mit euren Schwächen, denn dicke Kinder sind viel schwerer zu entführen«. Mit diesem Spruch habe ihre Oma sie bereits in ihrer Kindheit getröstet. Zumal Männer mit den Jahren auch nicht besser dastünden. »Jeder hat das Recht, hässlich zu sein, aber Du übertreibst«.

Daphne de Luxe ist immer nah am Leben. Nichts ist ihr fremd, nicht einmal die Ausdünstungen nach dem reichlichen Genuss von Sauerkraut. Zwischendrin zeigte sie zudem, dass sie nicht nur witzige Geschichten erzählen kann, sondern auch über eine veritable Stimme verfügt. So animierte sie auch das Publikum zum Mitsingen, was mal besser und mal weniger gut funktionierte. Wie eine Operndiva gewandet kehrte sie nach der Pause auf die Bühne zurück, mit tiefen Dekolleté und vielen frechen Sprüchen. Stundenlang kann man der Entertainerin zuhören, wenn sie wie in Gießen über die Bühne wirbelte, kaum Zeit zum Nachdenken ließ und schließlich den Tom-Jones-Hit »Sex-Bomb« in einen griechischen Sirtaki verwandelte.

Spenden gesammelt

Dass sie in Zeiten wie diesen nicht einfach ihr Programm herunterspulte, zeigte sie zu gleich zu Beginn des Abends. In zwei Grußworten zuvor hatten Dezernentin Astrid Eibelshäuser im Namen des Magistrats und die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte Friederike Stibane ihre Solidarität mit der Ukraine und den Frauen auf der Flucht bekundet. Stibane betonte, dass die Solidarität allen Menschen auf der Flucht gelte, auch jenen die im Grenzgebiete zwischen Polen und Weißrussland festsitzen und nicht aus der Ukraine stammten. Diese Worte ergänzte die Künstlerin mit dem Satz: »Die Macht hasst nichts mehr als das Lachen, das Lächeln und den Spott.« Die »Walküre der Comedy« zeigte damit Herz und Niveau: Unterhaltung »de Luxe«.

Wie im jeden Jahr wurde am Ausgang für eine humanitäre Organisation gesammelt. Aus aktuellem Anlass wurden diesmal die SOS-Kinderdörfer Ukraine und die Ärzte ohne Grenzen ausgewählt, da besonders Kinder und Frauen von Flucht und Vertreibung in der Ukraine betroffen sind, sagte die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte. Insgesamt kamen 1400 Euro zusammen, die nun auf beide Organisationen verteilt werden. »Das finde ich sensationell«, sagte Friederike Stibane.

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