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Mit strahlendem Stimmklang

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Das Gießener Vocalensemble unter Leitung von Marina Sagorski. Foto: Schultz © Schultz

Gießen. Mit einem glänzenden Auftakt begann am Wochenende das Heinrich-Schütz-Fest der Kirchen- und Chormusik. In der voll besetzten Petruskirche eröffnete das Gießener Vocalensemble unter der Leitung von Marina Sagorski eine stattliche Reihe von Ereignissen mitsamt Ausflug und Vortrag, die anlässlich des 350. Todestags des Barockkomponisten bis zum 6.

November läuft. Zum Auftakt lieferten die Sänger und Sängerinnen ein Konzert handwerklich erster Güte sowie berührender Emotionen ab.

Veranstalter des Fests ist das evangelische Dekanat Gießen. »Heinrich Schütz war einer der wichtigsten Komponisten der Musikgeschichte im deutschen Raum und schon 100 Jahre vor Bach der erste deutsche Komponist von Rang«, erklärte Gerhard Schulze-Velmede, Vorsitzender des evangelischen Dekanats Gießen, in seiner Begrüßung. »Wort und Musik gehörten bei ihm zusammen.« Der in Köstritz geborene, in Dresden gestorbene Schütz (1585-1672) sei ein konfessioneller Kosmopolit gewesen.

Schirmherr, Oberbürgermeister und Kulturdezernent Frank-Tilo Becher, einst Dekan in Gießen, erinnerte sich an seine erste prägende Chorerfahrung mit Musik von Schütz. »Danke für dieses wundervolle, vielseitige, hochinteressante und anspruchsvolle Programm, das viele Gruppen anspricht - ein tolles Angebot. Für mich hat Schütz immer den Text bebildert, sodass ich ihn neu sehen konnte.«

Den Auftakt machte die Geistliche Chormusik 1648, Nr. 4, SWV 372, »Verleih uns Frieden genädiglich«. Das Gießener Vocalensemble war erstklassig disponiert und sang das Werk mit strahlendem Stimmklang, so dass man zum einen sofort in die Zeit des Komponisten zurückversetzt wurde. Zum anderen spürte man sogleich die ersten seelischen Berührungen - ein sehr guter Start, das volle Haus lauschte aufmerksam.

Johann Hermann Scheins (1586-1630) »Was betrübst du dich, meine Seele«, ein Madrigal zu fünf Stimmen von 1623, machte die zu erwartenden Genüsse noch deutlicher. Man musizierte fröhlich, mit guter Textverständlichkeit und kraftvoller Emotionalität, die aber nicht pompös wurde. Auffallend waren auch die guten Höhen des Chors.

Exzellentes Klangerlebnis

Zum zweiten Schütz-Werk - Musikalische Exequien, Dresden 1636, op.7 Teil 1, Concert in Form einer teutschen Begräbnis-Missa, SWV 279 - wurde das Ensemble auf sein volles Spektrum erweitert. Die Musiker Katrin Ziegler (Cello) und Mikiya Kaisho (Chitarrone) ergänzten Frank Scheffler an der Truhenorgel. Die Propsteikantorin Oberhessens hatte nicht erst bei diesem umfangmäßig größten Teil des Konzerts alles im Griff. Schon zuvor hatte sie feine Klangmodulationen und Dynamikgestaltungen vorgenommen, denen das Ensemble wunderbar präzise und unangestrengt folgte, nun rundete sich das Ganze zu herausragender Geschlossenheit und Transparenz. Heraus ragten die sehr schönen Tenorstimmen, ergänzt um liebliche Soprane. Das formte sich mit dem exzellent passenden Instrumentenklang zu einem exzellenten Klangerlebnis. Die barocken Elemente wurden kraftvoll und mit Schwung und schöner Dynamikgestaltung musiziert, ein Genuss.

Weiter ging es mit Schütz’ Musikalische Exequien, Teil 2 mit der Motette »Herr, wenn ich nur dich habe«, SWV 280, das im selben hervorragenden Duktus erklang, ein weiteres Glanzlicht des Abends.

Zum Abschluss wurden die Musikalischen Exequien, Teil 3 - Canticum Simeonis, Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren, SWV 281 präsentiert. Eingeleitet von einem sehr gut ausgeführten Orgelvorspiel und unterstützt von einer Abordnung dreier Sänger auf der Empore, die trotz der großen Entfernung bis auf den leicht angestrengten Sopran sehr ausgewogen agierten, war das ein adäquates Finale: großes Leuchten der Stimmen, packende Emotionalität und eine makellose Handwerklichkeit ließen nichts zu wünschen übrig. Das Publikum dankte sehr erfreut und ebenso ausdauernd.

Das Gießener Heinrich-Schütz-Fest wird mit einem Chortag für Gießener Chöre fortgesetzt. Er findet am Samstag, 8. Oktober, von 14 bis 20 Uhr in der Petruskirche statt. Mehr Infos zum umfangreichen Programm unter www.giessen-evangelisch.de.

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